Finanzamt wird Flüchtlingsheim
Wohnprojekt-Ende: Abschied der studentischen Hauswächter

Münster -

22 Hauswächter leben noch im alten Finanzamt an der Münzstraße. Ihnen wurde gekündigt. Das Haus wird zum Flüchtlingsheim. Eine Innenansicht...

Donnerstag, 24.09.2015, 01:00 Uhr aktualisiert: 24.09.2015, 07:00 Uhr
Marius Kroll ist einer der Hauswächter. Er zieht aus seinem geräumigen Zimmer im alten Finanzamt (kleines Foto) nach Hiltrup.
Marius Kroll ist einer der Hauswächter. Er zieht aus seinem geräumigen Zimmer im alten Finanzamt (kleines Foto) nach Hiltrup. Foto: Günter Benning

Thorsten Werner schält Kartoffeln. Der runde Tisch, an dem er mit zwei Studenten sitzt, wirkt verloren in der riesigen Kantine des alten Finanzamts Münster-Stadt. Vor einem Fenster steht nur noch ein einsamer Billardtisch. Die anderen Möbel sind beim letzten Flohmarkt verkauft worden: Werner: „Wir müssen bis zum 6. Oktober hier raus.“

Das Ende eines originellen studentischen Wohnprojekts bedeutet Hoffnung für Flüchtlinge.

Finanzamt – Groß-WG – Flüchtlingsheim

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  • Hier sieht es noch nach Flohmarkt aus: Die Bewohner haben bereits viele Einrichtungsgegenstände, die sie gesammelt hatten, wieder verkauft.

    Foto: Günter Benning
  • Hier sieht es noch nach Flohmarkt aus: Die Bewohner haben bereits viele Einrichtungsgegenstände, die sie gesammelt hatten, wieder verkauft.

    Foto: Günter Benning
  • Hier sieht es noch nach Flohmarkt aus: Die Bewohner haben bereits viele Einrichtungsgegenstände, die sie gesammelt hatten, wieder verkauft.

    Foto: Günter Benning
  • Finanzamt Münzstraße.

    Foto: Günter Benning
  • Marius Kroll in seinem großzügigen Zimmer.

    Foto: Günter Benning
  • Thorsten Werner und Marius Kroll am Promenadeneingang.

    Foto: Günter Benning
  • Das ehemalige Finanzamt ist direkt zwischen Münzstraße und Promenade gelegen - sogar mit einem tieferliegenden Garten.

    Foto: Günter Benning
  • Foto: Günter Benning
  • Das ehemalige Finanzamt ist direkt zwischen Münzstraße und Promenade gelegen - sogar mit einem tieferliegenden Garten.

    Foto: Günter Benning
  • In der ehemaligen Kantine ist heute die WG-Küche.

    Foto: Günter Benning
  • In der ehemaligen Kantine ist heute die WG-Küche.

    Foto: Günter Benning
  • In der ehemaligen Kantine ist heute die WG-Küche.

    Foto: Günter Benning
  • Wäschetrocknen im Finanzamtsflur.

    Foto: Günter Benning
  • Billard mit Blick auf das Kuhviertel.

    Foto: Günter Benning
  • Foto: Günter Benning
  • Das ehemalige Finanzamt ist direkt zwischen Münzstraße und Promenade gelegen - sogar mit einem tieferliegenden Garten.

    Foto: Günter Benning
  • Das ehemalige Finanzamt ist direkt zwischen Münzstraße und Promenade gelegen - sogar mit einem tieferliegenden Garten.

    Foto: Günter Benning
  • Das ehemalige Finanzamt ist direkt zwischen Münzstraße und Promenade gelegen - sogar mit einem tieferliegenden Garten.

    Foto: Günter Benning
  • Das ehemalige Finanzamt ist direkt zwischen Münzstraße und Promenade gelegen - sogar mit einem tieferliegenden Garten.

    Foto: Günter Benning
  • Das ehemalige Finanzamt ist direkt zwischen Münzstraße und Promenade gelegen - sogar mit einem tieferliegenden Garten.

    Foto: Günter Benning

Die 22 Bewohner, die seit eineinhalb Jahren als „Hauswächter“ im leerstehenden Finanzamt leben, haben ihre Kündigung erhalten. Im Oktober sollen hier Flüchtlinge einziehen. Von 150 neuen Bewohnern ist die Rede.

„Schade, wir hätten uns auch ein integratives Modell vorstellen können“, sagt eine Studentin am Tisch. Bei dem wären die jetzigen Bewohner in eine Etage gezogen, die Flüchtlinge in die übrigen Räume.

Die Bewohner hatten die Idee der Organisation Camelot mitgeteilt, die Hauswächter-Projekte europaweit organisiert. Auch im Interesse von Immobilieneignern, die Hausbesetzungen und Glasbruch fürchten.

Aber aus dem Mitwohn-Projekt wird nichts. Stattdessen bereitet das städtische Amt für Immobilienmanagement die Übernahme vor.

So sollen Mitte Oktober Sanitär-Container in den Garten des Gebäudes gestellt werden. Der befindet sich auf der Promenadenseite, liegt aber so tief, dass er kaum einsehbar ist. Die jetzigen Bewohner haben das genossen – in einem Baum schaukelt noch eine Hängematte.

Überhaupt genießen die Hauswächter den Luxus einer sehr exklusiven Wohnanlage. Die meisten haben ein Wohn- und ein Schlafzimmer. Die ehemaligen Büros bieten reichlich Platz. Das Wohnzimmer befand sich im einstigen Konferenzsaal des Finanzamtes. Gegessen wurde in der ehemaligen Kantine – mit Blick ins Kuhviertel.

„Bis auf wenige haben alle eine neue Wohnung“, sagt Marius Kroll , „einige aber am Stadtrand – und es ist teuer.“ Er selbst wird künftig in Hiltrup wohnen.

Provisorisch waren die sanitären Verhältnisse – im Finanzamt braucht man schließlich in der Regel keine Duschen. Dafür hatte man übergangsweise mobile Duschkabinen aufgestellt. Kroll: „Für 22 Leute reicht das aus – für 150 natürlich nicht.“

Bei der Stadt muss noch in einer Dringlichkeitsentscheidung formell beschlossen werden, dass die Immobilie übernommen wird. Das kann schnell gehen. So schnell wie die Kündigung der Studenten: Zum Hauswächter-Modell gehört auch eine nur vierwöchige Kündigungsfrist. 

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