Flüchtlinge im Ramadan
Mahlzeiten nur in der Nacht

Münster -

In der Flüchtlingsunterkunft des Landes in der Yorkkaserne gibt es im muslimischen Fastenmonat Ramadan in der Kantine Extra-Öffnungszeiten. Die Mahlzeiten werden jetzt nachts ausgegeben.

Samstag, 11.06.2016, 12:00 Uhr aktualisiert: 12.06.2016, 11:45 Uhr
Schlangen an der Essensausgabe am späten Abend in der Yorkkaserne. Etwa die Hälfte der Flüchtlinge in der Landesunterkunft fastet im Ramadan, der noch bis zum 4. Juli dauert.
Schlangen an der Essensausgabe am späten Abend in der Yorkkaserne. Etwa die Hälfte der Flüchtlinge in der Landesunterkunft fastet im Ramadan, der noch bis zum 4. Juli dauert. Foto: kv

Gegen 22 Uhr wird es allmählich dunkel in diesen Junitagen mit den meisten hellen Stunden im ganzen Jahr. In der großen Kantine auf dem Gelände der ehemaligen Yorkkaserne sind die fast alle Tische besetzt, lange Schlangen an der Essensausgabe. Es ist Tag vier des diesjährigen Ramadans , des muslimischen Fastenmonats. Die meisten der 428 Flüchtlinge hier in der Erstunterkunft des Landes sind Muslime – und darum hat das für die Verpflegung zuständige Cateringunternehmen, eine Tochtergesellschaft des hiesigen Uniklinikums, seine Schichten erweitert. 

Neben den normalen Essenszeiten – morgens mittags, abends – gibt es für die Dauer des Ramadans das späte Abendessen nach Sonnenuntergang ab 21.30 Uhr und das besonders frühe Frühstück vor Sonnenaufgang. „Etwa die Hälfte unserer Gäste nimmt am Ramadan teil“, sagt René Kloppenburg , einer der Sprecher des Arbeiter-Samariter-Bundes Münster , der die Versorgung der Flüchtlinge in der Yorkkaserne organisiert.Während des Ramadans essen und trinken gläubige Muslime in den hellen Stunden des Tages nichts. Nach Sonnenuntergang versammeln sind Familien, Freunde und Nachbarn um gemeinsam zu tafeln – „jeder Abend ist im Ramadan normalerweise ein geselliges Fest mit gutem Essen“, erklärt der Iraker Namir Aldjiburi. Unter anderen Umständen: Das, was er jetzt auf seinem Tablett an einen der langen Resopaltische balanciert, ist weniger üppig als die Mahlzeiten, zu denen sich die Familie im Ramadan abends früher in Bagdad versammelte. Eine Suppe , ein Schälchen Couscous-Salat, Fladenbrot, ein Becher Joghurt, ein Apfel, Mineralwasser. „Das Essen ist in Ordnung“, sagt Namir auf Deutsch. Auch hier in der Erstunterkunft, gibt es Deutschkurse – „das ist gut für mich“, sagt der junge Mann, 28 Jahre alt und IT-Techniker, wie er sagt. Wenn er nch der Antragstellung einer Kommune zugewiesen wird, kann er vielleicht leichter eine Beschäftigung finden. Fünf Monate wartet er in der Yorkkaserne, dass sein Verfahren weitergeht. Was er jetzt im Ramadan besonders vermisst: „Meine Mutter und meine Geschwister“, sagt Namir. Sie sind noch in der Türkei – er hat sich über Griechenland alleine durchgeschlagen.

Amir Al-Nasser aus Syrien ist mit seiner Familie, Frau und zwei Kinder, durchgekommen. Die vier haben schon aufgegessen und die Eltern sagen diplomatisch über die Mahlzeiten: „Wir kaufen uns zum Essen manchmal selbst etwas dazu.“ Das übersetzt Uissam, der elfjährige Sohn, der im Unterschied zu seinen Eltern ziemlich fließend Englisch spricht und auch schon ein bisschen Deutsch. Uissam macht, anders als sein kleiner Bruder, schon mit beim Fasten. Der fröhliche Junge wünscht sich vor allem eines. „Bald wieder in eine Schule gehen“ und dass die Familie irgendwann nach Bonn ziehen kann – da wohnen Verwandte, und man hätte wieder mehr Familie um sich, vielleicht beim Ramadan im nächsten Jahr.

Kurz nach 23 Uhr leert sich die große Kantine. „Tschüss“, die Kinder winken Sozialarbeitern Linda Altewische und dem Sicherheitsmann an der Tür zum Abschied zu. Die Mitarbeiter vom Cateringservice räumen auf – es ist nur eine kurze Ruhe, bis hier wieder Leben einkehrt: Ab 2 Uhr morgens gibt es Frühstück.

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