Lesertest: Mit dem Pedelec zur Arbeit
Hier kommt kein Auto mit

Münster -

Holger Adick und Udo Köster sind einen Monat lang mit dem Pedelec zur Arbeit gefahren. Ihr Fazit: Schneller geht‘s nicht. Auch wenn die Technik schon mal mucken kann.

Dienstag, 07.04.2015, 03:00 Uhr
Holger Adick fährt am Erbdrostenweg durch den Wald, um mit dem Pedelec möglichst schnell nach Gremmendorf zu kommen. Hier zeigt sich Münsters Radwegesystem von seiner romantischen Seite.
Holger Adick fährt am Erbdrostenweg durch den Wald, um mit dem Pedelec möglichst schnell nach Gremmendorf zu kommen. Hier zeigt sich Münsters Radwegesystem von seiner romantischen Seite. Foto: bn

Montags, 8 Uhr. Udo Köster fährt heute etwas später: „Normalerweise“, sagt er und arretiert die Batterie an seinem Test-Pedelec, „bin ich um sechs unterwegs – da ist niemand auf der Straße. Da, wo ich fahre.“

Aber Köster hält sich hier nicht lange auf, 100 Meter, einmal über die Kreuzung, dann ins Wohngebiet an der Bachstraße. Hier beginnt das ampelfreie Reich der Radfahrer. 9,5 Kilometer, oft gibt es Gegenwind, das ist eine Entfernung, sagt der Referent von Stadtrat Wolfgang Heuer, die ihm früher lästig war. Lästig, wenn man richtig in die Pedalen tritt, verschwitzt im Büro landet, in den Besprechungsmarathon. In der Regel ist er deshalb mit dem Bus gefahren. 33 Minuten mit Fußweg, wenn kein Stau ist.

Beim Pedelec-Test fährt er ein schnittiges Tourenrad. Eine Batterieladung reicht für 60 Kilometer. Wenn man so tritt wie er. Abends nimmt er die Batterie mit ins Haus, weil sie dann länger hält.

Köster rollt durch Wohngebiete, vorbei am Gremmendorfer Pängelanton, ein kurzes Stück auf dem Radweg entlang des Albersloher Weges, dann rechts rein in den Heumannsweg. Er tritt zügig, der Tacho zeigt 25 ­km/h. „Wunderbar“, sagt der Radtester, „ich bin bisher bei jedem Wetter gefahren, auch bei Eis.“ Das war auch das eine Mal, als er sich mit der Leeze flachgelegt hat.

Der Motor ist kaum hörbar, aber schiebt ihn spürbar. An langsamen Radlern huscht er vorbei. Er hat Spaß, obwohl er natürlich selber treten muss. Nach 25 Minuten steht er am Stadthaus 1: „Angenehm, jetzt bin ich hellwach.“

Pedelecs können High-Tech enthalten. Das neue Rad ist da altbackener, vom Tacho führen Kabel zu Batterie und Motor, der Einstieg ist niedrig. „Gut“, sagt Adick, „dann kann ich es mal mit meiner Frau tauschen.“ Bisher fuhr er Pkw – und da wechselte er sich mit seiner Frau dabei ab, die Kinder vom Sport abzuholen.

Adick (42) wohnt am Zeisigweg in Gremmendorf, zehn Kilometer von seinem Büro entfernt. Normalerweise fährt er Auto: „45 Minuten kann das dauern. Wenn es extrem schlecht läuft, eine Stunde.“ Wie so oft: Wer zu den gängigen Zeiten im Büro sein muss, steht mit seinen Leidensgenossen immer wieder im Stau.

Davon ist jetzt nicht die Rede. Adick fährt Richtung Wienburgpark durchs Grüne. Auf seinem Weg muss er nur einmal etwa 2,4 Kilometer am Ring entlang fahren – von der Langemarckstraße bis zur Manfred-von-Richthofen-Straße. Links schleichen die Pkw von Ampel zu Ampel. Adick überholt sie.

Dann geht es durch Wohngebiete, über eine Fußgänger-Brücke – und durch Wald und Flur. Etwa 30 Minuten dauert die Fahrt. Mit Verkehr oder ohne Verkehr. Wenn er die Schubkraft auf die höchste Stufe stellt, kann es schon mal schneller gehen. „Ab 25 hört die Unterstützung auf – dann wird es mühsam, zu treten.“

Adick fasst seinen Test zusammen: „Es macht Spaß, man kann Pedelecs auch Leuten empfehlen, die Probleme mit den Gelenken haben und deshalb gar nicht Rad fahren.“ Fazit der Testfahrer: Auf Distanzen um zehn Kilometer ist das E-Bike oft schneller als das Auto. Worauf man achten muss: Gebrauchsanweisung lesen. Auch Kettenschaltungen können wegen der hohen Belastung sensibel beim Anfahren reagieren.

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