Barrierefreiheit
Neuer Vorstoß für Rathaus-Aufzug

Münster -

Streitfall Rathaus-Aufzug: Nach einer Kostenexplosion war das Projekt zunächst gestoppt worden. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf.

Donnerstag, 24.09.2015, 18:12 Uhr aktualisiert: 24.09.2015, 21:19 Uhr
In dem Gang zwischen dem historischen Rathaus und der benachbarten Gaststätte „Pfefferkorn“ soll ein Aufzug errichtet werden.
In dem Gang zwischen dem historischen Rathaus und der benachbarten Gaststätte „Pfefferkorn“ soll ein Aufzug errichtet werden. Foto: Oliver Werner

Vor wenigen Monaten wurden die Pläne für einen gläsernen Aufzug am Rathaus, der einen barrierefreien Zugang ermöglichen soll, gestoppt: Die Politik war über die Kostenexplosion verärgert. Doch jetzt unternimmt die Stadtverwaltung einen neuen Versuch, damit beispielsweise Menschen mit Rollstuhl den Friedenssaal ohne Schwierigkeiten erreichen können. Hintergrund für die fortlaufenden Bestrebungen ist der schwere Unfall eines Stadt-Angestellten, der sich in diesem Jahr am Rathaus ereignet hat. „Ein Mitarbeiter hat versucht, einen Rollstuhlfahrer zu tragen, und sich dabei ganz erheblich verletzt“, berichtet Personaldezernent Wolfgang Heuer . Für die Verwaltung sei deshalb der Handlungsbedarf in Sachen Aufzug eindeutig gegeben.

Die im Sommer auf Eis gelegten Pläne sahen einen gläsernen Aufzug im Durchgang zwischen Rathaus und Stadtweinhaus vor. Insgesamt sollte das ganze Vorhaben knapp 900 000 Euro kosten. Darin enthalten waren bis zu 100 000 Euro als Entschädigung für die Gastronomie im Ratskeller. Diese hätte während der Umbauphase mit Unannehmlichkeiten rechnen müssen, die ausgeglichen werden sollten, wie es damals in einer nichtöffentlichen Vorlage sinngemäß hieß.

Doch weil allein der Aufzug nach damaligem Stand rund 275 000 Euro mehr kosten sollte, als 2012 ursprünglich geplant, formierte sich in der Politik Widerstand. Daraufhin zog die Stadtverwaltung in diesem Sommer erst mal die Reißleine und stoppte das Unterfangen. „Wir suchen nach Lösungen, die kostengünstiger sind“, erläutert der Leiter des städtischen Immobilienmanagements, Andreas Nienaber , den aktuellen Stand der Dinge. Ein barrierefreier Zugang für die beiden wichtigsten Gebäude der Stadt sei weiterhin erforderlich. Alles andere ist „kein Zustand“.

„Aber es handelt sich hier um eine extrem exponierte Stelle“, so Nienaber, „da können wir keine Kiste hinsetzen.“ Das dürfte die Suche nach einer bezahlbaren Lösung nicht einfacher machen. „Es gibt einen Förderantrag beim Land“, verweist Nienaber auf finanzielle Unterstützung aus Düsseldorf .

Bei der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an Altkanzler Helmut Schmidt musste damals eigens auf der Rathaus-Rückseite eine Rampe errichtet werden – weil der Friedenssaal im Rathaus nicht barrierefrei erreichbar ist.

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