Jüdischer Friedhof in Münster
Wissenschaftler haben 400 Grabsteine fotografiert und übersetzt

Münster -

Seit 200 Jahren werden auf dem jüdischen Friedhof an der Einsteinstraße Menschen bestattet. 400 Grabsteine, schlichte und opulente, beschriftet in Hebräisch und Deutsch, zeugen von der Bedeutung dieses Ortes und der wechselvollen Geschichte der Gemeinde.

Mittwoch, 04.03.2015, 08:00 Uhr aktualisiert: 04.03.2015, 11:21 Uhr
Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Grabsteine von Abraham und Thirza Steinberg (zwischen Projekt-Koordinator Ludger Hiepel, l., und dem jüdischen Gemeindevorsteher Sharon Fehr) errichtet. Prof. Dr. Marie-Theres Wacker von der Katholisch-Theologischen Fakultät der WWU leitet das Projekt. 
Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Grabsteine von Abraham und Thirza Steinberg (zwischen Projekt-Koordinator Ludger Hiepel, l., und dem jüdischen Gemeindevorsteher Sharon Fehr) errichtet. Prof. Dr. Marie-Theres Wacker von der Katholisch-Theologischen Fakultät der WWU leitet das Projekt.  Foto: kal

Systematisch erforscht wurde der Friedhof noch nie. „Als ich ihn mit Studierenden besuchte und nach Informationen fragte, bekam ich ein kleines Heft mit ein paar Fotos“, erinnert sich Prof. Dr. Marie-Theres Wacker von der Katholisch-Theologischen Fakultät. Sie fasste den Entschluss, diese Lücke zu schließen. Bis 2002 diente der Friedhof als Begräbnisplatz der Jüdischen Gemeinde. Dann begann die Wissenschaftlerin mit ihren Mitarbeitern, die 400 Grabsteine zu fotografieren und die Inschriften zu übersetzen. Die Ergebnisse sind auf der Internetseite www.juedischer-friedhof-muenster.de zusammengefasst, die am 24. März online geht.

Jüdischer Friedhof in Münster erforscht

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  • Wissenschaftler der Universität haben sämtliche Grabsteine des jüdischen Friedhofs in Münster fotografiert und übersetzt. Foto: kal
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  • Wissenschaftler der Universität haben sämtliche Grabsteine des jüdischen Friedhofs in Münster fotografiert und übersetzt. Foto: kal
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  • Wissenschaftler der Universität haben sämtliche Grabsteine des jüdischen Friedhofs in Münster fotografiert und übersetzt. Foto: kal
  • Wissenschaftler der Universität haben sämtliche Grabsteine des jüdischen Friedhofs in Münster fotografiert und übersetzt. Foto: kal
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Auf der Homepage können dann Gräber gezielt angeklickt werden. Es erscheinen dann Fotografien der Grabsteine sowie die Grabinschriften und ihre Übersetzung. Sie werden zudem mit der „Geschichte der jüdischen Familien in Münster “ verknüpft, einem dreibändigen Standardwerk, das die Historikerinnen Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer verfasst haben. Zu einem späteren Zeitpunkt soll dann auch die Geschichte des Friedhofs erforscht werden und eine Publikation in Buchform erscheinen. Wann genau das sein wird, ist nach Angaben der Wissenschaftler aber noch nicht absehbar.

An den Grabsteinen ist gut die Geschichte der Jüdischen Gemeinde und ihrer Mitglieder in Münster ablesbar. So fand hier Eli Marcus seine letzte Ruhestätte, ein bekannter Mundartdichter. Nach 1933 wurden seine Stücke nicht mehr gespielt, er starb 1935. „Zwei Gerettete des Holocaust, die nach Riga vertrieben waren“ steht auf dem Grabstein von Siegfried und Else Goldenberg. Siegfried Goldenberg war von 1945 bis 1975 Vorsteher der Jüdischen Gemeinde. Auf dem Stein wird auch ihrer Tochter Miriam gedacht – sie überlebte den Holocaust nicht und wurde nur sieben Jahre alt.

Hertz und Goldenberg, Stein und Herzfeld, Dessauer und Rosenberg: Mit ihrem Projekt erinnert die Universität an die Menschen, die auf dem inzwischen denkmalgeschützten Friedhof ihre letzte Ruhe fanden, und zeichnet so ein anschauliches Bild jüdischen Lebens in Münster nach 1811. Der heutige Gemeindevorsteher Sharon Fehr lobt denn auch die Arbeit, die die Universität leistet. Sie zeige, wie bedeutend jüdisches Leben in Münster in den vergangenen 200 Jahren war – und bis heute ist.

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