Ehepaar Peters lebte Monate neben einem Müllberg
Von der Stadt allein gelassen

Münster -

Monatelang mussten Anwohner im Wohngebiet am Althausweg in Kinderhaus ansehen, wie ein Nachbar im Garten seines Reihenendhauses Müllsäcke und anderen Abfall auftürmte, den er an den Straßen gesammelt hatte. Allen voran Ingrid und Heinrich Peters, die im Reihenhaus neben dem vermüllten Garten wohnen.

Samstag, 03.09.2016, 13:00 Uhr aktualisiert: 03.09.2016, 23:35 Uhr
Ingrid und Heinrich Peters  sind erleichtert, dass der Müll neben ihrem Haus nun weggeräumt wurde. lange baten sie vergeblich um Hilfe.
Ingrid und Heinrich Peters  sind erleichtert, dass der Müll neben ihrem Haus nun weggeräumt wurde. Lange baten sie vergeblich um Hilfe. Foto: Oliver Werner

Nun wurde der Müll zwangsgeräumt, der faulige Geruch hat sich verzogen, der Abfallsammler befindet sich aktuell in medizinischer Behandlung. Unsere Redakteurin Karin Völker sprach mit dem Kinderhauser Ehepaar über die Erfahrung, mit einem offenkundig schwerwiegenden Problem im doch eigentlich sehr lückenlos organisierten Rechtsstaat lange keine wirksame Hilfe zu finden:

Der Nachbargarten ist vom Müll befreit. Sind sie erleichtert?

Ingrid Peters: Erleichtert schon, aber gleichzeitig haben wir die Sorge, was geschieht, wenn unser Nachbar zurückkommt. Der Ertrag seiner monatelangen Sammelleidenschaft ist ja nun fort. Darüber ist er vermutlich wütend. Er hat ja mit allen Mitteln versucht, die Räumung zu verhindern.

Heinrich Peters: Das eigentliche Problem bleibt ja wahrscheinlich bestehen. Wir fürchten uns schon ein bisschen.

Ingrid Peters: Mir hat unser Nachbar zweimal gedroht, mich umbringen zu wollen. Er stand einmal mit einer erhobenen Eisenstange vor mir.

Stadt lässt vermüllten Garten am Althausweg räumen

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  • Die Stadt lässt den vermüllten Garten am Althausweg seit Mittwochmorgen räumen – als sogenannte Ersatzvornahme. Die Kosten sollen dem Bewohner in Rechnung gestellt werden.

    Foto: jans
  • Die Stadt lässt den vermüllten Garten am Althausweg seit Mittwochmorgen räumen – als sogenannte Ersatzvornahme. Die Kosten sollen dem Bewohner in Rechnung gestellt werden.

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  • Die Stadt lässt den vermüllten Garten am Althausweg seit Mittwochmorgen räumen – als sogenannte Ersatzvornahme. Die Kosten sollen dem Bewohner in Rechnung gestellt werden. Foto: Oliver Werner
  • Die Stadt lässt den vermüllten Garten am Althausweg seit Mittwochmorgen räumen – als sogenannte Ersatzvornahme. Die Kosten sollen dem Bewohner in Rechnung gestellt werden. Foto: Oliver Werner
  • Die Stadt lässt den vermüllten Garten am Althausweg seit Mittwochmorgen räumen – als sogenannte Ersatzvornahme. Die Kosten sollen dem Bewohner in Rechnung gestellt werden. Foto: Oliver Werner
  • Die Stadt lässt den vermüllten Garten am Althausweg seit Mittwochmorgen räumen – als sogenannte Ersatzvornahme. Die Kosten sollen dem Bewohner in Rechnung gestellt werden.

    Foto: jans
  • Die Stadt lässt den vermüllten Garten am Althausweg seit Mittwochmorgen räumen – als sogenannte Ersatzvornahme. Die Kosten sollen dem Bewohner in Rechnung gestellt werden.

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  • Die Stadt lässt den vermüllten Garten am Althausweg seit Mittwochmorgen räumen – als sogenannte Ersatzvornahme. Die Kosten sollen dem Bewohner in Rechnung gestellt werden. Foto: Oliver Werner
  • Die Stadt lässt den vermüllten Garten am Althausweg seit Mittwochmorgen räumen – als sogenannte Ersatzvornahme. Die Kosten sollen dem Bewohner in Rechnung gestellt werden. Foto: Oliver Werner
  • Die Stadt lässt den vermüllten Garten am Althausweg seit Mittwochmorgen räumen – als sogenannte Ersatzvornahme. Die Kosten sollen dem Bewohner in Rechnung gestellt werden. Foto: Oliver Werner
  • Die Stadt lässt den vermüllten Garten am Althausweg seit Mittwochmorgen räumen – als sogenannte Ersatzvornahme. Die Kosten sollen dem Bewohner in Rechnung gestellt werden. Foto: Oliver Werner
  • Die Stadt lässt den vermüllten Garten am Althausweg seit Mittwochmorgen räumen – als sogenannte Ersatzvornahme. Die Kosten sollen dem Bewohner in Rechnung gestellt werden. Foto: Oliver Werner
  • Die Stadt lässt den vermüllten Garten am Althausweg seit Mittwochmorgen räumen – als sogenannte Ersatzvornahme. Die Kosten sollen dem Bewohner in Rechnung gestellt werden. Foto: Oliver Werner
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  • Die Stadt lässt den vermüllten Garten am Althausweg seit Mittwochmorgen räumen – als sogenannte Ersatzvornahme. Die Kosten sollen dem Bewohner in Rechnung gestellt werden.

