Hochwasser 2014
Wasser rauschte zum tiefsten Punkt

Münster -

"Es war die Hölle“, so beschreibt Olaf Lennemann die Nacht und zeigt auf eine Wand im Keller. Der 47-Jährige zog dort einen Strich – eine Erinnerung an den 28. Juli 2014. Bis dahin, erklärt der Mieter eines Mehrfamilienhauses an der Kreuzung Ferdinandstraße / Kanalstraße, stand vor zwölf Monaten das Wasser.

Montag, 27.07.2015, 10:00 Uhr aktualisiert: 27.07.2015, 10:10 Uhr
Der Tag nach dem Unwetter im Hof des Fahrradgeschäftes von Joachim Pues. Helfer sichteten das Material, aber es war kaum noch etwas zu retten. Auch eine Hochleistungspumpe konnte nichts ausrichten.
Der Tag nach dem Unwetter im Hof des Fahrradgeschäftes von Joachim Pues. Helfer sichteten das Material, aber es war kaum noch etwas zu retten. Auch eine Hochleistungspumpe konnte nichts ausrichten. Foto: Pues

„Der Keller war randvoll. Er habe das Gefühl gehabt, sagt Lennemann , „hier kam das Wasser aus dem ganzen Viertel zusammen.“

Das Mehrfamilienhaus steht am tiefsten Punkt der Ferdinandstraße . Das bekam auch Nachbar Joachim Pues zu spüren, durch dessen Keller und Fahrradgeschäft das Wasser rauschte. Wie ein Sturzbach sei es plötzlich von vier Seiten gekommen. „Wasser aus dem gesamten Kreuzviertel“, so Pues.

28.7.2014

In einem Online-Special erinnern wir an die Ereignisse am 28.7.2014, als ein Unwetter im Münsterland schwere Schäden anrichtete.

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Irgendwann stand die Flut einen halben Meter hoch vor seiner Geschäftstür. Das Team schleppte Fahrräder eine Etage höher in die Wohnung. In der Werkstatt und im Keller war nichts mehr zu retten. Joachim Pues schätzt nur seinen Sachschaden im Betrieb auf rund 100 000 Euro. Da konnte selbst eine Hochleistungspumpe nichts ausrichten.

„Man ist schon ein bisschen traumatisiert“

Die Nachbarschaft arbeitete in der Unwetternacht Hand in Hand. Riesige Sperrmüllberge türmten sich später wie eine Burg auf der Kanalstraße auf. Joachim Pues stand mit entzündeten Mückenstichen in der Nässe, musste sich ärztlich behandeln lassen. Aber noch schlimmer sei heute das Gefühl, sagt er, dass sich so ein Unwetter wiederholen könnte. Als er jetzt mit der Familie in Urlaub fahren wollte, war ein heftiges Gewitter angesagt. Der 47-Jährige wäre am liebsten zu Hause bleiben.

Wenn heute dunkle Wolken am Himmel aufziehen und es schwül und heiß ist, dann beschleicht auch Olaf Lennemann ein mulmiges Gefühl. „Man ist schon ein bisschen traumatisiert“, sagt der Systemadministrator, der sich nebenbei um Hausmeisteraufgaben kümmert. Er selbst hat vor einem Jahr seine Schallplattensammlung verloren. Wasser im Keller ist dem 47-Jährigen nicht fremd: „Das passiert alle Jahre wieder.“ Doch so viel?

„Macht, dass ihr nach Hause kommt“

Maria und Peter Wozasek sind Nachbarn von Olaf Lennemann, können sich aber an eine solche Katastrophe nicht erinnern. Durch die geschlossene Haustür und durch den Briefschlitz sahen sie die Welle kommen. Ihre Winterreifen schwammen im Keller. Aber eins habe die Katastrophe bewirkt, sagen sie, die Nachbarschaft ist ein Stück zusammengerückt. „Jetzt können wir die Bilder von den Überschwemmungen an der Elbe oder an der Oder besser nachempfinden“, so die Wozaseks.

Es war wie Weltuntergang, so Nachbarin Thekla Hillebrand. „Als hätte jemand eine Badewanne umgekippt.“ Ehemann Wilhelm war gerade beim Kegeln. Jemand hätte sie gewarnt: „Macht, dass ihr nach Hause kommt.“ Hillebrands konnten ihre Vorräte und ihre Campingausrüstung im Keller wegschmeißen. Von einer Bohrmaschine aus dem Jahr 1933 musste sich der Handwerker schweren Herzens trennen. Zu ihren Autos in einer Tiefgarage an der Kanalstraße mochten Peter Wozasek und Wilhelm Hillebrand zunächst nicht gehen. Aber sie hatten Glück, alles blieb trocken.

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