Diskussion zur Theaterförderung
Ständige Jagd nach dem Geld

Münster -

Für die Freie Szene wird es immer enger. Das zeigt die Podiumsdiskussion im Rahmen der Gesprächsreihe „Ausreden“ im Rahmen der Theaterfestivals „Favoriten 2016“ im Pumpenhaus.

Mittwoch, 17.02.2016, 17:50 Uhr
„Favoriten“ im Pumpenhaus (v.l.): Pius Knüsel, Daniela Koß, Holger Bergmann (Theaterfestival Favoriten 2016), Harald Redmer (Landesbüro Freie Darstellende Künste), Oleg Zhukov (subbotnik), Beate Albrecht (Theaterspiel, Witten) und Mirjam Schmuck (Kainkollektiv, Bochum).
„Favoriten“ im Pumpenhaus (v.l.): Pius Knüsel, Daniela Koß, Holger Bergmann (Theaterfestival Favoriten 2016), Harald Redmer (Landesbüro Freie Darstellende Künste), Oleg Zhukov (subbotnik), Beate Albrecht (Theaterspiel, Witten) und Mirjam Schmuck (Kainkollektiv, Bochum). Foto: was

Das Geld für die Kultur ist knapp. Das bekommt besonders die Freie Szene zu spüren. Der Vielfalt der frei produzierenden Theaterlandschaft steht dabei eine schwer zu überblickende Anzahl von Fördermöglichkeiten gegenüber. Wie sich die Freie Kunst finanziert und welchen Einfluss die Fördersituation auf die Projekte und Künstler in den freien Theaterhäusern und Gruppen hat, das erörterten jetzt Praktiker, Förderer und Interessierte aus Nordrhein-Westfalen im Pumpenhaus. Die Diskussion war Teil der Gesprächsreihe „Ausreden“ im Rahmen der Theaterfestivals „Favoriten 2016“.

„Das freie Theater muss draußen bei den Menschen und nah an den Problemen sein“, sagte Pius Knüsel. Der Kulturmanager und frühere Direktor der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia hatte vor einigen Jahren als Mitautor des Buches „Der Kulturinfarkt“ von sich reden gemacht, das eine Kon­troverse um die staatliche Kulturpolitik ausgelöst hatte.

„Selbstermächtigung heißt auch Selbstversorgung“, so Knüsel. Um 100 000 Euro für ein Projekt zusammen zu bekommen, brauche es in der freien Theaterszene acht bis zehn Geldgeber. Und diese ständige Jagd nach dem Geld gehe auf Kosten der Kreativität. Knüsel: „Das führt zu Mainstream. Die Fördervielfalt entspricht nicht der Vielfalt der Konzepte im freien Theater.“

Die tägliche Theaterarbeit mit dem allzu oft engen Rahmen eines Projektantrages zusammenzubringen, sei nicht einfach, so Oleg Zhukov vom Kölner Theaterkollektiv Subbotnik: „Da gibt es Fragen nach Zielen, Methoden, dem Konzept und Zielgruppen. Wenn man aus der Praxis kommt, ist es erst einmal schwierig, auf solche Fragen eine Antwort zu finden.“

Nach Ansicht von der Kulturwissenschaftlerin Daniela Koß von der Stiftung Niedersachsen gebe es in der Förderpraxis noch viel Luft nach oben. Denn schon lange seien Projektgelder kein schönes Zubrot mehr, sondern existenziell. Um dem gerecht zu werden, brauche es neue Förderstrukturen, aber auch neue, bundesländerübergreifende Vernetzungsformen. Koß: „Es ist nötig, Förderung insgesamt neu zu denken.“

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