Rahmenkodex zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen an Hochschulen
Ganz oder gar nicht

Münster -

95 Prozent der wissenschaftlichen Mitarbeiter an der der Universität Münster haben befristete Verträge, teils nur für wenige Monate. Ein großer Teil der Lehrveranstaltungen wird per Honorar entlohnt und von Semester zu Semester verpflichteten Lehrbeauftragten erteilt. Die Arbeitsverhältnisse an Hochschulen werden auch vom Personalrat für die wissenschaftlichen Beschäftigten oft als prekär kritisiert.

Donnerstag, 09.07.2015, 17:33 Uhr aktualisiert: 09.07.2015, 20:17 Uhr
Das Papier mit dem sperrigen Titel „Rahmenkodex ,Gute Beschäftigungsbedingungen für das Hochschulpersonal’“ war Thema im Senat der Universität. Diese kann ihn annehmen oder ablehnen – aber keine Details ändern.
Das Papier mit dem sperrigen Titel „Rahmenkodex ,Gute Beschäftigungsbedingungen für das Hochschulpersonal’“ war Thema im Senat der Universität. Diese kann ihn annehmen oder ablehnen – aber keine Details ändern. Foto: kv

Nun soll alles besser werden: Das NRW-Wissenschaftsministerium hat sich des Themas angenommen und in Abstimmung mit der Landesrektorenkonferenz einen Rahmenkodex „Gute Beschäftigungsbedingungen für das Hochschulpersonal“ formuliert. Das Papier wurde am Mittwochabend im Senat der Universität diskutiert – und es wirft viele Rätsel auf, wie Rektorin Ursula Nelles betonte.

So können einzelne Hochschulen an den Details nichts mehr ändern. Nelles: „Wir können zwar darüber diskutieren, müssen aber am Ende dem ganzen Papier zustimmen oder es ablehnen.“

Wenn die Hälfte der NRW-Hochschulen den Kodex unterschreibe, wolle das Land die Bestimmungen als bindend vorschreiben, so Nelles. Das Ministerium habe sich aber grundsätzlich vorbehalten die Inhalte des Rahmenkodex als Dekret zu erlassen.

Auch wenn Diskussionen wenig Sinn machten, wie die Rektorin hinzufügte, wurde im Senat deutlich, dass Professoren die Bestimmungen als zu starr bewerten. Für die Praxis an der juristischen Fakultät seien die Regeln nur schwer anwendbar und kontraproduktiv, wandte Prof. Matthias Casper ein, der Historiker Prof. Thomas Großbölting gestand zu, dass die Intention des Papiers positiv zu werten, aber auch an seinem Fachbereich nicht immer sinnvoll umzusetzen sei.

Beispiel wissenschaftliche Hilfskräfte: Sie sollen nur noch maximal drei Jahre beschäftigt werden können. Nicht selten erfordere eine Arbeit nur eine kurze Verlängerung, die es dann nicht mehr geben dürfe, so die Stimmen aus der Professorenschaft.

Der Personalrat für die wissenschaftlichen Beschäftigten sieht das Papier nicht so negativ. „Vor allem was den Einsatz der Lehrbeauftragten angeht, zeigt es Fortschritte im Sinne der Beschäftigten“, sagt Personalrat Dr. Detlev Berntzen. So sollen Lehraufträge nicht mehr den Umfang von acht Semesterwochenstunden überschreiten, auch die verpflichtende Sprachenausbildung soll nicht mehr durch Honorarkräfte geleistet werden. Das würde die Hochschulen dazu veranlassen, mehr Lehrkräfte anzustellen.

Bis zum 10. Oktober erwartet das Land eine Rückmeldung der Hochschulen. Ein Rechtsgutachten über die Wirksamkeit der Bestimmungen sei aber in Auftrag gegeben und in der Mache, so Nelles. Bei den Beschäftigungsbedingungen an den Hochschulen ist demnach weiter alles offen.

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