Fr., 01.07.2016

370-Millionen-Euro-Investition So wird die Uniklinik in Münster modernisiert

 

Am Zentralklinikum entsteht ein Erweiterungsbau für ein Eltern-Kind-Zentrum mit einem Entbindungsbereich und einer Wöchnerinnenstation. Foto: WTR Architekten

Münster - 

Das Land NRW investiert 370 Millionen Euro zur Modernisierung der Uniklinik in Münster (UKM). Mit tristen Bildern von maroden Bettentürmen ist dann Schluss. Die Millionen fließen in elf Großprojekte. Ein Überblick:

Von Ralf Repöhler

Was für eine Fördersumme! Das Land NRW stellt 370 Millionen Euro bereit, um das Universitätsklinikum (UKM) und die Medizinische Fakultät mit knapp einem Dutzend Bau- und Modernisierungsvorhaben fit für die Zukunft zu machen. Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) legte am Donnerstag sogleich den Grundstein für den Bau eines Rechenzentrums und eines Eltern-Kind-Zentrums mit Geburtsklinik als Erweiterungsbau am Klinikum.

Insgesamt werden bis zum Jahr 2020 elf Bauprojekte auf dem Albert-Schweizer-Campus realisiert. „Jedes Projekt ist ein Meilenstein für uns und von großer Bedeutung für Patienten und Mitarbeiter“, sagte der Kaufmännische UKM-Direktor Dr. Christoph Hoppenheit. Weithin sichtbar wird die Sanierung der Bettentürme sein, die bis Ende 2018 eine mattweiße Außenfassade bekommen und energetisch aufgearbeitet werden.

 


Für den Wissenschaftsstandort Münster wird das über 100 Millionen Euro schwere Medizinische Forschungscentrum „MedForCe“, in dem hochmoderne Labore der Institute für Mi­krobiologie, Virologie und Hygiene entstehen, ein Meilenstein sein. „Wir blicken schon jetzt mit Stolz auf dieses Großprojekt, obwohl noch die Baugrube fehlt“, sagte der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Norbert Roeder, der der Ministerin für den warmen Geldregen aus Düsseldorf dankte. Der scheidende UKM-Vorstandsvorsitzende ist erfreut darüber, dass der Startschuss der Baumaßnahmen noch in seine Amtszeit falle. „Die Inbetriebnahme übernehmen dann andere. Vielleicht werde ich dazu eingeladen“, sagte Roeder.

Meinung

Kommentar zur Millionen-Investition:  Daran krankt das UKM

Ministerin Schulze stellte das „Medizinische Modernisierungsprogramm“ vor. Danach investiert das Land bis zum Jahr 2020 rund 2,2 Milliarden Euro in die Universitätskliniken. Aus diesem Topf fließen die 370 Millionen Euro nach Münster.

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Als Münsteranerin freue ich mich besonders auf die neue Fassade an den Bettentürmen.

NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD)

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Wie notwendig das Programm sei, sei an Standorten, die seit 30 Jahren in Betrieb sind, zu sehen. „Sie genügen nicht mehr den Standards der Hochschulmedizin“, sagte Schulze. Die Gesundheit der Bevölkerung zu wahren, bleibe eine große Herausforderung. Die Medizinischen Fakultäten und Universitätskliniken spielten dabei eine Schlüsselrolle. Sie machte keinen Hehl daraus, wie sehr sie die Förderung für das UKM begrüßt. „Als Münsteranerin freue ich mich besonders auf die neue Fassade an den Bettentürmen.“ 

Dafür werden die 370 Millionen Euro ausgegeben

Folgende Bau- und Sanierungsprojekte sind an der Uniklinik Münster geplant:

► Medizinisches ForschungsCentrum (MedForCe): Im nördlichen Bereich des Albert-Schweitzer-Campus werden mit dem Projekt „MedForCe“ die Institute Mikrobiologie, Virologie und Hygiene an einem Standort zusammengeführt. Zusätzlich werden weitere Forschungsverfügungsflächen realisiert. ( Baukosten : 106.000.000 Euro, Ersteinrichtungskosten 20.300.000 Euro)

► Interdisziplinärer Erweiterungsbau Zentralklinikum: Der Neubau ist die bauliche Fortführung des Zentralklinikums. Hier wird ein Eltern-Kind-Zentrum errichtet, das aus einer Neonatologie (Perinatal Zentrum Level 1), einem Entbindungsbereich und einer Station für Wöchnerinnen besteht. Das neue Gebäude beinhaltet ebenso eine Intensivstation, Ambulanzen und eine Neurologische Tagesklinik. (Baukosten: 50.110.000 Euro, Ersteinrichtungskosten: 9.000.000 Euro)

