Rauchtöpfe gezündet im Preußen-Stadion
„Wir wollen diese Leute nicht“

Münster -

Wenige Minuten vor Spielbeginn wurden beim Heimspiel zwischen Preußen Münster und Energie Cottbus in der Fiffi-Gerritzen-Kurve im östlichen Stadionbereich eine Vielzahl von Rauchtöpfen gezündet. Dabei wurde ein Mann verletzt, der mit dem Verdacht einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht wurde, auf eigenes Betreiben das Hospital in den Abendstunden aber wieder verließ.

Sonntag, 10.04.2016, 15:58 Uhr aktualisiert: 10.04.2016, 17:31 Uhr
„Beschämend und unerträglich“ wertet der Vorstand des SC Preußen die Aktion im östlichen Stadionbereich, wo beim Heimspiel gegen Cottbus am Samstag eine Vielzahl von Rauchtöpfen gezündet wurde.
„Beschämend und unerträglich“ wertet der Vorstand des SC Preußen die Aktion im östlichen Stadionbereich, wo beim Heimspiel gegen Cottbus am Samstag eine Vielzahl von Rauchtöpfen gezündet wurde. Foto: Polizei Münster

Im Bereich der Ultras wurden geschätzt an die 20 Rauchtöpfe gezündet. Das Stadion wurde davon zeitweise über die gesamte Länge eingenebelt. Die rund 400 Kinder im Block O kamen dabei mit dem Schrecken davon, weil der Wind die Rauchentwicklung entlang der Haupttribüne hinzog, nicht aber in den Bereich der Stehplatzkurve.

Die Aktion dürfte dabei den 17 vor einiger Zeit ausgesprochenen Stadionverboten geschuldet sein. Sie wurden von Sportvorstand Carsten Gockel als Geschäftsführer erteilt. „Wenn man will, dann kann man das in einem Zusammenhang dazu stellen. Das war meine Aufgabe als Geschäftsführer, weil diese Entscheidungen in die Zeit fielen, als unser damaliger Sicherheitsbeauftragter von seiner Arbeit freigestellt war.“ Er sei froh, dass der Wind so stand, dass die Kinder nicht vom Rauch getroffen wurden. Aber auch das stellte Gockel klar: „Es geht diesen Menschen, und ich sage bewusst nicht Fans, darum, die Bühne des Preußenstadions zu missbrauchen und sich selbst zu feiern.“

Es ist beschämend und unerträglich

Georg Krimphove

Auch Club-Chef Georg Krimphove fand drastische Worte: „Wir wollen diese Leute nicht mehr im Stadion haben. Die große Mehrheit der Zuschauer sieht das so. Es ist beschämend und unerträglich. Das Ende der Diskussionen ist erreicht.“ Die Vereinsgremien werden sich beraten, es gibt keine Tabus mehr, die erneute Blocksperre ist nicht ausgeschlossen.

Die sogenannte Sicherheitsaufsicht des Deutschen Fußball-Bundes war wie vorher angekündigt im Stadion. Der Verein wird nicht nur deshalb zu einer schriftlichen Stellungnahme aufgefordert werden, auch Schiedsrichter Martin Petersen (Stuttgart) wird das in seinem Spielbericht erwähnen. Das Strafmaß könnte den SCP hart treffen, der Verein hatte zwar „erst“ 4500 Euro in dieser Saison berappen müssen beim DFB, war aber auch schon mit zwei Zuschauer-Teilausschlüssen bei Heimspielen belegt worden. In den vergangenen beiden Spielzeiten hatte der SCP jeweils 30 000 Euro an Strafen für Pyrotechnik bei Heimspielen zahlen müssen. Nun könnte der Betrag fünfstellig werden. Auch eine Blocksperre durch den DFB ist für den „Wiederholungstäter Preußen Münster“ möglich. Auch könnte es ein Verbot für Fahnen jeder Art bei Heimspielen geben, weil sich dahinter die mutmaßlichen Täter vermummen und die Rauchtöpfe zünden.

Diese Zurückhaltung der Polizei haben einige Ultras völlig missverstanden

Thomas Hennemann, Einsatzleiter bei der Polizei Münster

Vor der Begegnung hatte die Polizei sogenannte Bereichsbetretungsverbote für vermeintlich gefährliche Preußen-Anhänger nicht verlängert, dabei handelte es sich um knapp 50 Personen. Es sollte ein Zeichen an die Ultras sein. „Diese Zurückhaltung der Polizei haben einige Ultras völlig missverstanden“, sagte Einsatzleiter Thomas Hennemann in einer Pressemitteilung. Und: „Dieser extreme Rauchtopfeinsatz ist kein Ausdruck von Fankultur. Das ist ein massiver Angriff auf die Gesundheit von Hunderten friedlichen Fußballfans.“ Nach Auswertung von Videoaufzeichnungen hofft die Polizei, Täter zu ermitteln.

Florian Voss vom Fanprojekt erklärte, der Vorstand wolle sich am Montag mit den Ereignissen beschäftigen: „Wir betrachten das mit Sorge und kritisch.“

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