Flurstücke 2015
Rouge für das arme Schwein

Das hat man in Münster ja manchmal nicht so gern, dass sich ein Fremder einfach zu einem an den Tisch setzt. Man muss dann womöglich noch Smalltalk machen.

Donnerstag, 18.06.2015, 19:52 Uhr aktualisiert: 21.06.2015, 17:25 Uhr
Ein totes Schwein in der Innenstadt stiftet Verwirrung – aber auch große Gaudi.
Ein totes Schwein in der Innenstadt stiftet Verwirrung – aber auch große Gaudi. Foto: Wilfried Gerharz

In dieser Hinsicht konnten die beiden Damen bei Stuhlmacher aber beruhigt sein. Der Gast, der sich da so frei neben ihnen niederließ, war nämlich schon tot. Und auch kein Mensch, sondern ein ausgewachsenes Schwein. Platziert hatte es die französische Compagnie Cacahuète , die bei ihrem „Rundgang mit Schwein“ wohl eine kleine Erfrischungspause einlegen musste.

Los ging das zweieinhalbstündige Flurstücke-Spektakel bei der Polizeiwache gegenüber der Stadtbücherei. Dort kamen sie aber gar nicht rein. Auch bei der Raphaelsklinik blieben sie in der Drehtüre stecken. Aber an vielen anderen Orten in der Innenstadt konnten sie mit ihrer Schubkarre, auf die sie ihre tote Sau nebst Innereien geladen hatten, erfolgreich einen Besuch abstatten. Dazu gehörte neben einem edlen Kosmetikgeschäft, wo das Tier etwas Rouge aufgelegt bekam, auch eine Metzgerei . Diese verließen sie aber schnell wieder. So nah beim Endprodukt wollten sie das arme Schwein dann doch nicht konfrontieren. Es reicht, wenn beim Menschen die Botschaft ankommt.

Oder wenn die makabere Aktion für Verwirrung sorgt. Das tat sie zumindest bei einigen Passanten und den Ladeninhabern, die den Besuch des Schweins wohl eher als Heimsuchung empfunden haben mussten. Oder bei dem Busfahrer, der unvorsichtigerweise die Tür öffnete und so einen neuen Fahrgast bekam. Für die Menschentraube, die mit dem toten Tier durch die Innenstadt zog, war es hingegen eine große Gaudi, wie man unschwer erkennen konnte. Wenngleich es auch da ungläubige Gesichter gab, als das Schwein mit großem Schwung in die Lamberti-Kirche gekarrt wurde. Vorher hatte man es allerdings im Brunnen eingetaucht.

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