Drei Innenstadtkneipen schließen
Stammgäste verlieren die Heimat

Münster -

Der Alte Pulverturm und die Köpi-Stuben schließen Ende des Jahres. Etwas später die Bit-Pünte. Damit verliert Münster erneut drei traditionelle Lokale.

Mittwoch, 10.08.2016, 09:40 Uhr aktualisiert: 10.08.2016, 11:02 Uhr
Karl-Heinz Scherz (unten, l.) hört im Pulverturm auf. Dort muss sich eine Erbengemeinschaft einigen.
Karl-Heinz Scherz hört im Pulverturm auf. Dort muss sich eine Erbengemeinschaft einigen. Foto: gh

Drei traditionelle Kneipen schließen innerhalb kürzester Zeit in der münsterischen Innenstadt: Der „ Alte Pulverturm “ am Breul mit Wirt Karl-Heinz Scherz und die „Köpi-Stuben“ auf der Bergstraße geben Ende des Jahres auf. Am Aschermittwoch ist auch für Gastronom Günter Brune in der „Bit-Pünte“, die ebenfalls auf der Bergstraße ist, alles vorbei.

„Viele Stammgäste verlieren eine Heimat und damit ihr Wohnzimmer“, darin sind sich Franz-Josef Wulff (genannt „Bübi“) von den „Köpi-Stuben“ und Günter Brune von der „Bit-Pünte“ einig. „Ich darf nicht darüber nachdenken“, sagt Wulff mit Blick auf das Jahresende. Der gelernte Metzger, Koch und Kellner erinnert sich an die Karnevalsfeste, an Betriebsfeste und daran, dass Udo Lindenberg immer wieder als Gast bei ihnen aufgetaucht sei.

Insgesamt 31 Jahre betreibt Bübi Wulf seine westfälische Kneipe, deren Stil er mit Bildern und Mobiliar geprägt hat. Gern hätte er die Gastronomie noch ein bisschen weitergeführt, sagt der 77-Jährige, doch ihm sei zum Ende des Jahres gekündigt worden.

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Sein Verpächter ist ein Getränkevertrieb aus Dortmund , der die „Köpi-Stuben“ von der Studentenverbindung Winfridia gemietet habe. Die „neuen Alten Herren der Verbindung“, so Wulff, möchten nun die Pacht verdoppeln, die „älteren Alten Herren würden es gerne sehen, wenn ich bleibe.“ Eine höhere Pacht sei aber nicht zu erwirtschaften, so der 77-Jährige, der neun Mitarbeiter beschäftigt. Bübi Wulff serviert seinen Gästen seit 31 Jahren typisch westfälische Gerichte wie Erbsensuppe, Schnitzel, Wildgerichte, dicke Bohnen, Mettbrötchen und Frikadellen, von denen er mindestens 50 Stück pro Tag brutzelt.

Wulffs Gastronomiekarriere begann aber im Töddenhoek an der Rothenburg , wo er 18 Jahre Pächter war. Dort war seit 1975 auch Günter Brune beschäftigt. Vor 17 Jahren übernahm der 60-Jährige dann Münsters wohl zweitkleinste Kneipe, die Bit-Pünte. Eigentlich wollte er seinen Vertrag jetzt verlängern, doch das Haus, das unter Denkmalschutz steht, wird verkauft.

Wie in den Köpi-Stuben trauern viele Stammgäste über den bevorstehenden Verlust ihrer Kneipe. Auch Brune verwöhnte seine Gäste mit der westfälischen Küche. Egal bei welchem Wetter, dicke Bohnen und Bratkartoffeln gingen immer, sagt Günter Brune, der wie Wulff gelernter Metzger ist und selbst in der Küche steht. 

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