Kostenexplosion
Pläne für gläsernen Rathaus-Aufzug angehalten

Münster -

Der geplante gläserne Aufzug am Rathaus wird zum Streitfall. Eine „plötzliche Kostenexplosion“ sorgt für Unmut. Die Verwaltung hat ihre Pläne für den Bau nun vorerst gestoppt.

Mittwoch, 10.06.2015, 06:30 Uhr aktualisiert: 10.06.2015, 07:20 Uhr
An dieser Stelle zwischen dem Platz des Westfälischen Friedens und Prinzipalmarkt ist ein Aufzug geplant. Links ist die Außenmauer des Rathauses zu sehen.
An dieser Stelle zwischen dem Platz des Westfälischen Friedens und Prinzipalmarkt ist ein Aufzug geplant. Links ist die Außenmauer des Rathauses zu sehen. Foto: Matthias Ahlke

Wird der geplante gläserne Aufzug am Rathaus zum Politikum? In den großen Ratsfraktionen von CDU und SPD macht sich Unmut über die „plötzliche Kostenexplosion “ bei dem Bauvorhaben breit.

Wie berichtet, schlägt die Stadtverwaltung die Errichtung eines Aufzugs vor , um einen barrierefreien Zugang zum historischen Rathaus zu ermöglichen. Kostenpunkt des Projekts: knapp 800.000 Euro und damit 275.000 Euro mehr als bei den ursprünglich 2012 begonnenen Planungen.

Sich abzeichnendes Ungemach wohl sehend, zog die Stadtverwaltung am Dienstag kurzerhand ihren eigenen Vorschlag wieder aus dem Verkehr – allerdings mit der Begründung, dass ein tags zuvor eingegangenes Schreiben des Ratskeller-Pächters weitergehenden Abstimmungsbedarf erfordere.

Der Bau des Aufzugs zwischen Stadtweinhaus und Rathaus berührt nämlich den Ratskeller mit der dort betriebenen Gaststätte Pfefferkorn. Das Untergeschoss im Stadtweinhaus soll durch den Aufzug künftig ebenfalls barrierefrei erreichbar sein.

Was die Öffentlichkeit indes nicht erfahren sollte: Für die Unannehmlichkeiten während der Bauarbeiten sollten dem Pächter des Ratskellers pro Woche 10.000 Euro vonseiten der Stadt gezahlt werden – alles in allem ist von einer Summe von bis zu 100.000 Euro die Rede, wie es in einer nicht-öffentlichen Vorlage aus der Stadtverwaltung heißt. Damit liegen die Kosten für den Bau des Aufzugs insgesamt bei fast 900.000 Euro.

Einig wie selten zeigen sich die Fraktionsvorsitzenden von SPD und CDU mit Blick auf die öffentlich bekannten Kosten für den Aufzug-Bau. „Die Stadtverwaltung muss erklären, wie es zu einer Kostensteigerung um 50 Prozent für den Bau kommen konnte“, so SPD-Fraktionschef Dr. Michael Jung . Eine barrierefreie Erschließung mache in jedem Fall Sinn, aber angesichts der Kosten müsse man noch einmal über einen alternativen Zugang nachdenken. Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Weber. Angesichts der Herausforderungen, die die Inklusion mit sich bringe, müsse man zunächst genau schauen, welche Investitionen die vordringlisten seien, so Weber.

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