Wasserversorgung in Münster
Zwei Wasserwerke bald dicht

Münster -

Aus wirtschaftlichen Gründen trennen sich die Stadtwerke bis 2021 von ihren beiden kleinsten Wasserwerken in Vennheide-Geist und Kinderhaus. Die Standorte Hornheide-Haskenau und Hohe Ward werden modernisiert.

Donnerstag, 04.08.2016, 20:00 Uhr aktualisiert: 05.08.2016, 11:12 Uhr
Kontrolle der Rohre und Leitungen in der Pumpstation des Wasserwerks Vennheide: Wilhelm Brickwedde checkt täglich im Keller des Wasserwerks die Anlagen.
Kontrolle der Rohre und Leitungen in der Pumpstation des Wasserwerks Vennheide: Wilhelm Brickwedde checkt täglich im Keller des Wasserwerks die Anlagen. Foto: hpe

Die Stadtwerke wollen aus wirtschaftlichen Gründen zwei ihrer vier Wasserwerke schließen. Betroffen sind die beiden kleineren Standorte Kinderhaus an der Sprakeler Straße und Geist am Vennheideweg. Die Wasserwerke Hornheide und Hohe Ward, wo im Jahr bis zu 15,5 Millionen Kubikmeter Wasser und damit der Löwen­anteil für die lokale Versorgung gefördert werden können, bleiben bestehen und sollen in den nächsten Jahren technisch modernisiert werden.

Durch die Aufgabe von zwei Pumpstationen und ­damit auch der innerstädtischen Wasserschutzgebiete in Kinderhaus und Berg Fidel bieten sich stadtplanerisch viele Möglichkeiten, weil die Stadtwerke diese Flächen größtenteils frei­ziehen werden. An der Vennheide bleiben allerdings die beiden Wasserspeicher stehen, um dort Reserven bunkern zu können.

„Wir konzentrieren uns auf zwei Stand­orte, an denen 80 Prozent der benötigten Wassermenge gefördert werden können“, so Stadtwerke-Sprecher Martin Schuster . Ent­lassungen werde es nicht geben, allerdings müssen einige Mitarbeiter an die Standorte Hohe Ward und Hornheide sowie in die Zentrale am Hafenplatz versetzt werden. Die Neustrukturierung der Wasserversorgung bis 2021 ist, so Schuster, wichtig, um auch in der Zukunft eine dauerhafte, nachhaltige und wirtschaftlich optimierte Trinkwasserversorgung in Münster ­sicherstellen zu können.

„Wenn wir wirtschaftlicher arbeiten können, kommt das auch dem Verbraucher zugute, weil wir die Preise niedriger halten können“, so Schuster.

Obwohl die Bevölkerung in Münster seit Jahren konstant wächst, wird pro Kopf weniger Wasser verbraucht. Die Stadtwerke führen das auf die vielen Single-Haushalte und Einsparungen beispielsweise durch neue Spül- und Waschmaschinen sowie wassersparende Duschköpfe zurück.

Seit 2011 ist der Trinkwasserabsatz in Münster leicht rückläufig und liegt im Schnitt bei 16,2 Millionen Kubikmetern im Jahr. Hornheide und Hohe Ward reichen also aus und werden künftig noch mehr Grundwasser fördern dürfen. Kinderhaus und Geist haben laut Stadtwerken ohnehin insgesamt nur knapp 2,7 Millionen Kubikmeter liefern können.

Sollte es mit der Zweier-Lösung trotzdem mal eng werden, können die Stadtwerke jederzeit die Abnahme von Gelsenwasser an der Übernahmestation Albachten erhöhen.

Der frühere Stadtwerke-Betriebsdirektor Wilfried Buttchereit hat wenig Verständnis für die Reduzierung der Standorte. In einem Offenen Brief an Oberbürgermeister Markus Lewe bezeichnet er die Aufgabe von zwei Wasserschutzgebieten als „sündhaften Vorgang“.

Buttchereit: „Die dadurch freiwerdenden Grundstücke sollen wohl an die Stadt Münster veräußert werden, um sie dann der Bebauung zuzuführen.“ Unbelastetes Grundwasser sei ein unschätzbar wertvolles Naturprodukt, das nicht durch kurzfristiges Handeln auf­gegeben werden dürfe.

Die Wasserqualität wird sich laut Schuster durch die Neustrukturierung nicht verändern. Ganz im Gegenteil. In Kinderhaus werde der Härtegrad sinken, wenn das Wasser aus einem der beiden noch verbleibenden Werke kommt.  

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