„Storno“-Premiere im Landeshaus
Buchhalter des Postfaktischen

Münster -

Bei der Premiere seines satirischen Jahresrückblicks „Storno“ spielte das kabarettistische Triumvirat im ausverkauften Landeshaus seine unzählige Male gelobten und von treuen Fans geliebten Trümpfe aus: schier wahnwitzige Gag-Dichte, nahtlose Übergänge, schmissige musikalische Parodien, liebevoll gezeichnete Charaktere. Ab jetzt tourt das Trio damit durchs Münsterland.

Dienstag, 29.11.2016, 17:00 Uhr aktualisiert: 29.11.2016, 18:24 Uhr
Alles geht im Internet: Thomas Philipzen (l.) erklärt Jochen Rüther Wikipedia. Später werden beide für Harald Funke eine Frau im Web suchen.
Alles geht im Internet: Thomas Philipzen (l.) erklärt Jochen Rüther Wikipedia. Später werden beide für Harald Funke eine Frau im Web suchen. Foto: wam

Als David Bowie sich Anfang des Jahres mit einem Album voller kryptischer Chiffren vom Leben verabschiedete, wurde deutlich: Dieser Mann tat alles mit größtem Bedacht. Könnte neben „Ziggy Stardust“ also nicht auch „Siggi Gabriel“ ein bloßes Fantasieprodukt des genialen Musikers sein? „Die SPD ...“, flüstert jedenfalls Harald Funke überzeugt wie verschwörerisch, „die gibt’s gar nicht.“ Momente, in denen Jochen Rüther augenrollend nach Luft schnappt, Thomas Philipzen auf einen seiner fabulösen raumgreifenden Einsätze lauert und das Publikum sich vor Lachen regelrecht krümmt.

Bei der Premiere seines satirischen Jahresrückblicks „ Storno “ spielte das kabarettistische Triumvirat im ausverkauften Landeshaus seine unzählige Male gelobten und von treuen Fans geliebten Trümpfe aus: schier wahnwitzige Gag-Dichte, nahtlose Übergänge, schmissige musikalische Parodien, liebevoll gezeichnete Charaktere. Zwischen dem schalkhaften Schnellredner Philipzen und dem gutgläubigen Zweifler Funke beharrte Rüther auf Ernst, Analyse, Bildung und Hochkultur – bis ihm fast die rote Fliege platzte.

Storno - die Abrechnung 2016

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  • Ein strenger Blick ist typisch für den „Depressionsbeauftragten“ im Storno-Team, Jochen Rüther. In diesem Fall scheint Kollege Funke den Ernst der Lage wieder mal nicht begriffen zu haben.

    Foto: Carsten Voß
  • So viel Körpereinsatz zeigt Jochen Rüther selten. Entsprechend ungläubig schaut Harald Funke aus der Wäsche.

    Foto: Carsten Voß
  • Einer redet, die beiden anderen beäugen ihn skeptisch - typische Rollenaufteilung bei „Storno - die Abrechnung“.

    Foto: Carsten Voß
  • Die Gesangsnummern gehören auch im 2016er Programm zu den Höhepunkten - von Andrea Berg bis Herbert Grönemeyer war alles dabei.

    Foto: Carsten Voß
  • Wie die Orgelpfeifen (v.l.): Harald Funke, Thomas Philipzen und Jochen Rüther.

    Foto: Carsten Voß
  • Die Gesangsnummern gehören auch im 2016er Programm zu den Höhepunkten - von Andrea Berg bis Herbert Grönemeyer war alles dabei.

     

    Foto: Carsten Voß
  • Rüther erklärt, Philipzen und Funke staunen. War schon ein arg kompliziertes Jahr, dieses 2016...

    Foto: Carsten Voß
  • Wie am Lagerfeuer: Philipzen und Funke im trauten Duett.

    Foto: Carsten Voß
  • Trio infernale mit Blockflöte: Thomas Philipzen (l.), Jochen Rüther und Harald Funke.

    Foto: Carsten Voß
  • Leg‘ dich nicht mit mir an, Rüther! Thomas Philipzen kann auch streng, wenn‘s sein muss. Aber alles nur im Spaß...

    Foto: Carsten Voß
  • Thomas Philipzen im eingehenden Dialog mit dem Premieren-Publikum. Das Landeshaus war bis auf den letzten Platz ausverkauft.

    Foto: Wolfgang A. Müller
  • Das ist der Algorithmus, bei dem jeder mit muss: Thomas Philipzen und Jochen Rüther im Gespräch über die Digitalisierung und ihre Folgen.

    Foto: Wolfgang A. Müller
  • So sieht das aus, wenn Harald Funke (l.) und Thomas Philipzen (M.) Teile des Jahresrückblicks in Zeitlupe auf die Bühne bringen.

    Foto: Wolfgang A. Müller

In dieser Saison treten „Storno“ einmal mehr als Buchhalter des Postfaktischen an. Ausblendungen oder Umdichtungen der Realität, von Trump und dem Brexit bis zur AfD und abstrusen Verschwörungstheorien (nicht zu vergessen: das „Traumschiff“), boten dankbare Steilvorlagen für bissige Pointen. Ist es wirklich nur Zufall, dass die Deutschen bei der Fußball-EM, deren Höhepunkt Thomas Philipzen in einer grandiosen Zeitlupenpantomime nachstellte, nichts rissen? Und beim Eurovision Song Contest, ESC genannt: letzter, hinter Australien, bei einem europäischen Wettbewerb? „Es geht um die Angst ums Eingemachte“, folgert Philipzen.

Am Ende einer auch mit Cyber-Trends, Jubiläen, Geburtstagen (wie dem 70. von Udo Lindenberg), Nachrufen (auf Prince und Leonard Cohen) gespickten Jahresschau und dem schon traditionell mit Merkel-Perücke ausstaffierten Funke wunderte es jedenfalls nicht, dass man nur leise „Storno“ wispern muss – und ein volles, begeistertes Haus vorfindet. Die Tournee 2016 ist jetzt schon wieder so gut wie ausverkauft. 

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