Do., 07.07.2016

Gefängnis-Räumung Kurzfristiger Umzug ist Herkulesaufgabe für münsterischen JVA-Leiter

Gefängnis-Räumung : Kurzfristiger Umzug ist Herkulesaufgabe für münsterischen JVA-Leiter

Viel gefragter Gesprächspartner: JVA-Leiter Carsten Heim (r.) Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Wie räumt man ein Gefängnis im Hauruck-Verfahren? Carsten Heim, der Leiter der JVA in Münster, weiß das auch nicht so genau. Aber er muss es am Donnerstag und Freitag praktizieren. 

Von Elmar Ries

Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes hat dem altersschwachen Knast in Münster am Mittwoch (6. Juli) unvermittelt die rote Karte gezeigt. Einsturzgefahr. Damit überraschte die Behörde das NRW-Justizministerium, damit überraschte es aber auch Heim , dessen Mitarbeiter und die über 500 Gefangenen, die derzeit in Münster einsitzen.

Während also Heim vor dem Hinterausgang des Gefängnisses steht und zu erklären versucht, was schwer nur zu erklären ist, rollen hinter ihm die weiß-blauen Gefängnisbusse. "Knapp 20 Fahrten werden wir benötigen, um die Häftlinge in andere Gefängnisse zu bringen", sagt der Chef. Da fährt Bus Nummer 5 gerade durch das schwere graue Tor.

Fotostrecke: Das Gefängnis in Münster wird geräumt

Die Gefangenen müssen bis Freitag aus Münster weg und in anderen Anstalten untergebracht sein. Wer wohin kommt, das regelt vor Ort ein Krisenstab und in Düsseldorf das Ministerium. Fest steht: 40 Häftlinge werden in die im Oktober geschlossene Außenstelle der JVA Münster in Coesfeld gebracht. Dort sind an diesem Tag vier Mitarbeiter damit beschäftigt, das Gebäude wieder herzurichten und sicher zu machen. So müssen unter anderem die Schlösser wieder in die Türen eingesetzt werden. Die lagerten bis heute in Münster...

Coesfeld nimmt Häftlinge auf, Krefeld und Mönchengladbach auch. Dort sind noch Kapazitäten frei. "Die werden aber nicht genügen, um alle 509 Häftlinge aufzunehmen", sagt Heim. Wo kommen die Übrigen unter? "Das weiß ich nicht, das regelt der Krisenstab", ergänzt er. Sicher ist nur: Unterkommen werden sie alle. In irgendeiner der Haftanstalten in NRW.

Wer trägt eigentlich die Verantwortung für diese Holterdiepolter-Aktion? Den Schwarzen Peter hat das BLB nur auf den ersten Blick. Dessen Argument: Ein frisches Gutachten habe nachgewiesen, dass bei Erschütterungen durch Unwetter oder Schwerlast-Transporte letztlich die Statik des Uralt-Knastes gefährdet sei.

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Die Folgen der Misere musste am Donnerstag auch Heim ausbaden. Und war darüber sehr sauer. Kurz nach elf Uhr verlässt der dritte Bus die Haftanstalt. "Das wird heute ein langer Tag", sagt er und blickt auf die Uhr. Fünfeinhalb Stunden ist er heute schon im Dienst.

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