Geplantes Flüchtlingsheim auf der Bahlmannwiese
Bürgerinitiative sorgt für Baustopp

Münster -

(Aktualisiert) Der Bau der umstrittenen Flüchtlingsunterkunft auf der Bahlmannwiese in Nähe des Cheruskerrings ist zunächst gestoppt. Am frühen Montagmorgen protestierten Anwohner mit Transparenten vor dem Bauzaun und forderten „keine Bebauung öffentlicher Parkanlagen in Münster“.

Montag, 30.01.2017, 20:05 Uhr aktualisiert: 30.01.2017, 20:28 Uhr
Protest gegen den Bau eines Flüchtlingsheims am Montagmorgen auf der Bahlmannwiese. Eigentlich sollten dort an diesem Tag die Bagger anrücken. Jetzt ist allerdings der Baubeginn erst einmal gestoppt.
Protest gegen den Bau eines Flüchtlingsheims am Montagmorgen auf der Bahlmannwiese. Eigentlich sollten dort an diesem Tag die Bagger anrücken. Jetzt ist allerdings der Baubeginn erst einmal gestoppt. Foto: hpe

Der schon parat stehende Bagger, mit dem die Grasnarbe abgeschoben werden sollte, zog wieder ab. Auch die Arbeiter, die eigentlich als erste Maßnahme die zentral auf der Wiese stehende Birke abholzen sollten, wurden nicht tätig.

Die Bürgerinitiative „Rettet die Parkanlage Bahlmannwiese“ hatte bis zum Freitag einen sofortigen Baustopp beim Verwaltungsgericht erwirken wollen. Dort gab es aber einen ablehnenden Bescheid, deshalb wurde jetzt Revision beim Oberverwaltungsgericht (OVG) eingelegt. „Wir warten auf eine schnelle Entscheidung“, so der Sprecher der Bürgerinitiative, Wolfgang Lammers . „Das Verfahren ist beim OVG eingegangen“, bestätigte Pressesprecherin Dr. Gudrun Dahme. Wann allerdings darüber entschieden werde, sei aber noch unklar.

"Es gibt geeignetere Flächen"

Die Initiative hatte schon  im November 2014 rund 300 Unterschriften gesammelt und will die „Zerstörung der Parkanlage“ quasi im letzten Moment noch verhindern. Vertreter betonen ausdrücklich, nichts gegen Flüchtlinge und Einrichtungen für diesen Personenkreis zu haben. Nur eben nicht an dieser Stelle. Lammers: „Wenige Hundert Meter entfernt gibt es beispielsweise im angrenzenden Nord- und Wienburgpark geeignetere Flächen.“ Andere Anwohner kritisieren, dass die Stadt ein Grundstück im Wert von mehreren Millionen Euro einfach so aus der Hand gibt und damit Steuergelder verschwendet.

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Bezweifelt wird auch, ob überhaupt Bedarf für weitere Flüchtlingseinrichtungen besteht. Lammers: „Wegen der einmal gefassten Beschlüsse will die Stadt gegenüber der Bürgerschaft jetzt nicht ihr Gesicht verlieren und statuiert auf der Bahlmannwiese ein Exempel. Sonst hätte man in Zukunft wohl nie mehr die Möglichkeit, sich gegenüber den Bürgern durchzusetzen. Wenn man jetzt als Stadt nachgibt, entsteht ein Dominoeffekt, der auf jeden Fall vermieden werden soll.“

Grenzmarkierungen manipuliert

An dem Bauzaun sind inzwischen Schilder mit Aufschriften wie „Leere Heime“ und „Politik irrt“ angebracht worden. Auch die Polizei erschien am Montagmorgen, weil Unbekannte in der Nacht auf dem abgesperrten Gelände Vermessungspfähle herausgerissen und versetzt hatten. Anzeige wegen Sachbeschädigung ist erstattet.

Wegen der Beschädigungen hat die Wohn- und Stadtbau, die im Auftrag der Stadt die fünf Reihenhäuser zur langfristigen Unterbringung von rund 50 Flüchtlingen errichtet, den Beginn der Bauarbeiten jetzt auf Mittwoch (1. Februar) terminiert. „Eine weitere Verschiebung wird es aber nicht geben“, so Wohn- und Stadtbau-Geschäftsführerin Sandra Wehrmann. Um weiteren Vandalismus  vermeiden zu können, soll ein Wachdienst die Baustelle in den nächsten Tagen im Auge behalten.

Kommentar

Nur Verlierer

Es ist ein letztes Aufbäumen der Bürgerinitiative, die nichts mehr an den Fakten ändern wird. Die Wohnhäuser für Flüchtlinge auf der Bahlmannwiese entstehen, und ein paar Tage Bauverzögerung sind am Ende eines langen Hickhacks um die Auswahl des Standorts eher eine Marginalie. Am Ende wird es nur Verlierer geben. Die Anwohner und damit das gesamte Viertel verlieren ihre Parkanlage, die über Jahrzehnte als grüne Oase diese Wohngegend ungemein bereichert hat. Stehen erst einmal die Häuser, fristet der dann noch verbleibende Rest an grüner Zone im wahrsten Sinne des Wortes ein Schattendasein. Auch Politik und Stadt sind Verlierer, weil sie trotz aller Bedenken an dem umstrittenen Standort festgehalten haben, obwohl es Alternativen in der Nähe gegeben hätte. Verlierer sind schließlich auch die Flüchtlinge, die dort irgendwann mal einziehen. Denn sie werden angesichts des Bürgerprotestes einen schweren Start haben, obwohl sie überhaupt nichts dafür können, wie und wo die Stadt für sie Unterkünfte zur Verfügung stellt.

Helmut Etzkorn

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