Polizeipräsident stellt Kriminalitätsstatistik 2016 vor
Immer mehr Einbrüche aufgeklärt

Münster -

(Aktualisiert) Münsters Polizeipräsident Hajo Kuhlisch hat im Mittag die Kriminalitätsstatistik 2016 vorgestellt. Danach ist die Zahl der Wohnungseinbrüche leicht gestiegen, die Aufklärungsquote allerdings auch.

Montag, 06.03.2017, 12:00 Uhr aktualisiert: 06.03.2017, 18:14 Uhr
Die Zahl der Einbrüche und Fahrraddiebstähle ist in Münster im vergangenen Jahr gestiegen – die der Taschendiebstähle dagegen gesunken. Auch Gewaltdelikte haben zugenommen.
Die Zahl der Einbrüche und Fahrraddiebstähle ist in Münster im vergangenen Jahr gestiegen – die der Taschendiebstähle dagegen gesunken. Auch Gewaltdelikte haben zugenommen. Foto: Grafik: Lisa Stetzkamp

Für Polizeipräsident Hajo Kuhlisch ist es inzwischen ein gesellschaftliches Phänomen. Streitereien eskalieren schneller – und zack, gibt es was auf die Nase. „Es geht schneller zur Sache – und damit schneller von der verbalen zur körperlichen Auseinandersetzung“, teilt Kuhlisch die Beobachtungen der Beamten mit.

Die Zahlen dazu: Die Rohheitsdelikte sind in Münster im Jahr 2016 um 382 Straftaten auf 3373 gestiegen. Mit einem Anteil von zwei Dritteln dominiert die Körperverletzung. Der kontinuierliche Rückgang der letzten Jahre setzte sich 2016 nicht fort, die Zahl stieg um 252 Fälle auf 2248 Delikte an. „Früher war Schluss, wenn jemand am Boden lag. Heute wird dann noch getreten“, sagt Kuhlisch. Immerhin: Fast 85 Prozent dieser brutalen Fälle werden aufgeklärt.

Polizeipräsident Hajo Kuhlisch stellte am Montag die Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2016 vor. Darin wird auch deutlich, dass die Polizei in Münster im Vergleich zu den Vorjahren immer mehr Wohnungseinbrüche aufklären kann. Die Quote liegt inzwischen bei über 18 Prozent, sie stieg im dritten Jahr in Folge an. 2015 waren es 16 Prozent. Bei den Tageswohnungseinbrüchen erreichen die Ermittler sogar eine Aufklärungsquote von 23 Prozent. Insgesamt zählt die Polizei im vergangenen Jahr 849 Wohnungseinbrüche. Das sind 31 mehr als 2015 – trotz aller Erfolge der Ermittlungskommission Beis, die in ein eigenes Fachkommissariat zur Bekämpfung der Wohnungseinbrüche eingeflossen ist. Und: Fast die Hälfte aller geplanten Einbrüche bleibt im Versuchsstadium hängen.

Weniger Taschendiebstähle

Erfreulich: Bei den Taschendiebstählen verzeichnet die Polizei einen Rückgang von über 20 Prozent. Das sind 391 Fälle weniger als im Vorjahr und insgesamt 1534 Fälle. Die Aufklärungsquote liegt mit über elf Prozent ähnlich hoch. Taschendiebstähle im engeren Sinn gab es 1174.  Eine bei den Tätern beliebte Masche bleibt das Antanzen.

Im Jahr 2015 war die Zahl der Wohnungseinbrüche und Taschendiebstähle in Münster erstmals nach Jahren wieder gesunken, die gewollte Schwerpunktsetzung der Polizei hat sich also offensichtlich bewährt.

Mehr Fahrraddiebstähle

Oje, die Fahrraddiebstähle. Sie sind in Münster eine  Art Volkssport. Die Fallzahlen sind, nachdem sie bis zum Jahr 2014 kontinuierlich zurückgegangen waren, erneut gestiegen. 144 Taten mehr und damit insgesamt 5337 Leezen-Diebstähle verzeichnete die Polizei 2016. „Jeder dritte Diebstahl und jede sechste Straftat betrifft in Münster das Fahrrad“, sagt Polizeipräsident Hajo Kuhlisch. Die Aufklärungsquote liegt bei sieben Prozent. Das Spektrum reicht vom Versicherungsbetrug über die simple Entwendung bis zum organisierten Raddiebstahl. Und die Polizei muss ihre Schwerpunkte in diesen unruhigen Zeiten woanders setzen. „Wir müssten, um die Zahlen zu verbessern, viel Kraft in die Registrierung und Kontrolle von Rädern investieren“, sagt Kuhlisch, was angesichts des Personalmangels unmöglich ist. So rät Kuhlisch zu besseren Schlössern. „Viele gehen mit ihren Räder um, wie mit Gelben Säcken. Nur hoffen sie dabei, dass die Räder am nächsten Morgen noch da sind.“

Weniger Straftaten in NRW - aber Anstieg der Gewaltkriminalität

Die Kriminalität ist in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr gesunken. Nach Angaben von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) wurden 1,47 Millionen Straftaten registriert, das sei ein Rückgang um 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, sagte Jäger am Montag in Düsseldorf. Die Aufklärungsquote sei auf 50,7 Prozent gestiegen.

Die Zahl der Wohnungseinbrüche und Taschendiebstähle sei auch gesunken. Die Jugendkriminalität sei auf einen historischen Tiefstand zurückgegangen. Zugenommen hätten allerdings nach jahrelangem Rückgang die Tötungsdelikte. Die Sexualstraftaten seien sogar deutlich um 24,9 Prozent gestiegen.

...

Tatverdächtigen aus dem Ausland

Noch ein Wort zu den Tatverdächtigen aus dem Ausland. Ja, ihre Zahl steigt kontinuierlich an. Im vergangenen Jahr um 55 auf nunmehr 3605 Personen. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen kletterte auf 37,6 Prozent. Aber: Der Anteil der Flüchtlinge ist relativ unauffällig. „Kriminalität hängt nicht vom Pass, sondern von den Lebensumständen ab“, betont Kuhlisch.

Insgesamt ist die Zahl an Straftaten in Münster weiterhin leicht rückläufig, 29 738 wurden gezählt. Das ist ein Rückgang von 95 Fällen gegenüber dem Vorjahr. Mehr als jedes zweite Delikt ist ein Diebstahl. Die Aufklärungsquote stieg von 43,1 auf 43,7 Prozent. Mit über 11000 Delikten passierte etwas mehr als ein Drittel aller Straftaten auf Straßen und Plätzen.

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