Reaktionen in der Nacht zu Samstag
Putsch beunruhigt auch Türken in Münster

Münster -

300 Menschen bezeugten vor dem Generalkonsultat ihren Protest gegen den Putsch in der Türkei. Weitere Reaktionen aus Münster.

Sonntag, 17.07.2016, 14:55 Uhr aktualisiert: 17.07.2016, 18:21 Uhr
Bürger in der Türkei solidarisieren sich – gegen die Putschisten. 
Bürger in der Türkei solidarisieren sich – gegen die Putschisten.  Foto: dpa

Rund 300 Menschen bekundeten in der Nacht zu Samstag vor dem türkischen Generalkonsulat an der Neubrückenstraße ihre Solidarität mit dem Staat. Laut Polizei wurden Musik gespielt und Erdogan-freundliche Parolen skandiert. Die letzten Demonstranten hielten bis 4 Uhr morgens aus.

Fadime Eroglu saß derweil an ihrem Computer und hielt Kontakt mit ihrem Bruder. Die Pressesprecherin der Ditib-Gemeinde am Hauptbahnhof: „Der ist im Urlaub in Ankara, er war auf der Straße und hat Videos geschickt. Es war schrecklich.“ Eroglu sieht die Schuldigen, wie auch die – allerdings staatlich gesteuerten – türkischen Medien verbreiten, bei der Gülen-Bewegung: „Man wirft Erdogan ja vor, dass er ein Diktator sei. Aber Gülen wäre schlimmer.“

Ali Atalan, einst Linken-Ratsherr in Münster und jetzt Abgeordneter der pro-kurdischen türkischen HDP-Partei, erlebte den Putsch live: „Es gab einerseits Unruhe, Angst – und andererseits die gleichgültige Haltung nach dem Motto: Schlimmer kann es nicht kommen.“ Möglich, sagt er, dass nun Erdogans autoritäre Politik schlimmer werde. Genauso gut könnte aber der vereitelte Putsch die demokratische Opposition stärken, „zumal Erdogan für diesen chaotischen Zustand verantwortlich gemacht wird“.

Während Atalan wegen der „problematischen Sicherheitslage“ derzeit von Türkeireisen abrät, hält der Vorsitzende des münsterischen Integrationsrates, Dr. Ömer Lütfü Yavuz, an seinen Urlaubsplänen fest. Der Münsteraner mit deutschem und türkischen Pass: „Die Sicherheit wird sich eher bessern. Zum Glück hat nur ein kleiner Teil der Armee geputscht.“ Auch er sieht die eher konservative Gülen-Bewegung als Drahtzieherin hinter dem Putsch: „Die türkische Bevölkerung hat das nicht akzeptiert.“

Pinar Gülün Kayseri, Generalkonsulin der Türkei in Münster, ist derzeit im Urlaub in der Türkei. Sie ­verweist auf eine offizielle Stellungnahme auf der Facebook-Seite des General­konsulats: Für die Türken gehe es jetzt darum, Schaden zu begrenzen.

Fadime Eroglu: „Die Türkei hat schon mehrere Putsche erlebt. Immer litten die Menschenrechte, die Meinungsfreiheit – und die Wirtschaft.“

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