Tatort-Staatsanwältin liest in Münster
Skurrile Frauen in Grenzsituationen

Münster -

Mechthild Grossmann, bekannt als Staatsanwältin Wilhelmine Klemm im Münster-„Tatort“, las in der Aula ihrer ehemaligen Schule, der Marienschule, skurrile Frauengeschichten. Das Publikum bog sich vor Lachen.

Montag, 02.11.2015, 07:00 Uhr aktualisiert: 02.11.2015, 07:23 Uhr
Mechthild Großmann stattete ihrer Heimatstadt Münster einen Besuch ab. In der Marienschule, die sie einst selbst besuchte, las sie zugunsten von Obdach- und Wohnungslosen.
Mechthild Großmann stattete ihrer Heimatstadt Münster einen Besuch ab. In der Marienschule, die sie einst selbst besuchte, las sie zugunsten von Obdach- und Wohnungslosen. Foto: is

Manchmal reicht eine Geste, etwas Modulation in der Stimme, und die Szene ist perfekt. Bei Mechthild Großmann ist das so, auch wenn sie gerade gar nicht Theater spielt, sondern vorliest.

Zwei skurrile Frauengeschichten aus Alan Bennetts Erzählband „Ein Kräcker unterm Kanapee“ trug die gebürtige Münsteranerin – bekannt vor allem durch ihre Rolle als Staatsanwältin Wilhelmine Klemm im Münster-„Tatort“ – in der voll besetzten Aula ihrer ehemaligen Schule, der Marienschule, vor. Und zwar so amüsant, dass sich das Publikum mitunter kaum noch einkriegte vor Lachen.

Münster-Tatort: Vorpremiere „Schwanensee“ im Cineplex

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  • Drei der Hauptdarsteller des Münster-Tatorts:

    Christine Urspruch, Axel Prahl und Mechthild Großmann (Von rechts nach links).

     

    Foto: Oliver Werner
  • Aber noch viel mehr Gäste waren bei der Premiere von „Schwanensee“ mit dabei...

    Foto: Oliver Werner
  • ..der absolute Publikumsliebling bleibt Axel Prahl.

    Er spielt seit 2002 in den beliebten Münster-Tatorten Hauptkommissar Frank Thiel, der nicht nur mit der Lösung der Fälle, sondern auch mit viel Witz begeistert.

    Foto: Oliver Werner
  • Hier im Bild: Prahl mit Kollegin Jessica Honz, die eine Leiche im Tatort „Schwanensee“ spielt.

    Foto: Oliver Werner
  • Anscheinend verstehen sich die Arbeitskollegen auch privat gut:

    Mechthild Großmann, die die münsterische Staatsanwältin Wilhelmine Klemm verkörpert, und Axel Prahl sind bester Stimmung.

    Foto: Oliver Werner
  • „Schwanensee“ lockte viele Besucher ins Cineplex, aber nicht nur die..

    Foto: Oliver Werner
  • ... hatten sichtlich Spaß:

    Was hätte sich das Cineplex Münster mehr wünschen können, als dass dieser Abend für alle - nicht nur prominenten- Gäste zum vollem Erfolg wurde...

    Foto: Oliver Werner

Die vielseitige Schauspielerin, unter anderem einst Ensemblemitglied im Tanztheater Wuppertal, kam auf Einladung der Schülerinnenvertretung in die Marienschule, die diese Lesung zugunsten der Initiative „Ein Rucksack voll Hoffnung“ für Obdach- und Wohnungslose veranstaltete. Moderiert und musikalisch begleitet wurde die Lesung von den Schülerinnen selbst – mit eigens für diesen Abend geschriebenen melancholischen Songs.

Alan Bennett, Dramatiker mit Sinn für Satire, hat 1987 sechs Monologe für den britischen Sender BBC verfasst. Mechthild Großmann, die den Briten als „großen Menschenfreund“ bezeichnet, trug zwei dieser Erzählungen vor und zog das Publikum mit unnachahmlich sonorer Bassstimme in ihren Bann.

Beide Geschichten haben etwas Tragisches. Da wäre zum einen die „Frau mit Füllfederhalter“, eine schrullige, englische Dame, die ihre Umwelt durch Beschwerdebriefe diffamiert, und auch noch meint, die Gesellschaft sei dankbar dafür. Witzig, wie sich die Großmann verstohlen über die Schulter schaute, um imaginären Nachbarn auf den Esstisch zu gucken („Wird Zeit, dass ihr mal in Vorhänge investiert!“). Und tragisch, wenn sich das von Miss Ruddock als vernachlässigt angezeigte Kind als sterbenskrank erweist. Dass sie schließlich im Gefängnis ihr Lebensglück findet, treibt die Groteske auf die Spitze.

Pfarrersfrau Susan dagegen quält der „Job“ ihres Mannes, wenn sie – in Sachen Deko gänzlich unbegabt – mal wieder den Altar schmücken („Alle meine Sträuße sehen aus wie Zeltstangen“) und auch noch den weiblichen „Fanclub“ des Gatten ertragen muss. Da hilft nur ein kräftiger Schluck aus der Messweinflasche. Mechthild Großmann überzeugte als lallende, zynische Alkoholikerin; in den Armen eines indischen Gemüsehändlers dagegen wurde die Pfarrersfrau butterweich. Bitter, als der Pfarrer ihre Sucht zur „Buß- und Erlösungsübung“ nutzt, um auf der Karriereleiter einen Schritt nach oben zu klettern.

Großmann verkörperte sämtliche Emotionen, durchlebte den Text wie im Schauspiel und brachte die bizarren Figuren so sympathisch nah – beeindruckend.

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