Anonymer Campus-Talk
Studenten-App "Jodel": In ist, wer drin ist

Münster -

Heute schon gejodelt? Die Rede ist nicht etwa von melodischen Klängen im Alpenvorland, sondern von einer der beliebtesten Apps unter Studenten: „Jodel“. Dort wird herumgealbert, diskutiert und geflirtet - und zwar mit Menschen in unmittelbarer Umgebung. Das Besondere: Man bleibt völlig anonym.

Donnerstag, 03.03.2016, 08:00 Uhr aktualisiert: 03.03.2016, 10:41 Uhr
Anonymer Campus-Talk : Studenten-App "Jodel": In ist, wer drin ist
Foto: Screenshot / jodel-app.com

„Weiß jemand, ob die Linguistik-Vorlesung heute Abend ausfällt?“, fragt jemand. Ein anderer gesteht der Supermarktverkäuferin seine Liebe: „Liebe Kassiererin, danke für das absolute Gänsehaut-von-oben-bis-unten-Lächeln gerade eben.“ Die App „Jodel“ macht zurzeit die Runde in Studentenkreisen. Wer die Applikation auf dem Smartphone hat, kann mit Menschen innerhalb der eigenen Umgebung kommunizieren, und das völlig anonym. Zu finden sind hier Diskussionen, kleine Flirtereien, allerhand lustige Sprüche, Fragen zum Uni-Alltag oder einfach Geschichten aus dem Privatleben der Benutzer. Sogar Fotos können mit der Jodel-Community geteilt werden. „Unterhalte dich sorglos mit dem gesamten Campus, sei freier und verrückter als jemals zuvor“, werben die Macher der App für das Produkt.

Münster, die Jodel-Hauptstadt

Das Herunterladen der iOS- und Android-App ist kostenfrei. Man muss kein Benutzerkonto anlegen, sondern kann sofort loslegen. Das bedeutet: Selbstdarstellung und hübsche Selfies für das eigene Profilbild sind überflüssig. Angezeigt werden „Jodel“, also Beiträge von anderen Nutzern, die sich im Umkreis von maximal zehn Kilometern befinden. Wurde ein Beitrag im Radius von maximal einem Kilometer erstellt, wird er als „sehr nah“ angezeigt - schnell kann man dann spekulieren, ob es sich beim Urheber womöglich um die eigene Nachbarin oder den jungen Mann gegenüber in der Bibliothek handelt.

Mittlerweile ist die App, die in Berlin vom Jungunternehmer Alessio Borgmeyer entwickelt wurde, europaweit bekannt. Die Schweiz jodelt, Italien jodelt, und Schweden erst recht.  Doch vor allem in Universitätsstädten erfreut sich die Anwendung großer Beliebtheit - immerhin bezeichnen die Macher selbst sie als „anonymen Campustalk“. Kein Wunder also, dass Münster sich mittlerweile zum Ballungszentrum der Jodel-Kultur gemausert hat. Liebevoll bezeichnen die münsterischen App-Benutzer die eigene Stadt auch als „Jodel-Hauptstadt“. Der Grund: Tausende von münsterischen Studenten nutzen die Plattform, minütlich werden mehrere Beiträge verfasst.

Studenten-Anekdoten und "Flachwitzfreitag"

Obwohl sich hier und da ernste Gespräche, Fragen rund um Seminare oder auch Ratschläge finden, lebt die App doch hauptsächlich von ihrem humoristischen Potenzial. Die Sprüche aus dem Studentenalltag, Flachwitze am „#flachwitzfreitag“ oder Geschichten aus dem münsterischen Leben bringen den Nutzer zum Schmunzeln und sorgen regelmäßig für kollektive „Erwischt, so geht es mir auch!“-Momente. Wenn beispielsweise ein User schreibt: „Ich dachte immer, Student sein wäre cool. Ein Ziel zu haben und einen geregelten Tagesablauf. Jetzt sitze ich hier und esse Cornflakes zum Frühstück. Um 18:23. Ohne Milch“, bekennt so mancher Kommilitone, dass es ihm bereits ähnlich ergangen ist. Und auch persönliche Anekdoten wie „Wenn dein Vater dir Geld überweist und ‚Entwicklungshilfe‘ im Verwendungszweck steht…“, sorgen für allgemeine Erheiterung. Die lustigsten Postings erhalten meist auch die besten Bewertungen und landen auf diese Weise auf der „Jodel“-Facebook-Seite. Dort wird täglich der „Jodel des Tages“ veröffentlicht.

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Doch das Prinzip der Anonymität hat auch seine Tücken. Theoretisch können unangebrachte Lästereien ebenso veröffentlicht werden wie Oben-Ohne-Fotos. Im Oktober 2015 musste die Universität im schwedischen Lund für einen Tag geschlossen werden, nachdem über „Jodel“ eine anonyme Terrordrohung verfasst worden war. Um zumindest kleinere Delikte zu vermeiden, gibt es eine Bewertungsfunktion in der App: Die Benutzer erteilen den Beiträgen Downvotes und Upvotes. Die am besten bewerteten Sprüche werden in der aktuellen Rangfolge als erste angezeigt. Erhält ein Posting jedoch so viele negative Bewertungen, dass er den Status 5 erreicht, wird er gelöscht. Zusätzlich haben User die Möglichkeit, ein Statement als anstößig zu melden.

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Wer nach einem unterhaltsamen Zeitvertreib sucht, ist bei „Jodel“ bestens aufgehoben. Die App bietet anonymen Tratsch - und das ganz ohne Folgen. Posten und Vergessen ist die Devise, und so mancher Lacher ist garantiert. Also: Fröhliches Jodeln!

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