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  • Die Stadt lässt den vermüllten Garten am Althausweg seit Mittwochmorgen räumen – als sogenannte Ersatzvornahme. Die Kosten sollen dem Bewohner in Rechnung gestellt werden.

    Foto: jans
  • Die Stadt lässt den vermüllten Garten am Althausweg seit Mittwochmorgen räumen – als sogenannte Ersatzvornahme. Die Kosten sollen dem Bewohner in Rechnung gestellt werden.

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  • Die Stadt lässt den vermüllten Garten am Althausweg seit Mittwochmorgen räumen – als sogenannte Ersatzvornahme. Die Kosten sollen dem Bewohner in Rechnung gestellt werden. Foto: Oliver Werner
  • Die Stadt lässt den vermüllten Garten am Althausweg seit Mittwochmorgen räumen – als sogenannte Ersatzvornahme. Die Kosten sollen dem Bewohner in Rechnung gestellt werden. Foto: Oliver Werner

Und da haben Sie nicht die Polizei alarmiert?

Heinrich Peters: Natürlich! Die Beamten hier aus dem Bezirk kümmern sich sehr engagiert um uns. Sie waren gerade heute noch mal da und haben uns bestätigt, dass wir mit dem Problem wohl leben müssen.

Ingrid Peters: Wir haben uns Anfang April zuerst an die Polizei gewandt, nachdem sich seit Januar immer mehr Müll im Garten nebenan sammelte. Es sind umgehend Polizisten hierher gekommen, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Schon damals hatte der Abfall Ratten angelockt. Die Bezirkspolizisten versprachen, die städtischen Behörden einzuschalten. Und wir haben erwartet, dass das Ordnungsamt und das Gesundheitsamt herkommen, um sich ebenfalls ein Bild zu machen

Und das geschah nicht?

Ingrid Peters: Nein, darüber wunderte sich auch die Polizei. Wir bekamen ein Schreiben vom Ordnungsamt, dass wir das Müllproblem hinzunehmen hätten. Das hat uns, ehrlich gesagt, fassungslos gemacht. Das Recht Müll zu horten, hat offenbar höheres Gewicht als das Grundrecht Unbeteiligter auf körperliche Unversehrtheit. Ein ganz ähnliches Schreiben hat auch ein Anwalt vom Ordnungsamt bekommen, den wir danach eingeschaltet haben. Dass man gegen Menschen im eigenen Umfeld, die eine Gesundheitsgefährdung und eine Bedrohung darstellen, im Rahmen der Gesetze offenkundig machtlos ist, hat uns schon nachdenklich gestimmt.

Wie sind sie mit der Situation im Alltag umgegangen. Hat der Abfall, jetzt im Sommer, nicht sehr gestunken?

Ingrid Peters: Natürlich. Es war zunehmend unmöglich, auf der Terrasse zu sitzen, oder das Haus zu lüften. Auch unser Schlafzimmer geht ja zum Garten raus. Wir haben vor unserer Terrassentür ein Netzgitter angebracht, damit die Ratten nicht in unser Haus laufen, wenn wir mal aufmachen.

Aber irgendwann hat die Stadt doch reagiert...

Ingrid Peters: Erst mal noch nicht, eine Dienstaufsichtsbeschwerde über das Ordnungsamt, die wir an den Oberbürgermeister geschickt haben, blieb unbeantwortet. Erst nachdem wir den hiesigen Ratsherrn Michael Kleyboldt eingeschaltet hatten, tat sich etwas. Er kam sofort zu uns, am nächsten Tag noch einmal mit der Leiterin der Bezirksverwaltung. Sie war, ebenso wie ja schon die Polizisten entsetzt über die Zustände. Da haben wir zum ersten Mal, abgesehen von der Polizei, so etwas wie Bürgernähe verspürt. Die beiden haben sich innerhalb der Verwaltung dafür stark gemacht, dass Vertreter vom Ordnungs- und Gesundheitsamt endlich herkamen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Und dann haben ja auch die Medien berichtet.

Es wurde schließlich eine Verfügung vom Ordnungsamt geschrieben, dass der Müll weggeräumt wird, wenn ihr Nachbar es nicht selbst tut. Dagegen hat er im ersten Anlauf erfolgreich geklagt.

Heinrich Peters: Dass die Verwaltung zuerst ihren Bescheid zu allgemein formuliert hatte, ist eigentlich nur das i-Tüpfelchen auf der ganzen Geschichte.

Sind Sie mittlerweile mit der Verwaltung im direkten Austausch?

Ingrid Peters: Ja es gab Telefongespräche – und es wurde uns darin auch beteuert, das Ordnungsamt habe die Situation seit April hier beobachtet. Ich frage mich nur wie, wahrscheinlich vom Schreibtisch aus, denn es kam ja monatelang niemand her. Was uns auch sehr wundert, ist, dass unserem müllsammelnden Nachbarn offenbar unsere schriftliche Beschwerde samt Antwort des Ordnungsamtes in Kopie zur Kenntnis gegeben wurde. Das haben wir jedenfalls seinen Äußerungen entnommen. Gilt hier kein Datenschutz?

Ist ihr Vertrauen in den Rechtsstaat erschüttert?

Heinrich Peters: Wir haben uns schon mitunter sehr machtlos gefühlt und fragen uns weiterhin, wie wir uns schützen sollen.

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wegzuziehen?

Ingrid Peters: Das kommt nicht in Frage. Wir leben hier in diesem Haus seit 37 Jahren – und fühlen uns in Kinderhaus sehr wohl. Wir wollen uns nicht vertreiben lassen. 

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