Mi., 15.06.2016

ASB-Wünschewagen Noch einmal zur Nordsee

Der Wünschewagen des ASB macht es möglich, dass Manfred Gußen noch einmal die Nordsee erleben kann. Dennis Müller (M.) und Sohn Sebastian Gußen sind sehr berührt.

Der Wünschewagen des ASB macht es möglich, dass Manfred Gußen noch einmal die Nordsee erleben kann. Dennis Müller (M.) und Sohn Sebastian Gußen sind sehr berührt. Foto: privat

Münster - 

Mit dem ASB-Wünschewagen machte Dennis Müller es möglich, dem schwer kranken Manfred Gußen einen letzten Wunsch zu erfüllen: ein Ausflug an die Nordsee zum Wohnwagen der Familie.

Von Martina Döbbe

Traurigkeit. Tränen. Verzweiflung. Es sind zwei Sätze, die alles verändern. „Wir können nichts mehr tun. Sie sind austherapiert.“ Dennis Müller ist Intensivkrankenpfleger. Er kennt diese bittere Situation, in der Todkranke erfahren müssen, wie es um sie steht. So wie Manfred Gußen . Der 75-Jährige hat Krebs im Endstadium.

Kurz nach dem deprimierenden Moment, in dem der Mann aus Bad Sassendorf und seine Frau diese unausweichliche Wahrheit hören, betritt der Pfleger das Zimmer im Ostturm des Universitätsklinikums. Ohne zu ahnen, dass das Ehepaar erst seit ein paar Minuten weiß, dass ihm nicht mehr viel gemeinsame Zeit bleibt.

In der Rückschau, so sagt Dennis Müller selbst, sollte es wohl einfach so sein – es war der richtige Augenblick, der sie zusammengebracht hat. Denn aus dieser Begegnung entwickelt sich etwas ganz Besonderes: Manfred Gußen, der so sehr traurig ist, nicht noch einmal an „seine“ Nordsee zu kommen, soll genau das doch noch erleben.

Denn als Dennis Müller hört, wie verzweifelt der 75-Jährige zu seiner Frau sagt: „Dann werde ich das jetzt nicht mehr schaffen“, lässt ihn das nicht mehr los. Tags zuvor – purer Zufall – hat der 34-Jährige in einer Fachzeitschrift vom „Wünschewagen“ des ASB ( Arbeiter-Samariter-Bund ) gelesen. Der umgebaute Rettungswagen ist in Essen stationiert und ermöglicht schwer kranken Menschen, noch einmal eine Fahrt zu unternehmen, die in einem normalen Fahrzeug undenkbar wäre. Der Patient liegt wie in einem Pflegebett, wird von Helfern umsorgt, die medizinisch qualifiziert sind.

Bei Dennis Müller macht es sofort „klick“ – das ist es, denkt er sich. Setzt sich an seinen Computer, nimmt Kontakt mit dem ASB auf, schildert die Situation – kurzum: Er setzt alle Hebel in Bewegung. Mit Erfolg: Eine Woche später rollt der Wünschewagen mit Manfred Gußen an Bord Richtung Cuxhaven.

Es wird ein Tag der großen Gefühle. Ein Tag, den wohl keiner, der ihn erlebt, je vergessen wird.

Dennis Müller erzählt sehr bewegt von der Ankunft auf dem Campingplatz, wo die Familie wartet, aber auch langjährige Weggefährten Manfred Gußen „Hallo“ sagen wollen. Sie wissen auch: Dieses Mal ist es ein Abschied für immer.

Ein besonderer Moment wird die Pause am Strand. Denn der Wünschewagen rollt ohne Probleme nah ans Meer, die Türen werden aufgeklappt: Manfred Gußen ist am Ziel. Er kann die Nordsee sehen. Er kann sie hören, er kann sie riechen. Es kehren Augenblicke der Stille ein, erzählt Dennis Müller. Man habe gespürt, dass der 75-Jährige ganz ruhig geworden sei, bei aller Erschöpfung aber dennoch entspannt.

Am Tag drauf – und das freut alle – ist der 75-Jährige „sehr wach, gut ansprechbar“. Deutlich spürbar sei die Freude über das Erlebte gewesen. Und als Dennis Müller den Tag noch einmal Revue passieren lässt, spricht er für alle: „Das ist etwas, das man nie vergisst.“



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