Sa., 28.01.2017

Poertgen-Herder feiert Jubiläum Im Haus der Bücher gibt’s bald Sekt

Ein Foto aus der Anfangszeit der Traditionsbuchhandlung Poertgen-Herder. Acht Mal wurde am Haus an- und umgebaut. Die Vorbereitungen für den Neubau 1989 traf damals Architekt Prof. Harald Deilmann.

Ein Foto aus der Anfangszeit der Traditionsbuchhandlung Poertgen-Herder. Acht Mal wurde am Haus an- und umgebaut. Die Vorbereitungen für den Neubau 1989 traf damals Architekt Prof. Harald Deilmann. Foto: Poertgen-Herder

Münster - 

Am 1. Januar 1892 gründete Heinrich Johann Poertgen in der Salzstraße eine Buchhandlung. Poertgen-Herder hat in 125 Jahre ein Stück Stadtgeschichte geschrieben.

Von Maria Meik

Diese Adresse an der Salzstraße 56 ist nicht nur was für Belesene, Dichter und Denker. Das Haus mit Rolltreppe präsentiert sich auf fünf Etagen als ein Haus der Begegnung für Bücherfans und Kulturinteressierte. Es ist zu einer Oase für die ganze Familie geworden – ein Kapitel aus der Stadtgeschichte, das vor 125 Jahren aufgeschlagen wurde.

Millionen Besucher jeder Generation

Poertgen-Herder dürfte jedem Münsteraner bekannt sein. Generationen von Kindern wurden in dieser Buchhandlung mit Schulbüchern eingedeckt. Millionen Besucher stöberten und schmökerten sich durch, blätterten in Bestsellern, verschlangen Krimis und Romane.

Im Jubiläumsjahr werden am Platz der Bücher andere Seiten aufgezogen – mit einem Gläschen Sekt soll am 18. Februar auf die Erfolgsstory angestoßen werden. Als Dankeschön an die Kunden. Ein attraktives Programm mit Lesungen und Veranstaltungen soll die Vielfalt des Sortiments für kleine und große Literaturfreunde sichtbar machen. Denn 2017 steht ganz im Zeichen des 125. Geburtstags der Buchhandlung im Herzen der Stadt. Lesungen mit münsterischen Persönlichkeiten sind im ersten Halbjahr vorgesehen sowie Aktionen für Kinder, darunter ein Frühlingsbasteln am 18. März. Das Programm gibt es kostenlos bei Poertgen-Herder.

Fotostrecke: 125 Jahre Poertgen-Herder

Lesen wird unter anderem am 20. Februar Professor Hubert Wolf aus seinem Buch „Konklave“, in dem er das Geheimnis der Papstwahl erörtert. Auftakt ist am 8. Februar mit Frank Behrendt, der aus seinem Buch „Liebe dein Leben und nicht deinen Job“ vorträgt.

Geschäftsleiter Paul Deppen ist bereits in Feierlaune. Nicht nur, dass sein „Bücherladen“ 125 Jahre alt wird. Seit 25 Jahren führt er mit rund 70 Mitarbeitern das Geschäft, das mit dem digitalen Zeitgeist geht und mehr als nur Bücher bietet. Geschenkartikel, Musik, Film und Schul- und Bürobedarf zählen zum Sortiment. Zum Jubiläum wurde in der ersten Etage eine Ausstellungstafel mit alten Fotos und Jubiläumslogo in den Blick gerückt.

Ein Mann voll seltener Herzensgüte

Es war einmal . . . Am 1. Januar 1892 gründete Heinrich Johann Poertgen die Buchhandlung. Zuvor hatte er als Sortimenter in der Theissing‘schen Buchhandlung in Münster und bei Herder in Straßburg gearbeitet. Er wurde nur 65 Jahre alt. In seinem Nachruf im Börsenblatt wird er als ein Buchhändler von echtem Schrot und Korn beschrieben – als ein Mann von seltener Herzensgüte.

Sein Sohn Heinrich führte die Buchhandlung mit seiner Mutter weiter und verkaufte sie 1930 an den Verlag Herder in Freiburg. Die beiden zog es nach Argentinien. Doch nach drei Monaten kehrten sie wieder heim.

Geschäft fällt zurück in die Hände der Verlegerfamilie

Ein Sprung ins Jahr 1996: Es war ein Paukenschlag für Münster und die Buchbranche, als Herder an Phönix-Montanus, Teil der Douglas-Aktiengesellschaft, verkaufte. Phönix (später Thalia) sicherte die Zukunft der Arbeitsplätze.

2016 kehrt in gewisser Weise Poertgen-Herder wieder zurück zu den ehemaligen Eigentümern. Denn die Verlegerfamilie Herder kauft mehrheitlich Deutschlands größte Buchhandelskette.

Theologie bleibt ein Schwerpunkt

Auf alten Bildern sind Kreuze an den Wänden der katholisch geprägten Buchhandlung zu sehen. Bis heute bildet die Sparte Theologie einen Schwerpunkt, informiert Deppen. Fachwissen gibt es auch für sämtliche Fakultäten der Uni Münster, berichtet der Geschäftsleiter, dessen Leidenschaft die deutsche Literatur ist.

Die alten Kassenbücher des Hauses zeugen von Gottvertrauen. So wurde über die Zahlenauflistung fein säuberlich „Mit Gott“ geschrieben und am Ende dem Herrn mit einem „Deo gratias“ gedankt.

Ob Günter Grass, Harry Rowohlt, Loki Schmidt oder Josef Pieper – sie alle haben sich in den Gästebüchern von Poertgen-Herder verewigt.



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