„Überraschender Vorstoß“
Musikcampus-Initiative spaltet Rathaus-Bündnis

Münster -

Wohlwollen bei CDU, ein „Ja, aber“ bei der FDP, Fragezeichen bei der SPD, Vorbehalte bei den Grünen und Kritik bei den Linken. So kann man die Reaktionen der Ratsfraktionen beim Thema Musikcampus zusammenfassen.

Freitag, 09.09.2016, 07:00 Uhr aktualisiert: 09.09.2016, 08:34 Uhr
Auf dem Gelände des früheren pharmazeutischen Instituts soll ein Musikcampus entstehen.
Auf dem Gelände des früheren pharmazeutischen Instituts soll ein Musikcampus entstehen. Foto: Oliver Werner

Am Mittwoch hatten die amtierende Uni-Rektorin Prof. Ursula Nelles, ihr Nachfolger Prof. Johannes Wessels sowie Oberbürgermeister Markus Lewe erklärt, dass sie gemeinsam das Konzept eines millionenschweren Neubaus an der Ecke Einsteinstraße/Hittorfstarße favorisieren. In dieses Gebäude sollen die städtische Musikschule sowie die Musikhochschule der Uni einziehen, ferner soll eine Halle für Kongresse und Konzerte entstehen.

„Das ist ein interessantes und spannendes Konzept“, so die Reaktion des CDU-Fraktionschefs Stefan Weber. Für die Stadt sei von Vorteil, dass man „mit der Uni und dem Land ein starker Partner“ bei der Investition mit an Bord habe.

Grüne und SPD reserviert

Die Grünen, die mit der CDU regieren, packen den „überraschenden Vorstoß“ indes nur mit spitzen Fingern an. Der Musikcampus sei nur „einer von mehreren konkurrierenden Vorschlägen“. Bevor sich die Grünen damit näher beschäftigen werden, erwarten sie von der Stadtverwaltung eine „abstimmungsfähige Vorlage“ zu dem geplanten „Kultur- und Bildungsforum“ auf dem Parkplatz Hörsterstraße . Erst danach könne das neue Projekt „geprüft, gewürdigt und bewertet“ werden, so Fraktionschef Otto Reiners.

Stammt die Musikcampus-Initiative „nur“ von der Uni oder ist sie auch mit dem Land abgesprochen? Diese Frage stellt sich der SPD-Fraktionschef Dr. Michael Jung. Ähnlich wie die Grünen sieht auch er die Notwendigkeit, erst die Beratungen über den Parkplatz Hörsterstraße zu Ende zu führen.

Linke: keine Musikhalle „unter anderen Namen und an anderer Stelle“

Sollte die per Bürgerentscheid abgelehnte Musikhalle „unter anderen Namen und an anderer Stelle“ neu aufgelegt werden, werde die Linke mit Kritik und Ablehnung reagieren, so der Kommentar des Fraktionssprechers Rüdiger Sagel. Die Investions- und Betriebskosten, so Sagels Forderung, dürften „keinen zusätzlichen Kostenaufwand für die Stadt Münster hervorrufen“.

Im Gegensatz dazu meint die FDP-Fraktionschefin Carola Möllemann-Appelhoff , dass der Musikcampus „eine einmalige Chance für Münster“ sein könnte. Genau geprüft werden müsse aber die Frage, ob es „finanzpolitisch realistisch einzuordnen“ sei.

Schlossplatz-Initiative

„Es geht voran.“ Mit diesen Worten reagierte der münsterische Unternehmer Ulrich Krüger auf die Musikcampus-Pläne von Stadt und Uni. Krüger spricht für eine Initiative interessierter Münsteraner, die eine Bebauung des Schlossplatzes anstreben – einschließlich eines Kulturzentrums.

Wenn Stadt und Uni zu einer gemeinsamen Investition in die Kultur bereit seien, „kann man das nur begrüßen“. Bei den Standorten bat Krüger um eine „ergebnisoffene Prüfung“. Zu dem von Lewe und Uni ins Auge gefassten Standort an der Hittorfstraße wollte Krüger nichts sagen. Nur so viel: „Ein Leuchtturm vor dem Schloss ist besser als einer hinterm Schloss.“

Der münsterische Architekt und ehemalige CDU-Kreisvorsitzende Hanno Höyng warf Lewe einen „Vertrauensbruch“ vor. Mit Zustimmung des Rates und in Absprache mit städtischen Dezernenten habe er das Projekt eines „Kultur- und Bildungsforums“ auf dem Parkplatz Hörsterstraße vorangetrieben, von dem sich Lewe jetzt offenbar verabschiedet wolle.

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