Diskussion mit EU-Politiker
Versinkt Europa im Populismus?

Münster -

„Versinkt Europa im Populismus?“ Hochschulgruppen hatten zur Diskussion mit dem Vize-Präsidenten des EU-Parlaments, Rainer Wieland, eingeladen.

Sonntag, 05.02.2017, 17:02 Uhr aktualisiert: 06.02.2017, 11:43 Uhr
Rainer Wieland, Vize-Präsident des EU-Parlaments, im Gespräch mit Studierenden.  
Rainer Wieland, Vize-Präsident des EU-Parlaments, im Gespräch mit Studierenden.   Foto: Johannes Feindler

Rainer Wieland diskutierte mit Studierenden der Universität Münster über das aufgeladene politische Klima: „Versinkt Europa im Populismus ?“ Unter dieser Fragestellung hatten die beiden Hochschulgruppen Visionen für Europa und Junge Europäische Föderalisten am Freitagabend zu einer Podiumsdiskussion mit dem Vize-Präsidenten des EU-Parlaments eingeladen.

Nach einem kurzen einführenden Vortrag zur aktuellen Situation der EU entwickelte sich zwischen Wieland und den mehr als 100 Teilnehmern eine angeregte Diskussion darüber, wie der richtige Umgang mit Populismus aussehen könnte, warum jener überhaupt so stark verbreitet sei und wo eigentlich das Problem der EU liege.

„Vereinfachen macht die Sache leicht“, sagte Wieland mit Blick auf die aktuell oft zitierten „alternativen Fakten“. In Zeiten zunehmender Politikverdrossenheit, sinkender Wahlbeteiligung und selektiver Mediennutzung stehe die Politik allerdings vor großen Herausforderungen, die sich nicht mehr so einfach lösen ließen. Die Situation sei zu vergleichen mit der deutschen Einheit — niemand wisse gerade, wie mit der Flüchtlingskrise umzugehen sei, aber die Politik habe einen klaren Auftrag, die Probleme adäquat zu benennen und eine Lösung zu suchen. Ohne eigene Regierung und mit Mehrheitsverhältnissen, in denen selbst die stärkste Fraktion nur knapp 30 Prozent der Wähler hinter sich hat, sei die EU jedoch darauf angewiesen, einen Konsens auszuhandeln, so Wieland.

Dennoch werde zuletzt vermehrt übereinander anstatt miteinander geredet, um andere schlecht aussehen zu lassen und selber umso besser dazustehen. Während sich die politische Mitte in anderen Ländern oftmals auf diese Provokationen einlasse, hielten sich die hiesigen politisch seriösen Kräfte noch aus dem Überbietungswettbewerb heraus.

Und so sei es auch die Pflicht eines jeden Bürgers, sich im Alltag in entsprechenden Situationen zu äußern, Stellung zu beziehen und einen sorgsameren Umgang, besonders auch mit der Politik, zu pflegen. „Es ist wichtig, Diskussionen zu führen, sonst werden wir geführt“, sagte Wieland.

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