Musikgenie Laetitia Hahn
Ein ganz natürliches Wunder

Münster -

Laetitia Hahn ist elf Jahre alt, mit 14 wird sie voraussichtlich Abitur machen. Seit einem Jahr studiert sie an der Musikhochschule Münster als Juniorstudentin, sie gibt gefeierte Klavierkonzerte. Ihr sechsjähriger Bruder eifert ihr nach.

Samstag, 16.05.2015, 10:00 Uhr
Laetitia Hahn beim Konzert in der Musikhochschule. Der kleine Bruder Philipp, die Eltern Christian (l.) und Annette Hahn und Lehrer Heribert Koch (kleines Bild) waren dabei
Laetitia Hahn beim Konzert in der Musikhochschule. Der kleine Bruder Philipp, die Eltern Christian (l.) und Annette Hahn und Lehrer Heribert Koch (kleines Bild) waren dabei. Foto: Matthias Ahlke

Knapp zwei Stunden vor Konzertbeginn wird es kurz richtig laut in dem kleinen Übungsraum in der Musikhochschule am Ludgeriplatz. Laetitia (11) hat die Limo von Philipp (6) ausgetrunken – und Philipp, der kleine Bruder, ist ziemlich empört. Normaler Geschwisterstreit in der Familie Hahn, deren Kinder von aller Welt als Wunderkinder bestaunt werden. Ein Wort, das die Eltern, Christian und Annette Hahn aus Velbert bei Essen, hassen. „Unsere Kinder sind ganz natürlich“, sagt Annette Hahn.

Laetitia wird am Abend in der Musikhochschule ein Konzert geben, zwei Stücke von Liszt, eher ein kleines Programm vor kleinem Publikum. Mit elf Jahren hat sie schon mit großen Orchestern gespielt und in berühmten Sälen, im Leipziger Gewandhaus oder der Essener Philharmonie und im Februar im chinesischen Nanjing mit Lang Lang, dem Mega-Star unter den Pianisten.

Laetitia hat vier Schulklassen übersprungen, wird voraussichtlich mit 14 gleichzeitig ihr Abitur mit dem Bachelor-Abschluss an der Musikhochschule Münster erreicht haben. Ihr IQ liegt, wie sie Eltern sagen, „zwischen 140 und 146“.

Aber jetzt hat Laetitia erst mal Hunger – gerade ist das Seminar zur Musikgeschichte zu Ende gegangen. Und bevor die Klavierstunde beginnt, muss sie noch dringend ihrem Lehrer Heribert Koch was zeigen. Laetitia hat einen Trickfilm über ihn zusammengeschnitten. Koch, der „Agent 054“. Laetitia lacht sich schlapp über die mit dem Handy selbst geschossenen, verfremdeten Fotos, die den Lehrer mit Clownsschminke und komischen Fratzen zeigen – und Heribert Koch staunt mit einem breiten Grinsen. „Sie ist einfach unvergleichlich“, sagt der Pädagoge, der es mit vielen erstaunlichen Jungtalenten zu tun hat.

Ihre Eltern überraschte die kleine Laetitia mit den ersten gesprochenen Worten, da war sie sieben Wochen alt. Mit einem Jahr konnte sie alle Buchstaben lesen. Das Klavier, das im Wohnzimmer der Hahns stand, ohne dass jemand richtig darauf spielte, hatte das Baby da schon längst für sich entdeckt.“ Was sie spielte, klang ganz gut“, erinnert sich Laetitias Mutter an die ersten Kompositionen.

Mit vier Jahren wurde das Mädchen eingeschult, mittlerweile ist sie in der neunten Klasse, „ich komme mit den Älteren ganz gut klar“, sagt Laetitia.

Jeden Mittwoch fahren ihre Eltern sie nach Münster, wo sie als Jungstudentin im Rahmen der Jugendakademie Münster, dem Begabtenförderungsprojekt der Westfälischen Schule für Musik und der Musikhochschule studiert. Auch der kleine Philipp, ähnlich hoher IQ und ähnliche Entwicklung wie seine Schwester, hat schon die Aufnahmeprüfung bestanden. Er übt an der Westfälischen Schule für Musik, wenn Laetitia an der Musikhochschule neben erwachsenen Studierenden Vorlesungen hört. „Bach“ sagt Philipp, gefragt nach seinem Lieblingskomponisten. „Die Noten einer Fuge muss er sich einmal ansehen, dann kann er das Stück auswendig“, sagen seine Eltern. Auch sie haben beide einen IQ über 130. An die Schule und ans Lernen haben beide negative Erinnerungen: „Damals wusste man noch nicht viel über hochbegabte Kinder“, sagt Annette Hahn. Sie hat ihre Arbeit an der Düsseldorfer Universität aufgegeben, um die Kinder zu fördern – und zu managen. Es gibt viele Konzerte, die Medien haben großes Interesse. Am Donnerstag (21. Mai) treten Laetitia und Philipp bei Stefan Raabs Show „TV Total“ auf.

Laetitia freut sich drauf, aber auch auf das kleine Konzert, das sie im Saal der Musikhochschule spielt. Aufgeregt? „Nee, bin ich nie“, hat sie vorher gesagt.

Dann tritt sie auf die Bühne, im karierten Kleidchen, das sie schon beim Auftritt mit Lang Lang trug, strahlt ins Publikum, setzt sich an den Flügel, los geht`s: Franz Liszt, Paganini-Etüde und die Tarantella, in aberwitzigem Tempo. Die Zuhörer lauschen atemlos, die Eltern und der Lehrer aufmerksam. Philipp ist auf dem Schoß des Vaters eingeschlafen. Erst vom donnerndem Applaus wacht er auf.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3258073?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker