Do., 16.06.2016

Fahrraddiebstahl in Münster Was die Hauptstadt der geklauten Räder von Fürth lernen kann

Fahrraddiebstahl in Münster  : Was die Hauptstadt der geklauten Räder von Fürth lernen kann

Bei Fahrraddiebstählen liegt die Aufklärungsquote bundesweit bei gerade einmal neun Prozent. In Fürth ist es deutlich besser. Oberkommissar Klaus Schneider erklärt sein Erfolgsrezept. Foto: dpa

Ein Fahrraddiebstahl ist nicht nur ärgerlich, weil der Besitzer im Zweifelsfall dann nur noch schlecht vom Fleck kommt. Die Aufklärung der Taten ist schwierig, so wird in Münster nur gut jede 13. Tat aufgeklärt. Vielleicht sollte die Polizei Rat bei den Kollegen in Fürth einholen.

Von dpa

Mehr als 335 000 Fahrraddiebstähle in Deutschland hat die Polizei im vergangenen Jahr gezählt. „Es ist ein Massendelikt“, klagt Roland Huhn vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Die Diebe zu finden, ist für die Ermittler jedoch meist schwierig - denn sind Drahtesel und Schloss erst einmal weg, sind mit ihnen auch die Spuren fort. Bundesweit liegt die Aufklärungsquote daher bei gerade einmal neun Prozent - deutlich niedriger als bei vielen anderen Delikten. Der ADFC fordert daher mehr Personal bei der Polizei.

Doch es gibt Unterschiede zwischen den größeren Städten. Mit 28 Prozent hatte im vergangenen Jahr Jena die beste Aufklärungsquote - nach rund 10 Prozent im Jahr 2014. In Wolfsburg verdoppelte sich die Quote im Vergleich zu 2014 von rund 10 auf 23 Prozent und bescherte der Stadt damit bundesweit Platz drei. In beiden Städten stieg die Quote jedoch vor allem durch die Festnahme von Diebesbanden. „Wir konnten im vergangenen Jahr zwei größere Serien aufklären“, erklärt der Wolfsburger Polizeisprecher Sven-Marco Claus. „Ansonsten wären wir wohl wieder auf ähnlichem Niveau wie in den Vorjahren gelandet.“

In Jena hatte die Polizei Ende 2014 extra eine Arbeitsgruppe eingerichtet, weil eine Bande zahlreiche Rad-Diebstähle begangen hatte. Nach Abschluss der Ermittlungen wurde die Gruppe wieder aufgelöst. Bleibt abzuwarten, wie sich die Zahlen nun entwickeln.

Fahrradklau-Hauptstadt Münster

Die "Fahrradhauptstadt" Münster liegt auch im Bereich Fahrraddiebstähle vorne. Im vergangenen Jahr wurden in Münster 5193 Fahrraddiebstähle erfasst - 670 mehr als 2014. Mit 1719 gestohlenen Rädern pro 100.000 Einwohner liegt Münster damit an der Spitze des deutschlandweiten Rankings, knapp 200 Räder mehr als beim zweitplatzierten Magdeburg.

Die Aufklärungsquote lag laut Polizei im letzten Jahr bei 7,5 Prozent, eine Steigerung um 0,6 Prozentpunkte

Fotostrecke: Fünf Tipps gegen Fahrraddiebstahl

Experte in Fürth

Bereits seit Jahren in der Spitzengruppe bei der Aufklärung von Fahrraddiebstählen hält sich hingegen das fränkische Fürth - im vergangenen Jahr lag es mit 25 Prozent Aufklärungsquote bundesweit an zweiter Stelle. In den Vorjahren betrug die Quote sogar zwischen 27 und 30 Prozent. Dies sei schon außergewöhnlich, sagt Roland Huhn vom ADFC. In vielen Großstädten beträgt die Erfolgsquote laut Bundeskriminalamt nämlich nur vier Prozent - etwa in Berlin, Bremen, Düsseldorf, Hamburg oder Bonn.

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Ich habe inzwischen einen besonderen Blick entwickelt.

Klaus Schneider, Oberkommissar für Raddiebstähle bei der Polizei Fürth

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Doch wie schafft die Fürther Polizei das?

Seit rund zehn Jahren gibt es in der 120.000-Einwohner-Stadt einen Beamten, der sich ausschließlich um das Thema Fahrraddiebstähle kümmert. Seit 2012 ist das der Job von Oberkommissar Klaus Schneider . „Ich habe inzwischen einen besonderen Blick entwickelt“, sagt der 48-Jährige. Ein Drahtesel ohne Pedale? Ein teures Sportbike, gesichert mit einem Zwei-Euro-Schloss? Ein Fahrradfahrer, dessen eher ärmliches Äußeres nicht zum exklusiven Zweirad passt? Schneider fällt schnell auf, wenn etwas verdächtig oder zumindest ungewöhnlich ist.

Ahnungslose Besitzer

Der 48-Jährige weiß zudem, dass es bei gestohlenen Rädern auf Details ankommt: Sind die Schreibweise des Herstellers, die Typ-Bezeichnung und die Rahmennummer ganz korrekt? Auch seine Kollegen vom Streifendienst instruiert Schneider intensiv. „Und da ich das Thema allein bearbeite, habe ich einen besseren Überblick“, sagt er und gibt zu, dass dies nur in einer kleinen Stadt möglich ist.

Außerdem braucht ein Rad-Ermittler eine große Portion Hartnäckigkeit. „Ich habe mal einen ganzen Tag recherchiert - für ein Fahrrad, das der Besitzer am Ende gar nicht mehr haben wollte“, erzählt der Polizist. Der hatte nämlich bereits die Versicherungssumme kassiert.

„Das Problem ist jedoch oft, dass viele Leute gar nicht genau wissen, was für ein Fahrrad sie haben“, klagt Schneider. Selbst bei teuren Rädern existierten selten Fotos oder Aufzeichnungen zu Marke und Rahmennummer. Wenn die Polizei auch bei den Verkäufern nicht weiterkomme, die sich die Nummern oft notierten, bleibe kaum ein Ermittlungsansatz übrig. Gute Erfahrungen macht die Polizei jedoch, wenn mehr Beamte in Zivil auf der Straße sind. Diese können eher einen Dieb auf frischer Tat ertappen.

Drogensüchtige Einzeltäter

Die Diebe haben es übrigens nicht nur auf teure Räder abgesehen. „Es wird alles geklaut, was nicht bei drei auf den Bäumen ist“, sagt Schneider. Ein Drittel aller Fahrräder sei zudem nicht einmal abgeschlossen, berichtet sein Wolfsburger Kollege Sven-Marco Claus.

Schneiders Erfahrung nach sind die Täter nur in etwa zehn Prozent der Fälle spezialisierte Banden. Die Mehrzahl seien Einzeltäter, sagt er. „Früher sind Räder meist geklaut worden, um von A nach B zu kommen. Heute stecken meist Rauschgiftsüchtige dahinter, die die Räder über Apps oder An- und Verkaufsläden loswerden“, erzählt der Polizist.

Etwa einmal im Monat macht Schneider daher eine Tour durch die einschlägigen Läden in Fürth. „Einen Durchsuchungsbeschluss dafür zu bekommen, ist schwierig bis unmöglich“, sagt er. Daher sei er auf die Kooperation der Inhaber angewiesen. Inzwischen zerlegen viele Täter die Räder auch in Einzelteile und verkaufen diese dann im Internet.



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