► Rechenzentrum: Der Standort des neu zu errichtenden Rechenzentrums befindet sich unmittelbar neben dem Zentralklinikum mit allerbesten Anbindungs- bzw. Integrationsmöglichkeiten in das bestehende Netzwerk sowie in die technische Infrastruktur des Universitätsklinikums. An das zukünftige Rechenzentrum werden höchste Verfügbarkeitsanforderungen gestellt. (Baukosten: 9.906.000 Euro, Ersteinrichtungskosten: 5.565.400 Euro)

Fassaden- und Betonsanierung der Bettentürme: Die Bettentürme als stadtbildprägendes Gebäude wurden seit Erbauung in den 70er Jahren im Bereich der Fassade nicht saniert. Die Außenflächen werden aus energetischer, optischer und konstruktiver Sicht überarbeitet und dem Stand der Technik angepasst. Zusätzlich wird den Patienten die Möglichkeit der individuellen, natürlichen Belüftung der Patientenzimmer eröffnet. Durch Zusammenwirken von Fassadenkonstruktion und -technik werden die Energieverbräuche reduziert. (Baukosten: 45.862.300 Euro)

► Brandschutzsanierung Zentralklinikum: Die bestehende, 40 Jahre alte, technische Infrastruktur des Zentralklinikums muss dringend erneuert werden. Im Rahmen dieses Projektes werden Teilbereiche des Flachbaus schadstoffsaniert und an die heutigen baulichen Brandschutzanforderungen angepasst. Es erfolgt eine bauliche Neuordnung diverser Ambulanzbereiche. (Baukosten: 24.694.000 Euro, Ersteinrichtungskosten: 1.828.000 Euro)

► Aufzugsmodernisierung Zentralklinikum: Die Modernisierung ist eine Generalsanierung der aus den 80er Jahren stammenden Förderanlagen des Ost- und Westbettenturmes. Mit der Modernisierung wird den gestiegenen gesetzlichen, technischen und energetischen Anforderungen sowie den gestiegenen Patienten-, Personal- und Warentransporten eine zukunftsorientierte Basis geboten. (Baukosten: 6.963.000 Euro)

 Sanierung und Umstrukturierung der Hautklinik: Entsprechend der Masterplanung „Universitätsmedizin Münster 2025“ wird die Klinik für Hautkrankheiten am jetzigen solitären Standort an der Von-Esmarch-Straße verbleiben. Dies bedingt eine umfangreiche Sanierung und Umstrukturierung des Gebäudes, um den aktuellen und zukünftigen Anforderungen der Klinik gerecht zu werden. (Baukosten: 23.565.000 Euro, Ersteinrichtungskosten: 3.355.000 Euro)

► Knochenmarktransplantationszentrum (KMT): Das bestehende Knochenmarktransplantationszentrum wird um zusätzliche Ambulanz- und Pflegebereiche erweitert. Zusätzlich wird ein Zytostatika-Herstellungsbereich in den Erweiterungsbaukörper integriert. (Baukosten: 16.000.000 Euro, Ersteinrichtungskosten: 3.000.000 Euro)

► Modernisierung Patientenversorgung: Im Rahmen dieses Bauvorhabens wird die Speisenversorgung für Patienten und Mitarbeiter mit dem Ziel der qualitativen Verbesserung neu geordnet. Hierzu wird die vorhandene Zentralküche im Versorgungszentrum saniert. (Baukosten: 17.405.400 Euro, Ersteinrichtungskosten: 3.767.000 Euro)

Versorgungszentrum II: Zur zukünftigen zentralen Versorgung der in Planung befindlichen Gebäude mit Wärme, Kälte und Netzersatzstrom wird eine neue Energiezentrale notwendig. Die zusätzliche neue Energiezentrale wird weiterhin die Versorgungssicherheit des Klinikums erhöhen. Dabei werden weitere BHKW-Module implementiert, die eine energieeffiziente Eigenstromproduktion bei gleichzeitiger Nutzung der Abwärme (KWK) sicherstellen. (Baukosten: 18.500.000 Euro)

► Sanierung der Zentralen Kälteversorgung: Die zentrale Kälteversorgung im Versorgungszentrum stammt aus dem Jahr 1980 und muss dringend saniert werden. Neben den hygienischen Vorteilen wird die Sanierung durch Energie- und Wassereinsparungen sowie den Verzicht auf Biozide auch Ressourcen schonen. (Baukosten: 6.500.000 Euro)

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