Debatte über Buslinienführung
Wo geht‘s künftig lang?

Münster -

Die Zukunft des Busverkehrs in Münster wurde bei einer Bürgerversammlung kontrovers diskutiert. Die Stadtwerke möchten das Angebot stärker an der Nachfrage ausrichten. Geänderte Linienführungen führen aber auch unweigerlich dazu, dass einzelne Quartiere künftig schlechter bedient werden.

Donnerstag, 15.01.2015, 06:00 Uhr
Der Busverkehr in Münster soll neu geregelt werden. Die Beratungen über den Nahverkehrsplan laufen derzeit. Wie bei einer Bürgeranhörung deutlich wurde, gehen Verbesserungen an einer Stelle mit Nachteilen an anderer Stelle einher. Darüber wird kontrovers diskutiert.
Der Busverkehr in Münster soll neu geregelt werden. Die Beratungen über den Nahverkehrsplan laufen derzeit. Wie bei einer Bürgeranhörung deutlich wurde, gehen Verbesserungen an einer Stelle mit Nachteilen an anderer Stelle einher. Darüber wird kontrovers diskutiert. Foto: tzkorn

Die Linie 14 ab Mauritz soll künftig nicht mehr über den Prinzipalmarkt fahren, die Linie 9 ab Hiltrup hingegen soll dieses Privileg neu bekommen. Die Stadtwerke Münster begründen diesen Wunsch damit, dass mehr Menschen mit der 9 als mit der 14 in die Stadt fahren. Ist es also gerecht, wenn die Mauritzer einen Nachteil in Kauf nehmen müssen, damit die Hiltruper einen Vorteil genießen können?

Um Fragen wie diese ging es bei einer Bürgerversammlung im Stadtwerke-Gebäude. Der Anlass: Der Rat möchte im Sommer den neuen Nahverkehrsplan verabschieden. Er soll sicherstellen, dass die Busse künftig vorzugsweise dort fahren, wo besonders viele Menschen anzutreffen sind.

Kommentar zum Thema: Ohne Nachfrage kein Angebot

Frust und Freude eng beieinander

Die Bürgerversammlung machte deutlich, dass dabei Frust und Freude eng beieinander liegen. So wies der Buslinien-Planer Jochen ­Roes darauf hin, dass die Friedrich-Ebert-Straße unterversorgt sei. Um das zu ändern, ist geplant, die Linien 2 und 7 über diese Straße zu leiten. Eine Anwohnerin aus dem Geistviertel beklagte die Kehrseite der Medaille: Über die Geiststraße soll künftig gar kein Bus mehr fahren. „Alte und Gehbehinderte kommen dann nicht mehr in die Stadt.“

Netzplan

Wo fährt welche Linie? Die Stadtwerke Münster stellen einen interaktiven Netzplan bereit.

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Vertreter des Hittorf-Gymnasiums und des Marien-Gymnasiums äußerten die Sorge, dass sich die geplanten Veränderungen negativ auf die Erreichbarkeit ihrer Schulen auswirken würden. Planer Roes hielt dem entgegen, dass die „speziellen Bedürfnisse“ des Schülerverkehrs nicht immer identisch seien mit den Wünschen anderer Fahrgäste.

Ringlinie ohne Kolde- und Hansaring

Noch so ein Problem: Künftig soll es eine sogenannte Ringlinie geben. Sprich, einen direkten Busverkehr auf dem Ring von der Kreuzung Wolbecker Straße bis zur Kreuzung Hüfferstraße. Der Koldering und der Hansaring werden dabei ausgespart, was zu kritischen Nachfragen führte, weil sich für die Unternehmen im Hafenviertel und die LVM-Versicherung als direkte Anlieger Nachteile ergeben. Die Erklärung der Stadtwerke : Es bestehe die Notwendigkeit, eine Routenführung zu finden, die eine Anbindung an den Hauptbahnhof erlaube.

Dass Licht und Schatten eng beieinander liegen, zeigt sich auf der Linie 7 ab Gelmer. Sie führt nicht mehr über die Hörsterstraße zur zentralen Altstadthaltestelle Bült, sondern geht „nur“ bis zum Bahnhof. Die lärmgeplagten Anwohner der Hörsterstraße freut es, die Gelmeraner nicht.  

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