Abschuss im Jahr 1944
Auf Spurensuche nach Bomber B17

Münster-West -

Die beiden amerikanischen Historikerinnen Dr. Nicole Eilers und Robyn L. Rodriguez sind zu Gast beim Heimatverein Nienberge. Sie recherchieren im Auftrag der US-Behörden vor dem Hintergrund eines Bomber-Absturzes im Jahr 1944 den möglichen Verblieb von vermissten Soldaten.

Donnerstag, 08.09.2016, 00:00 Uhr aktualisiert: 09.09.2016, 14:36 Uhr
Ortstermin auf dem Feld, auf dem der Bomber abstürzte. Josef Schulze Wermeling schildert seine Eindrücke. Interessiert hörten (v.l.) Dr. Nicole Eilers, Heimatforscher Reinhold Klumpe, Robyn L. Rodriguez und Heimatvereinsvorsitzender Josef Rölver zu. Eine Überraschung hatte Schulze Wermeling noch im Auto (kl. Foto): zwei Wrackteile des Bombers.
Ortstermin auf dem Feld, auf dem der Bomber abstürzte. Josef Schulze Wermeling schildert seine Eindrücke. Interessiert hörten (v.l.) Dr. Nicole Eilers, Heimatforscher Reinhold Klumpe, Robyn L. Rodriguez und Heimatvereinsvorsitzender Josef Rölver zu. Eine Überraschung hatte Schulze Wermeling noch im Auto (kl. Foto): zwei Wrackteile des Bombers. Foto: kbö

Die faustdicke Überraschung hat sich Josef Schulze Wermeling bis zum Ende aufgehoben: Zwei Überreste eines am 28. Oktober 1944 abgeschossenen US-Bombers liegen in seinem Auto. Die beiden amerikanischen Historikerinnen Dr. Nicole Eilers und Robyn L. Rodriguez staunen nicht schlecht, zücken ihre Kamera und machen Fotos von den stummen Zeugen jenes Herbstnachmittags. Sie recherchieren im Auftrag der US-Behörden den möglichen Verblieb von vermissten Soldaten.

Am Donnerstag sind sie zu Gast beim Heimatverein Nienberge auf dem Hof von Josef Rölver. Josef Schulze Wermeling ist ehemaliger Vorsitzender des Nienberger Heimatvereins. Er hat den Abschuss des Bombers sowie dessen Absturz miterlebt. „Als damals Zehnjähriger“, wie er sich noch lebhaft erinnert.

Er befand sich auf der Tenne eines Hofs in der Bauerschaft Schonebeck zwischen Nienberge, Roxel und Gievenbeck. Warum die Ereignisse noch so präsent sind? „Das hat wahrscheinlich mit dem damaligen, aufnahmebereiten Alter zu tun und mit dem für Jungen in dem Alter unglaublich spannenden Ereignis.“

Schulze Wermeling geht in seinen Gedanken zurück. Der 28. Oktober 1944 ist ein sonniger Herbsttag. Zwei Warnschüsse aus der Flack verraten gegen 14.10 Uhr: Der nächste Bombenangriff steht bevor. Und da sind sie auch schon. „Eine Armada mit enormer Feuerkraft nähert sich uns von vorn, 72 fliegende Festungen“, wie Schulze Wermeling sagt.

Der ehemalige Heimatvereins-Vorsitzende hat die Geräusche noch im Ohr – auch die der Abwehr-Flack, die einen der Flieger erwischt: „Plötzlich fing ein Bomber vor uns an zu qualmen.“ Er sieht einen Mann mit einem Fallschirm aus dem Flugzeug springen, doch der Schirm öffnet sich nicht.

Dann der Absturz. Die Maschine kracht zu Boden, sie überschlägt sich: „Sie machte quasi einen Salto nach vorn.“ Zahlreiche Teile des Flugzeugs lösen sich und sind – wie sich später herausstellt – über einen Radius von rund einem Kilometer verteilt. Der damals Zehnjährige sucht Schutz unter einem Kuhtrog aus Beton. Dann ist alles vorbei. Schulze Wermeling verlässt sein Versteck: „Ich sah den Qualm, unten glühend-rotes, flackerndes Feuer. Die Bordmunition explodierte.“ Er erinnert sich an die zahlreichen Radfahrer, die nach dem Abschuss aus Richtung Nienberge kommend die Absturzstelle erreichen und sichern. Drei Tage lang brennt das Wrack, immer wieder ereignen sich Explosionen – hervorgerufen durch Munition im Feuer.

Die beiden Amerikanerinnen saugen jede Kleinigkeit, jedes Detail auf wie ein Schwamm. „Wo lag welcher Motor, wo die anderen Teile?“, will es Nicole Eilers genau wissen.

Alle Informationen sind Puzzleteile, zusammengesetzt ergeben sie ein Bild von dem Absturz und dem Schicksal der Flugzeugbesatzung. Und das ist es, um das es den amerikanischen Behörden geht. Sie wollen Klarheit über das, was auch im Einzelfall passierte.

„Unser Job ist es, so viel wie möglich über die amerikanischen Vermissten aus dem Zweiten Weltkrieg zu erfahren“, klärt Eilers auf. Weltweit gebe es noch 73 000 US-Soldaten, deren Schicksal im Zweiten Weltkrieg nicht geklärt ist. Sinn und Zweck sei es hauptsächlich, den Angehörigen der Soldaten die Unsicherheit zu nehmen und sie über deren wahrscheinlichen Verbleib zu informieren.

Im Fall in Nienberge gab es wohl einen Vermissten, der aller Wahrscheinlichkeit nach im Wrack verbrannte. Aufzeichnungen belegen, dass es einen Überlebenden gab, Sieben der neun Besatzungsmitglieder wurden zunächst auf dem Ehrenfriedhof Haus Spital beigesetzt, später an andere Stellen überführt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4291395?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker