Pierre Corneilles „Extravaganter Liebhaber“
Alles auf Anfang

Münter -

Welch perfider Plan: Alidor will Angélique loswerden. Er tauscht mit Cléandre, seinem besten Freund, der Angélique verehrt, die T-Shirts mit ihren Namen drauf. Dumm nur: Angélique und Freundin Phylis machen es aus Versehen ebenso. Cléandre schleppt die Falsche ab.

Sonntag, 01.03.2015, 15:12 Uhr aktualisiert: 03.03.2015, 19:00 Uhr
Angélique (Lilly Gropper, l.) und Phylis (Johanna Marx) sind in Liebesdingen ganz unterschiedlicher Meinung.
Angélique (Lilly Gropper, l.) und Phylis (Johanna Marx) sind in Liebesdingen ganz unterschiedlicher Meinung. Foto: Oliver Berg

1634, als der französische Dramatiker Pierre Corneille seine Liebeswirren-Komödie „La Place Royale“ verfasste, blieb Angélique nur der Weg ins Kloster. Heute, die Gesellschaft auf der Bühne trägt Headsets und Business-Klamotten, zieht sie stolz davon.

Es ist grandios, wie gut es am Theater Münster gelingt, Corneilles Jugendstück dank der modernen Übersetzung von Rainer Kohlmayer in die Jetztzeit zu holen. Die deutsche Erstaufführung von „Der extravagante Liebhaber“ erntet am Freitagabend im Kleinen Haus viel Applaus und immer wieder belustigtes Gekicher. Dies ist Stefan Ottenis Esprit-reicher Inszenierung geschuldet. Und der Versform, die Kohlmayer übernommen hat. Sie wird vom spielfreudigen Ensemble frech verulkt, wenn sich auf „prüfen“ nur „verblüfen“ reimt.

„Der extravagante Liebhaber“ ist ein munteres Ensemblestück. Die sechs Protagonisten tanzen schon den Büro-Step (Einstudierung: Eric Constantin), wenn das Publikum den Raum rund um die Spielfläche betritt. Anne Neuser hat sie karg mit Hockern möbliert. Die Darsteller laufen herum, telefonieren. „Work hard play hard“ lautet die Maxime. Und dann geht es auch schon um das Wer mit Wem. Wobei das Tempo anfangs überrumpelt.

Die Frauen sind wichtige Figuren. Johanna Marx spielt die rationale Phylis, die sich bei Männern nicht festlegen will. Ganz anders Angélique, die an die wahre Liebe glaubt und Alidor, den Narziss, liebt. Als ihr Phylis eine SMS zuspielt, die Alidors Untreue verrät, flippt sie aus. Wie sich Lilly Gropper in dieser Szene hysterisch wimmernd auf dem Boden windet („Ist das peinlich!“), ist so grotesk, dass es den ersten Höhepunkt dieses turbulenten Stücks markiert.

Es folgt das Betriebsfest, bei dem Hemmungen und Hüllen fallen. Erst schnappt sich Doraste (Daniel Rothaug, eingesprungen für den erkrankten Dennis Lauben-thal) mit Hilfe seiner Schwester Phylis Angélique. Die demütigt damit Cléandre (schön schüchtern: Maximilian Scheidt), bringt aber Alidor (Florian Steffens) in lächerlicher Titanic-Film-Pose zurück auf Kuschelkurs. Der daraufhin zu seiner Rettung („Ich werd’ immer der Herr meines Herzens sein“) denT-Shirt-Trick ersinnt.

Inszenatorisch stimmt einfach alles. Putzige Zelte dienen als Party- und Rückzugsraum. Die T-Shirts, verteilt von Lysis, dem Chef (Ilja Harjes), ermöglichen schlüssig die Verwechselung. Und richtig drollig wird es, wenn Maximilian Scheidt „Ne me quitte pas“ singend um Phylis wirbt. Sie muss – auch dies ein treffendes Bild – die Münze nicht mehr werfen, um sich für den vermögenden Mann zu entscheiden.

Zurück bleibt nach 90 Minuten Alidor, der Strippenzieher. Die neue Kollegin ist auch schon da. Alles auf Anfang.

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Die nächsten Aufführungen: 5., 12., 15. und 17. März, Karten unter ✆ 0251/ 59 09 100

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