Mo., 25.04.2016

Der Pianist und Dirigent Boris Cepeda Er singt auch schon mal mit

Boris Cepeda vor einem Spiegel im Theater Münster. Dort ist er Studienleiter.

Boris Cepeda vor einem Spiegel im Theater Münster. Dort ist er Studienleiter. Foto: Wilfried Gerharz

Münster - 

„Beim Verdi-Requiem im Dom habe ich schon im Chor mitgesungen“, berichtet Boris Cepeda lachend. Und meint damit den Konzertchor Münster, der einen Teil des imposanten Ensembles für das Eröffnungskonzert des „Musica Sacra“-Festivals bildete. Sicherlich kein schlechter Start für den Musiker, der seit einigen Wochen diesen Konzertchor leitet.

Von unseremRedaktionsmitgliedHarald Suerland

Boris Cepeda ist Nachfolger der Studienleiterin und Dirigentin Elda Laro – und zwar in beiden wichtigen Funktionen: Als Studienleiter am Theater Münster erarbeitet er unter anderem mit den Sängern die Partien, und beim Konzertchor bereitet er die Werke vor, die später mit dem Sinfonieorchester oder a cappella aufgeführt werden. Aktuell ist das Gustav Mahlers Auferstehungs-Sinfonie (am 5., 6. und 10. Juli), für den Herbst steht das Mozart-Requiem in einer besonderen Version auf dem Programm.

„Wir waren sehr froh, als Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura uns Boris Cepeda empfahl und er eine Probe gestaltete“, sagt die Erste Vorsitzende des Chores, Alexandra Fürst. „Für uns ist diese Nähe zum Theater wichtig – verbunden mit der Herausforderung, dass wir immer wieder Wechsel in der Chorleitung haben.“ Fabrizio Ventura ist als GMD der Künstlerische Leiter, aber die eigentliche Leitung der Probenarbeit lag in den vergangenen Jahren bei Donka Miteva, Karsten Sprenger und Elda Laro.

Nun also bei Boris Cepeda. Er empfindet es als besondere Freude, erstmals kontinuierlich mit einem Laienchor zu arbeiten. An der Hochschule für Künste in Bremen ausgebildet, war er zuletzt sechs Jahre stellvertretender Studienleiter in Dessau – dort hat er am Anhaltinischen Theater mit den Sängern und dem Opernchor gearbeitet. „Es war eine Knochenmühle“, scherzt er rückblickend, „etwa den ganzen ,Ring des Nibelungen‘ am Klavier zu proben: Damit kann man schon angeben!“

Mit dem Klavierspiel hatte Cepeda bereits als Vierjähriger in seinem Heimatland Ecuador begonnen. Durch ein Stipendium war es ihm möglich, in der Hauptstadt Quito die Deutsche Schule zu besuchen. „Dann musste ich mich entscheiden: Ingenieur oder Musiker!“ Er wählte die Musik und damit ein Studium in Bremen – und hat es nie bereut, wie er versichert. Schon zu Beginn des Studiums war Cepeda dann auch Mitglied in einem Laienchor und hat dessen Enthusiasmus am eigenen Leib erfahren. Die Mahler-Sinfonie kennt er aus dieser Zeit bereits gut.

Wenn er sie jetzt mit dem Konzertchor Münster einstudiert, wird es vor allem darum gehen, ein tragfähiges Piano und einen homogenen Klang zu erzeugen – der Finalsatz sei „sauschwer“ zu singen, aber zum Glück nicht so lang, weiß Cepeda, der dabei natürlich auch die interpretatorischen Vorstellungen Fabrizio Venturas umsetzen muss. „Er hat ja auch viel mehr Erfahrung“, erzählt der Studienleiter und spielt dabei womöglich auf die Tatsache an, dass Ventura selbst diesen Chorsatz einst für einen anderen Dirigenten einstudierte: Der hieß Claudio Abbado.

Um das gute Niveau des Konzertchores zu sichern, probt Cepeda mit den Sängerinnen und Sängern auch A-cappella-Stücke. Und hat als große Herausforderung für die nächste Zeit – neben der bombastischen Totenmesse von Hector Berlioz im kommenden Jahr – ein Jubiläumskonzert des Konzertchores vor Augen, der im Jahr 1816 als „Chor des Musikvereins“ gegründet wurde. Dafür forscht Boris Cepeda noch nach einem Werk, das in dieser Zeit in Münster entstanden ist. Ein kleiner Beleg dafür, dass er sich hier schon nach kurzer Zeit zu Hause fühlt. Seine Frau stammt aus dem Kreis Warendorf, und als er feststellte, dass in der kleinen münsterschen Straße, in der er jetzt wohnt, schon mal Goethe zu Besuch war, bestätigte sich sein Entschluss: „Ich habe nicht vor, hier so schnell wieder wegzugehen.“



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