Kampagne des Frauennotrufs
Ärger um ZDF-Video

Münster -

Beobachtet, begrapscht, bedrängt – und am Ende bleibt nur die beschämende Flucht durch den Dienstboteneingang. Eine verknappte Darstellung der Kampagne „Luisa ist hier!“ des münsterischen Frauennotrufs in einem ZDF-Comic-Video sorgte am Wochenende für jede Menge bissiger Facebook-Kommentare.

Montag, 16.01.2017, 15:05 Uhr
Kampagne des Frauennotrufs: Ärger um ZDF-Video
Wenn Frauen in der Diskothek bedrängt werden, wissen sie oftmals nicht, an wen sie sich wenden sollen. Foto: dpa

In dem Video entsteht der Eindruck, dass der Frauennotruf jungen Frauen dazu rät, eine Party heimlich zu verlassen, wenn sie bedrängt oder belästigt werden. „Und der Typ kann weiterfeiern und andere Frauen sexuell belästigen! Geht’s noch? Wie weit kommt es noch?“, fragt eine empörte Userin in den Kommentaren.

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Daniela Stöveken, Mitarbeiterin des Frauennotrufs Münster stellt jedoch klar: „Das ist definitiv nicht unsere Intention. Es geht uns vielmehr darum, die Frauen zu sensibilisieren, sich nicht alles gefallen zu lassen und im Notfall in einem abgeschirmtem Raum nach einer Lösung des Problems zu suchen.“

„Luisa ist hier!“

Besonders Frauen sehen sich beim Feiern des Öfteren damit konfrontiert, dass Männer ein „Nein“ nicht als solches akzeptieren und aufdringlich werden. Deshalb hat der Frauennotruf im vergangenen Jahres die Kampagne „Luisa ist hier!“ ins Leben gerufen. Mittlerweile nehmen 35 münsterische Kneipen, Cafés und Diskotheken daran teil – und es werden ständig mehr.

Mit der Frage „Ist Luisa da?“ bekommen Frauen, die sich belästigt oder bedroht fühlen beim Thekenpersonal dieser Betriebe Hilfe. Sie können sich in einem geschützten Raum ein Taxi rufen lassen oder das Lokal durch den Hintereingang verlassen, aber auch den Verursacher aus dem Laden werfen lassen.

Niedrigschwelliges Angebot

Der Code sei „ein niedrigschwelliges Angebot, schnelle Hilfe zu bekommen“, sagt Stöveken. Immerhin drei von vier Münsteranerinnen wurden laut einer Umfrage des Frauennotrufs aus dem Jahr 2014 schon einmal belästigt. Die Frage nach „Luisa“ sei eine Reaktion auf die Befragung von 400 jungen Frauen. Ein Zusammenhang mit den Vorfällen in der Kölner Silvesternacht bestehe hingegen nicht. „Belästigungen gab es auch schon lange vor der Flüchtlingskrise“, so Stöveken.

Der „Luisa-Code“ gilt übrigens auch für Männer: „Sie gehören zwar nicht zu unserer ursprünglichen Zielgruppe, aber wenn sie sich in Not-Situationen befinden, haben sie natürlich auch die Möglichkeit, sich helfen zu lassen“, so Stöveken.

Pilotprojekt weckt Interesse

Derzeit steht vor allem die Schulung des Thekenpersonals und die Werbung weiterer Gastronomen für die Aktion auf dem Arbeitsplan von Stöveken und ihren Kolleginnen. Zudem plane man, teilnehmende Lokale nicht nur mit Hinweis-Postern auf der Damentoilette, sondern auch mit entsprechenden Aufklebern für den Eingangsbereich auszustatten. An einer Online-Übersicht der teilnehmenden Betriebe arbeite man ebenfalls.

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Das Konzept, das der Frauennotruf aus dem englischen County Lincolnshire importiert hat, könnte bald auch in anderen deutschen Städten Schule machen. „Wir haben zahlreiche Anfragen aus ganz Deutschland bekommen“, freut sich Stöveken. Zeitungen und Fernsehsender hatten bundesweit das münsterische Pilotprojekt vorgestellt und damit Interesse geweckt.

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