Altbausanierung wenig gefragt
Viel Geld im Fördertopf ungenutzt

Münster -

Die Altbausanierung ist angesichts niedriger Energiekosten offenbar wenig gefragt. Im Fördertopf der Stadt blieben im vergangenen Jahr rund 125 000 Euro ungenutzt.

Mittwoch, 09.03.2016, 11:25 Uhr
Die Stadt saniert Gebäude – wie hier die Schillerschule. Private aber greifen auf den städtischen Fördertopf für Altbausanierungen wenig zurück.
Die Stadt saniert Gebäude – wie hier die Schillerschule. Private aber greifen auf den städtischen Fördertopf für Altbausanierungen wenig zurück. Foto: Matthias Ahlke

Die Verbraucher freuen sich über anhaltend niedrige Sprit- und Ölpreise. Beim Autofahren und auch beim Heizen kann wegen des Preisverfalls derzeit kräftig gespart werden. Mancher schiebt deshalb die nötige Investition in eine neue Heizung, die die alte Energieschleuder ersetzen müsste, auf die lange Bank. Gleiches gilt für Wärmedämmung in der Altbausanierung. „Einen Investitionsstau“ macht der Obermeister der Innung Sanitär Heizung Klima, Tomas Heinze, bereits „seit Mitte 2014“ aus. Und im Fördertopf für Altbausanierungen der Stadt blieben im vergangenen Jahr rund 125 000 Euro ungenutzt, resümiert Ralf Bragard vom Amt für Wohnungswesen.

Wer möchte, dass sich Investitionskosten schnell amortisieren, der investiert in neue Heiztechnik bei einem Ölpreis von einem Euro pro Liter, weiß Heinze. Doch bei unter 40 Cent pro Liter Öl und bei Gaspreisen, die noch darunter liegen, werde nur sehr zögerlich in neue energiesparsame Technik investiert – beispielsweise in Brennwerttechnik, Wärmepumpen oder Hybridheizungen. Ausgetauscht werde in Zeiten billiger Primärenergie-Preise „oft nur dann, wenn die Heizung kaputt ist“, hat Heinze oft genug erfahren. Mit negativen Auswirkungen auf die Umwelt.

Das zögerliche Investitionsverhalten kann auch der Stadt Münster nicht egal sein, die sich das hehre Ziel gesetzt hat, den CO-Ausstoß im Zeitraum von 1990 bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren. In der Energie- und Klimaschutzbilanz von 2011 war von bereits erreichten 18 Prozent die Rede.

Intensiviert werden sollte insbesondere der „Ausbau der Sanierungstätigkeit und die Verbesserung der Dämmstandards bei privaten Gebäuden“, hieß es damals. Das städtische Förderbudget für die Altbausanierung wurde daher schrittweise ausgebaut – zumal „in einigen Jahren die städtischen Fördermittel bereits im Mai oder Juni ausgeschöpft waren“, so Brabard. Nicht so im vergangenen Jahr.

Dabei ist das Potenzial für weitere Energieeinsparungen groß. Etwa die Hälfte der Wohngebäude in Münster wurde laut Wohnraumerhebung von 2011 zwischen 1949 und 1978 gebaut. Der Anteil der Gebäude, die vor 1948 gebaut wurden, lag bei 13 Prozent und ist vor allem im Stadtbezirk Mitte groß.

Allerdings bestünde hier durch Sanierungsmaßnahmen das größte Energieeinsparpotenzial. Wenn Gebäudefassaden unter Denkmalschutzstehen stehen oder aus anderen Gründen optisch nicht verändert werden sollen, „können Innendämmungen der Wände gute Ergebnisse erzielen“, erklärt der Obermeister der Malerinnung Münster, Mario Caruso.

In den vergangenen Jahren „haben sich viele Malerbetriebe auf Dämmmaßnahmen der Außenfassaden spezialisiert“. Die kostengünstigeren Innen-Dämmverfahren seien indes noch nicht so verbreitet. Mit einem Seminar in diesem Frühjahr will die Innung deshalb in Kooperation mit der Kreishandwerkerschaft Wissenslücken schließen.

Eine nachträgliche Gebäudedämmung schont langfristig das Portemonnaie. Caruso: „Und es wird die Gefahr von Schimmelbildung reduziert.“

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