Do., 29.09.2016

Hochhaus am Hauptbahnhof Deilmann steht nun alleine da

Andreas Deilmann 

Die Vermietung der Wohnungen in dem Neubau am Bahnof ist angelaufen – allerdings herrschen in der Politik Zweifel, ob tatsächlich ein Viertel der Wohnungen – wie vereinbart – günstiger vermietet wird.  Foto: Mathhias Ahlke

Münster - 

Architekt Rainer M. Kresing geht wegen der Vermietungspraktiken beim neuen Hochhaus am Hauptbahnhof auf Distanz zu seinem langjährigen Geschäftspartner Andreas Deilmann.

Von Klaus Baumeister

In einem als persönliche Erklärung deklarierten Schreiben an den Oberbürgermeister von Donnerstagnachmittag, das auch an die Fraktionsvorsitzenden gegangen ist, betont Kresing , dass die Einhaltung geschlossener Verträge für ihn oberste Maxime sei. „Sollte dieses widererwartend in Frage stehen, erfordert es, die aktuellen Gegebenheiten und die eingegangenen Kooperationen neu zu überdenken“, schreibt Kresing. 

Vorwurf

Vor allem Deilmann war vorgeworfen worden, eine zunächst gemachte Zusage nicht einzuhalten. Danach sollen 25 Prozent der Wohnfläche im Hochhaus für 8,50 Euro (kalt) je Quadratmeter angeboten werden. Deilmann versuchte aber, diese Regelung zu umgehen, in dem er 40 Wohnungen zu diesen Konditionen an seine Frau vermieten wollte, die die Wohnungen dann zu höheren Preisen weiter vermieten sollte.

Kresings Stellungnahme

Kresing hingegen schreibt an Lewe: „Solange ich Miteigentümer des Hochhauses Metropolis bin, erkläre ich, dass ich den vertraglichen Verpflichtungen uneingeschränkt nachkomme.“

„Kresings Architekten“ sei seit 1985 ein rein architekturorientiertes, eigenständiges Unternehmen. Die „Deilmann Planungsgesellschaft“ agiere ebenso eigenständig und konzentriere sich auf Projektentwicklung sowie Vermietung, Verpachtung und Hausverwaltung. Die mit dem Hansecarré begonnene, projektbezogene Zusammenarbeit sei in der Vergangenheit erfolgreich gewesen und mit diversen Architekturpreisen ausgezeichnet worden. „Die Interessenlage hat sich aktuell geändert und stellt sich inzwischen als different dar – sie führt zu unterschiedlichen Wahrnehmungen und Schlussfolgerungen“, verdeutlicht Kresing.

Unterdessen wurde bekannt, dass der am Mittwoch im Rat verlesene Brief, mit dem der Streit um die Mietkonditionen im Metropolis-Hochhaus entschärft werden sollte, bislang nur die Unterschrift von Kresing trägt.

Deilmanns Unterschrift fehlt

Lewe bestätigte am späten Nachmittag, dass Deilmanns Unterschrift noch nicht eingegangen sei. Trotz wiederholter Anfragen gab Deilmann zu dem Sachverhalt am Donnerstag keine Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung ab.

Heftiger Widerspruch

Das Vorgehen hat parteiübergreifend heftigsten Widerspruch hervorgerufen. Die Grünen forderten im Rat sogar einen Baustopp. Unabhängig von der ausstehenden, juristischen Überprüfung des Sachverhaltes, so etwa der ÖDP-Ratsherr Franz Pohlmann in einer Pressemitteilung, „haben sich Deilmann und Kresing als Partner der Stadt Münster endgültig disqualifiziert.“

Der heftige Streit zieht jetzt auch Kreise bis zum Beirat für Stadtgestaltung. Eigentlich sollten in der Ratssitzung am Mittwochabend vier neue Mitglieder in den Beirat gewählt werden, darunter Kresing. Der Tagesordnungspunkt wurde kurzfristig von der Tagesordnung genommen.

Kommentar zur Affäre rund um das Metropolis-Hochhaus

"Münsters Immobilienwirtschaft ist in Aufruhr. Und das zu Recht. In Teilen der Bevölkerung ist das Wort „Investor“ inzwischen ein Schimpfwort." Klaus Baumeister kommentiert

 

Fotostrecke: Hochhaus am Bahnhof: Rohbau ist fertig

 




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