So., 08.03.2015

Die Preise des „Landschreiber“-Wettbewerbs Mit Mehrwert zwischen den Zeilen

Die Gewinner der drei Sonderpreise: Hermann Wallmann, Eva Ziegler und Brigitte Neidig (v.l.).

Die Gewinner der drei Sonderpreise: Hermann Wallmann, Eva Ziegler und Brigitte Neidig (v.l.). Foto: Hendrik Heft

Münster - 

Sprachliche Authentizität und Kreativität sind nicht unbedingt die Kriterien, nach denen politische Reden beurteilt werden. Im Fall der Texte von Janina Michl und Raphael Jacobs war das anders. Wo sonst Abgeordnete Platz nehmen, lasen sie jetzt im münsterschen Rathaus als Gewinner des Förderpreises des Landschreiber-Wettbewerbs aus ihren prämierten Schriften.

Von Hendrik Heft

Gestartet in Leipzig , zog der Wettbewerb, der durch Reflexion über Sprache eine literarische Kultur schaffen soll, nun mit der dritten Auflage nach Westfalen . „Parallel zur Buchmesse hätten wir keine Öffentlichkeit gehabt“, begründete Initiator Klaus Siewert . Als Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft für Sondersprachenforschung saß der Germanist einer Jury aus Kritikern und Hochschullehrern vor.

„Sprache als Tarnung“ lautete das Motto, mit dem sich die Teilnehmer in ihren Beiträgen beschäftigen sollten. Mit „Worten als Waffe“ sei dies der 22-jährigen Stuttgarterin Janina Michel bestens gelungen. In „Das Lechzen meiner Hoffnung“ ließ sie eine jugendliche Ich-Erzählerin distanziert und mit ins Mark gehender Direktheit die Verhüllung sozialer Machtstrukturen durch Sprache aufdecken.

Einen „ Mehrwert zwischen den Zeilen“ bescheinigte die Jury dem Berliner Designstudenten Raphael Jacobs . In „Sprache als keine Tarnung“ forderte er die Zuhörer – mit unerwartet kon­struierten, subtile Spannung erzeugenden Wörtern und Sätzen.

Der erstmals ausgeschriebene Münster-Preis ging an Hermann Wallmann für zwei Texte, die er als „eine Art Diptychon“ verstanden wissen wollte und in denen sich das lyrische Ich selbstkritisch an schöpferische Begegnungen mit Gottfried Benn oder Rainer Maria Rilke erinnerte. Für „Mueddersproch“, ein niederalemannisches Gedicht über den Dialekt als Teil der Identität, erhielt die Freiburgerin Brigitte Neidig den Mundart-Preis. Analytisch setzte sich die ungarische Ingenieurin Eva Ziegler mit der kommunikativen Gefahr von sprachlicher Tarnung auseinander und bekam den Fachtext-Preis. Den Hauptpreis in der Kategorie Lyrik gewann Britta Knuth aus München, in der Sparte prosaisch-literarisch freute sich Gisa Kossel aus Oldenburg.



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