Neues Mess-System
Sensoren zählen die Radfahrer

Münster -

16 000 Radfahrer – so hoch ist die tägliche Verkehrsbelastung auf den am stärksten frequentierten Radweg-Abschnitten in Münster. Dabei handelt es sich um einen rechnerischen Wert, eine 24-Stunden-Zählung fand bislang nicht statt. Das soll sich ändern.

Mittwoch, 11.02.2015, 06:00 Uhr aktualisiert: 11.02.2015, 08:34 Uhr
Unter den Radwegen an der Wolbecker Straße sollen Sensoren angebracht werden, die die Radfahrer zählen. Die Ergebnisse sollen bei der Erstellung des Radverkehrskonzeptes 2025 verwendet werden.
Unter den Radwegen an der Wolbecker Straße sollen Sensoren angebracht werden, die die Radfahrer zählen. Die Ergebnisse sollen bei der Erstellung des Radverkehrskonzeptes 2025 verwendet werden. Foto: Oliver Werner

Vor einem Jahr reichten der Verwaltung Schätzungen nicht mehr aus. Am Neutor wurden unter den Radwegen Sensoren installiert, die rund um die Uhr Räder registrieren. Das Ergebnis war für die städtischen Verkehrsplaner mehr als überraschend: „An Spitzentagen wurden mehr als 25 000 Radfahrer gezählt“, berichtet Michael Milde. „Damit ist an dieser Stelle viel mehr Verkehr, als wir berechnet hatten.“

Verständlich, dass ihm und seinen Kollegen die Sensoren am Neutor nicht mehr ausreichen. In den kommenden Monaten sollen auch unter den Radwegen an der Wolbecker Straße Sensoren ihre Arbeit aufnehmen, ein weiteres Dutzend Stellen soll bis Ende des Jahres hinzukommen. Ziel sei es, ein stadtweites Netz aufzubauen und so verlässliche Zahlen über die Zahl der Radfahrten und die am stärksten frequentierten Radwege zu erhalten, sagt Milde. Deren Auswertung soll die Grundlage für die Fortschreibung des Radverkehrskonzeptes der Stadt Münster bis 2025 bilden. „Dafür sind solche Zahlen natürlich extrem wichtig“, unterstreicht der städtische Verkehrsplaner.

Radwege stärker belastet als angenommen

Radverkehr

Rund zwei Drittel der Münsteraner gaben 2013 bei einer Befragung der Stadt Münster an, an drei bis sechs Tagen pro Woche mit dem Rad unterwegs zu sein. Eine Fahrradfahrt in Münster dauert danach im Schnitt 14,1 Minuten, der durchschnittliche Fahrweg beträgt 2,9 Kilometer. Zwischen 450 000 und 500 000 Radfahrten täglich gibt es nach Schätzung der Verkehrsplaner aktuell. Zum Vergleich: 1982 lag dieser Wert bei knapp über 270 000, 1990 bei 333 000, 2007 wurde die 400 000-Marke geknackt. Der Radverkehr hat sich damit in 30 Jahren fast verdoppelt.

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Ein erstes Bild von der Radverkehrssituation (mehr Touren auf dem Rad als im Pkw ) hatte die Verwaltung 2013 nach einer städtischen Haushaltsbefragung erhalten. 450 000 bis 500 000 Fahrten legen danach die Münsteraner jeden Tag zurück. Milde geht aktuell nicht davon aus, dass die Sensoren-Messungen das Ergebnis bringen, dass die Münsteraner, zum Beispiel, 600 000 Mal täglich unterwegs sind. Aber: „Es kann sein, dass jene Stellen, die wir für die am stärksten frequentierten halten, noch viel stärker frequentiert werden, als vermutet – und dass zu den stark frequentierten Stellen noch weitere hinzu kommen.“ Und andere womöglich weniger bedeutend sind, als bisher vermutet.

 Das Radverkehrskonzept 2025 soll auf diese Erkenntnisse aufbauen. Wo fahren viele Radler – und wo nicht so viele? Wo ist das Fahrrad-Aufkommen gewaltig, wo nur durchschnittlich? Die Radwege-Planungen sollen auf diese Erkenntnisse reagieren. Möglicherweise müssen Radwege verbreitert werden – oder ein zuvor für notwendig gehaltener Ausbau ist doch nicht so wichtig. Auch auf Ampelschaltungen können die Ergebnisse Auswirkungen haben: Je mehr Radfahrer eine Straße überqueren, umso sinnvoller könnte es sein, eine Grünphase zu verlängern.

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