Karnevals-Kongress in Münster beschäftigt sich mit sexueller Gewalt
Wo der Spaß aufhört

Münster - Wenn ein Tanzmariechen das nicht will, braucht es sich nicht vom allzu aufdringlichen Karnevalspräsidenten auf die Wange küssen zu lassen.

Sonntag, 25.10.2015, 18:45 Uhr
Lustig ging es bei der Gala-Sitzung zum Ausklang des Karnevals-Kongresses am Samstag in Münster auf der Bühne zu. Im Bild die Showtänzerinnen aus Coesfeld. Vorher standen ernste Themen auf der Tagesordnung der Jecken.
Lustig ging es bei der Gala-Sitzung zum Ausklang des Karnevals-Kongresses am Samstag in Münster auf der Bühne zu. Im Bild die Showtänzerinnen aus Coesfeld. Vorher standen ernste Themen auf der Tagesordnung der Jecken. Foto: Helmut Etzkorn

Und schon gar nicht muss ein Jeckenfunktionär dabei sein, wenn sich die Mädels vor ihrem Auftritt in irgendeinem Nebenraum der Gaststätte umziehen.

„Sexueller Missbrauch im Karneval“ war ein beherrschendes Thema beim Kongress des Bundes Westfälischer Karneval (BWK) am Wochenende in Münster. Die Delegierten von 220 Gesellschaften, die zwischen Osnabrück und Ahlen für Spaß an der Freude sorgen, diskutierten in Workshops, wo Grenzverletzungen im Umgang mit den Nachwuchskräften in der Gesellschaft anfangen.

„Wachsam bleiben, nicht wegschauen. Seelische Misshandlung fängt schon damit an, wenn die Jugendtrainer ihre Schützlinge überfordern“, meinte der BWK-Präsident Rolf Schröder aus Witten. Auch wenn es aktuell keine bekannt gewordenen Übergriffe gebe, dürfe sexuelle Gewalt im Verein kein Tabu-Thema sein.

Ziemlich sauer ist der Dachverband der Westfälischen Narren auf die Beckumer Kappen-Kameraden, die seit drei Jahren eine „Sommer-Karnevals-Sause“ im Juni durchführen. Für Schröder „ein Unding“. Der oberste Jeckenfunktionär will nun Gesellschaften, die im Sommer Akteure zu Auftritten nach Beckum schicken, mit Abmahnungen bestrafen. Schröder: „Karneval im Sommer passt nicht zu unserem Anspruch an die närrische Brauchtumspflege. Kommerz darf nicht über dem Kulturerbe stehen. Deshalb können wir den Beckumer Alleingang nicht unterstützen.“

Problematisch sind für die Gesellschaften auch die Neuregelungen beim Mindestlohn, der an Übungsleiter und Fahrer von Rosenmontagswagen gezahlt werden muss. Nur Ehrenamtliche sind befreit. Schröder: „Die Politik redet so viel vom ehrenamtlichen Engagement – aber wirft uns Knüppel zwischen die Beine.“

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