Pro und Contra
Protest gegen AfD-Empfang in Münster

Große Demo gegen den AfD-Neujahrsempfang, die Kaufleute schalten das Licht aus: Erhält die Partei durch diese Aktionen nicht noch mehr Aufmerksamkeit?

Sonntag, 05.02.2017, 12:00 Uhr aktualisiert: 05.02.2017, 12:16 Uhr
Häuser auf dem münsterschen Prinzipalmarkt in der Abendämmerung. Foto: Ahlke
Während des AfD-Empfangs sollen am Prinzipalmarkt die Lichter ausgehen. Foto: Matthias Ahlke

Pro: Zeichen setzen

Von Karin Höller

Natürlich gerät die umstrittene AfD   durch Berichterstattungen über angekündigte Gegendemonstrationen und Aktionen wie die der Kaufleute einmal mehr ins mediale Scheinwerferlicht. Allerdings wäre es unerträglich, zu schweigen und der Veranstaltung nichts entgegenzusetzen. So wie jetzt geplant, geben die Kaufleute am Prinzipalmarkt ein für jedermann sichtbares Statement für ein weltoffenes Münster , in dem rechte Parolen, Intoleranz und Ausgrenzung unerwünscht sind.

Lobenswert ist die Geschlossenheit, mit der die Kaufleute nicht nur in Stadtmarketing-Fragen, sondern nun auch auf politischer Bühne auftreten wollen. Die Idee, für ein weltoffenes Münster riesige Europa-Fahnen wehen zu lassen und abends die Lichter an den Giebelhäusern zu löschen, hat ihren Charme. Jedenfalls nimmt es dem AfD-Empfang den Glanz eines repräsentativen Rahmens.

Contra: Nix machen

Gerhard H. Kock

Das Beste wäre: Nix machen. Ist aber wohl undurchführbar. Weil wir es bei der AfD mit erwachsenen Menschen zu tun haben. Der Wutbürger und seine Partei befleißigen sich selten des ausgewogenen Urteils: Das Gefühl bestimmt, wo es lang geht; der Verstand trabt hinterdrein. Ein Verhalten, das sich auch bei anderen Lebewesen finden lässt. Nehmen wir mal Welpen und Teenager. Deren Emotionen sind noch unkultiviert und respektlos. Viel Feeling, wenig Fakten. Da empfehlen Verhaltenstrainer „ostentatives Ignorieren“. Will heißen: sich so Verhalten, als gäbe es das Kläffen und Pöbeln nicht. Jede Reaktion auf das Provozieren und Hetzen hat den ungewollten Effekt, dass sich die AfD’ler freuen: „Wir werden beachtet!“ Bleibt zu hoffen, dass der schöne Protest „Flagge zeigen für Europa“ die Freunde von Offenheit, Mitgefühl und Anstand dichter zusammenstehen lässt.


Anti-AfD-Demo

Die Planungen für die Kundgebung gegen den Besuch der AfD-Chefin Frauke Petry am 10. Februar in Münster sind weit fortgeschritten. Nach Auskunft von Carsten Peters vom Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ wird es zahlreiche Redebeiträge geben, so vom Bistum Münster, dem Deutschen Gewerkschaftsbund und dem Integrationsrat. Das Kulturprogramm soll in der kommenden Woche vorgestellt werden. Beginn der Kundgebung auf dem Prinzipalmarkt ist um 17.30 Uhr.

Ein Vorab-Treffen vor dem Rathaus findet am heutigen Samstag von 11 bis 11.45 Uhr statt. Hier wird das Bündnis über den aktuellen Stand informieren. Handzettel und Plakate werden mitgebracht. In einem Aufruf der verschiedenen Gruppen gegen den AfD-Neujahrsempfang im Rathausfestsaal heißt es: „Die AfD ist die Partei des Hasses, der gesellschaftlichen Spaltung und der sozialen Ausgrenzung. In Münster leben Menschen aus allen Teilen der Welt friedlich zusammen.“

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