Rjasanerin hat sich in Münster verliebt
Elena Krafft hat noch Wünsche offen

Münster -

Elena Krafft stammt aus Münster russischer Partnerstadt Rjasan. Vor zehn Jahren kam sie nach Münster. Jetzt hat sie hier geheiratet.

Mittwoch, 02.11.2016, 21:00 Uhr aktualisiert: 03.11.2016, 11:45 Uhr
Elena Krafft aus Rjasan lebt seit zehn Jahren in Münster. Hier holte sie ihr deutsches Abi nach, studierte, fand Arbeit und lernte ihren Ehemann kennen, dem sie demnächst nach Stuttgart folgen wird. Roman Krafft arbeitet dort als Chemiker.
Elena Krafft aus Rjasan lebt seit zehn Jahren in Münster. Hier holte sie ihr deutsches Abi nach, studierte, fand Arbeit und lernte ihren Ehemann kennen, dem sie demnächst nach Stuttgart folgen wird. Roman Krafft arbeitet dort als Chemiker. Foto: gh

So eine richtige Blutwurst kann Elena Krafft nicht überzeugen. Die 30-Jährige stammt aus Münsters russischer Partnerstadt Rjasan . Wenngleich sie eine leichte mediterrane Küche der deftigen westfälischen vorzieht, hat sie ihr Herz an ihre Zweit-Heimat Münster verloren.

Mit 15 Jahren kam Elena Krafft das erste Mal nach Münster. Damals begrüßte Bürgermeister Günter Schulze Blasum die Gruppe im Rathaus. Als Elena Krafft fünf Jahre später, exakt am 31. Juli 2006, erneut nach Deutschland kam, war Schulze Blasum Vorsitzender des Förderevereins Münster-Rjasan.

„Es gibt schon viele Zufälle in meinem Leben“, sagt Elena Krafft rückblickend. Der beste Zufall wollte es, dass sie bei einem ihrer Uniprofessoren in Münster den Mann fürs Leben getroffen hat. Ihr Schwiegervater, damals ihr Professor, erzählte der heute 30-Jährigen, dass seine Familie Besuch aus Rjasan bekommen würde und lud sie ein. Zufällig war der Sohn des Gastgebers, Roman Krafft , im Haus. Die Liebe schlug ein wie ein Blitz. Kürzlich haben Elena und Roman Krafft geheiratet. Die junge Russin schwärmt von der herzlichen Aufnahme in der Familie. Nur die eigene Familie bekommt sie selten zu sehen, bedauert sie. Immerhin ist Rjasan von Münster drei Flugstunden bis Moskau und dann noch weitere 200 Kilometer mit dem Auto entfernt.

Als Elena Krafft vor zehn Jahren Rjasan verließ, sei dies ein spontaner Entschluss gewesen. Nach ihrer Schulzeit in Rjasan entschied sich Elena Krafft für eine sprachliche Richtung. Sie wollte Deutsch lernen und erinnerte sich an Münster. Also packte sie ihren Koffer, die Eltern in Rjasan, beide sind Ingenieure, ließen sie nur ungern ziehen. „Sie waren besorgt.“

Elena Krafft wohnte zunächst bei einer Gastfamilie in Münster, dann zog sie in eine WG. Und sie wusste: „Für drei Wochen reicht mein Geld, dann muss ich einen Job gefunden haben.“

Elena Krafft bestand ihre Aufnahmeprüfung am Studienkolleg und bekam einen Job im Marktcafé. Mit ihrem Satz „Ich bin sehr belastbar“ muss sie ihren Chef überzeugt haben.

Die junge Russin, die ihr Abitur in Rjasan längst in der Tasche hatte, holte in Münster das deutsche Abi nach und wechselte an die Uni. Sie studierte erfolgreich Betriebswirtschaft, bekam einen Arbeitsplatz. „Es dauerte nur etwas länger als die Regelstudienzeit.“ Elena Krafft musste arbeiten, um sich ihr Leben in Münster leisten zu können. Aber sie blieb.

Das erste halbe Jahr in ihrer neuen Heimat sei ziemlich schwierig gewesen, erzählt sie. „Ich hatte Angst davor, krank zu werden.“ Sie sei zwar versichert gewesen, aber sie habe nicht gewusst, wie das System funktioniert. In den ersten Wochen in Münster habe sie auch trotz ihres Sprachunterrichtes „gefühlt nur die Hälfte verstanden“.

Das änderte sich. Mit der Zeit sprang die Russin als Übersetzerin ein. Beispielsweise für eine münsterische Familie, die sich 18 Jahre lang mit einer Familie in Rjasan Briefe schrieb – ohne sich persönlich kennenzulernen. Dann aber kam der Tag, an dem die Münsteraner nach Rjasan flogen. Elena Krafft war dabei. Sie hat heute noch Gänsehaut.

Anfangs blätterte Elena Krafft auch unermüdlich in ihrem Stadtplan, der total abgenutzt ist. Heute kennt sich die 30-Jährige in ihrer neuen Heimat aus. Der Hafen zählt zu ihren Lieblingsplätzen. Ab und zu packt sie mit ihrem Mann den Rucksack und fährt zum Klettern ins Gebirge, ein Hobby, das die 30-Jährige erst in Münster kennengelernt hat. Ihren Mann hat sie damit infiziert.

Und solange sie noch in Münster ist, sagt Elena Krafft, wünscht sie sich ein Mal eine Fahrt mit dem roten Doppeldeckerbus durch die Stadt. Und einen Zoobesuch.

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