Anschläge auf Flüchtlingsheim
Angeklagte gestehen Brandstiftung

Münster-Hiltrup -

Am Freitagvormittag startete am Landgericht Münster der Prozess gegen zwei junge Männer aus Münster. Sie sollen für die Brandanschläge auf ein Hiltruper Flüchtlingsheim verantwortlich sein. Zum Auftakt zeigten sich die Angeklagten geständig. 

Freitag, 11.11.2016, 10:50 Uhr aktualisiert: 11.11.2016, 20:18 Uhr
Anschläge auf Flüchtlingsheim : Angeklagte gestehen Brandstiftung
Prozessauftakt: Das Foto zeigt einen der beiden Angeklagten (l.) mit seiner Verteidigerin. Foto: Oliver Werner

Das Champions-League-Spiel war gerade vorbei und der Fernseher aus. Eine Flasche Doppelkorn hatten die beiden Angeklagten zu diesem Zeitpunkt bereits geleert. Die zweite Flasche „Friedensreiter“ nahmen sie mit aufs Fahrrad. Sie fuhren zum Sportplatz Hiltrup-Süd und zündeten eine neu gebaute Flüchtlingsunterkunft an.

Prozessauftakt am Freitag in Münster

Am Freitagvormittag startete am Landgericht Münster der Prozess gegen zwei Männer im Alter von 23 und 25 Jahren aus Münster. Sie sollen für beide Brandanschläge auf ein Hiltruper Flüchtlingsheim verantwortlich sein. Zum Auftakt zeigten sich die Angeklagten geständig.

"Das war alles ein Riesenfehler"

„Wie kann ich das erklären? Das war alles ein Riesenfehler“, räumt der 23-jährige Hauptangeklagte mit leiser Stimme ein. Sein mitangeklagter 25-jähriger Bekannter sagt: „Wir wollten verhindern, dass dort Flüchtlinge einziehen. Wir haben uns da nach den Silvestervorfällen in Köln hineingesteigert.“

Brandanschlag auf geplante Flüchtlingsunterkunft

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  • Brandanschlag auf geplante Flüchtlingsunterkunft Foto: Matthias Ahlke
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  • Brandanschlag auf geplante Flüchtlingsunterkunft Foto: Matthias Ahlke
  • Brandanschlag auf geplante Flüchtlingsunterkunft Foto: Matthias Ahlke
  • Brandanschlag auf geplante Flüchtlingsunterkunft Foto: Matthias Ahlke

Mit einem Notfallhammer wurden die Scheiben der Unterkunft eingeschlagen. Der 23-jährige Deutsche hatte zuvor Brennpaste aus einer Großküche mitgehen lassen und zu Hause in seiner Hiltruper WG gebunkert. Er stand kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung zum Koch. Er nahm die Brennpaste zur Hand und schmierte sie auf herumliegende Tapeten. „Die Paste ist wie Gelee, das haben wir auf die Tapetenrolle gekippt.“ Doch das reichte nicht aus.

Sie gingen in das Obergeschoss der leeren Flüchtlingsunterkunft, legten noch ein Feuer in einem Versorgungsschacht. Bevor sie nach Hause gingen, schauten sie sich noch einmal um – zu den Flammen.

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Die beiden jungen Männer aus Münster haben ihre Zukunft ohne Not verbaut und ihre Motive bleiben unverständlich. Ein Kommentar zum Thema

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Schaden übersteigt eine Million Euro

Der Richter hakt nach: „Wäre es für sie okay gewesen, wenn 50 Frauen in diesem Flüchtlingsheim untergebracht werden?“ Der Angeklagte: „Ja.“ Der Richter: „Sie wissen doch gar nicht, ob bei den Männern auch zukünftige Straftäter dabei sind. Sind sie so schlicht?“ Der Angeklagte: „Vielleicht.“ „Haben Sie mit Ihrer Freundin über diese Dinge gesprochen?“ „Nein, weil sie selber marokkanischer Abstammung ist.“

Die Unterkunft wurde wieder hergerichtet, doch der 23-Jährige legte im Juni erneut, diesmal im Alleingang, ein Feuer. Er schüttete im Technikraum einen Liter Bioethanol über eine Isoliermatte und zündete sie an. Durch die zweite Brandstiftung wurde das Gebäude so stark beschädigt, dass es abgerissen werden musste. Der Schaden übersteigt eine Million Euro. Prozessbeobachter gehen davon aus, dass ein Urteilsspruch bereits in der kommenden Sitzung am 18. November verkündet wird.

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