So., 22.02.2015

Kein Durchkommen auf dem Prinzipalmarkt Onkel Willis Abschied von der Rathaustreppe

Zum letzten Konzert von Onkel Willi (M.) auf der Rathaustreppe bekam dieser Unterstützung von Steffi Stephan (l.) und Oberbürgermeister Markus Lewe.

Zum letzten Konzert von Onkel Willi (M.) auf der Rathaustreppe bekam dieser Unterstützung von Steffi Stephan (l.) und Oberbürgermeister Markus Lewe. Foto: Markus Lehmann

Münster - 

Zum letzten Konzert von Onkel Willi auf Münsters Rathaustreppe kamen am Samstag geschätzt mehr als 400 Menschen. Sie verabschiedeten das musizierende Original in den selbst gewählten Ruhestand.

Von Klaus Möllers

„Onkel Willi, Onkel Willi!“, rufen Hunderte Menschen schon, als sich Münsters bekanntester Straßenmusiker auf die Stufen links neben der Rathaustür setzt – sein Lieblingsplatz. Zum letzten Konzert von Onkel Willi alias Klaus Reinhardt für die Öffentlichkeit kamen am Samstag geschätzt mehr als 400 Freunde, Bekannte oder Menschen, die das musizierende Original als Passanten auf dem Prinzipalmarkt kennengelernt und von seinem selbst gewählten Ruhestand gehört hatten.

Eine Menschentraube umringt den 70-Jährigen. Etliche haben Fotokameras mitgebracht, nehmen Videos mit dem Handy auf. Stadtbusse, Taxen und der Münster-Sightseeing-Bus müssen angesichts des Andrangs vor dem Rathaus zeitweilig warten – die lebende „Sehenswürdigkeit“ geht vor!

Fotostrecke: Onkel Willi gibt sein Abschiedskonzert

„Er benutzt die letzten Jahre über ja nur das kleine Besteck“, witzelt Hansi Meier (66) über Willis Ausstattung mit Mundharmonika, Mandoline, Dobro-Gitarre und Fußpedaltrommel. „Wir haben früher in einer Land-WG zusammengelebt“, sagt Meier. Heute begleitet er Onkel Willi mit Tambourin und Gesang, in Gesellschaft von Karsten Wolff an der Akustikklampfe. Die Stones schlagen sie an, R.E.M., die Kings und Pink Floyd – mit manch wehmütigem Titel: „Wish You Were Here“ darunter und „Sittin’ on a Fence“.

Der Star des Tages wirkt bescheiden – Onkel Willi singt nur manchmal leise mit, begleitet die Jungs ab und an auf den Saiten. Die kranke Lunge lässt es nicht mehr so zu wie früher. Zwischendurch gibt es ein Gläschen Sekt von Oberbürgermeister Markus Lewe im Namen der Stadt. Onkel Willi sagt „Prost“, er lächelt.

Zwischen wiederkehrendem Applaus der Fans selbst für kleine Gesten des Straßenmusikers setzt Lewe seine eigene Stimme laut als Sprachrohr ein: „Onkel Willi sagt, er bedankt sich für die vielen schönen Momente und Begegnungen hier an diesem Platz!“

Fotostrecke: Onkel Willi gibt sein letztes Konzert auf der Rathaustreppe

Lewe bedankt sich bei ihm, erklärt: „Onkel Willi nimmt Abschied nicht als Bürger unserer Stadt, sondern als jemand, der uns mit Freundlichkeit und Originalität in Münster auch ein Stück Identität gegeben hat.“

Jovel-Chef Steffi Stephan schlägt zeitweilig eine Gitarre mit an, singt Songs mit. Jemand reicht einen kleinen Instrumentenkoffer geöffnet über die Menge, um Spenden für den eintrittsfreien Auftritt einzusammeln. Ein anderer hat Onkel Willi für seinen Kohleofen in der Laube, die sein Zuhause ist, Briketts mitgebracht. Im Umfeld des Konzerts entwickelten derweil einige Musiker die Idee, ein Spendenkonto einzurichten.

Erst nach mehreren Stunden lichten sich die Reihen etwas. Wie er die Reaktionen der Menschen fand?

Onkel Willi: „Überwältigend! Ich komme hier gar nicht raus. Ich könnte bis zum Lebensende hier sitzen bleiben.“

 


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