Kasper König zu Evgeny Mittas Film über „Pussy Riot“
Kunst und die Obrigkeit

Münster -

Auf die Frage, ob es auch auf der ab 10. Juni beginnenden „Skulptur 17“ provokative Kunst geben werde, antwortete Kasper König verschmitzt: „Ich hoffe doch!“

Mittwoch, 22.03.2017, 19:27 Uhr aktualisiert: 22.03.2017, 19:30 Uhr
Kasper König mit dem russischen Filmemacher Evgeny Mitta und (warum auch immer) einer Pudelmütze des US-amerikanischen Basketball-Teams „Miami Heat“, deren Logo ist ein Ball in Flammen, der durch den Korb fliegt.
Kasper König mit dem russischen Filmemacher Evgeny Mitta und (warum auch immer) einer Pudelmütze des US-amerikanischen Basketball-Teams „Miami Heat“, deren Logo ist ein Ball in Flammen, der durch den Korb fliegt. Foto: Reinhold Kringel

Auf die Frage, ob es auch auf der ab 10. Juni beginnenden „Skulptur 17“ provokative Kunst geben werde, antwortete Kasper König verschmitzt: „Ich hoffe doch!“ Das Eisen werde gerade geschmiedet, Kuratorin Dr. Marianne Wagner befindet sich in Paris, um Objekte für Münster auszuwählen. Der Mitgründer der Skulptur-Projekte war in den überfüllten Westfälischen Kunstverein gekommen, um mit dem russischen Filmemacher Evgeny Mitta über das Thema „Kunst und Widerstand“ zu diskutieren.

Mitta weilt in Münster, um im Rahmen der „Russischen Filmtage“ im Schlosstheater seinen Dokumentarfilm „Aktion & Strafe“ vorzustellen. Er hatte den Film ohne jede Filmförderung mit eigenen Mitteln und unbezahlten Mitarbeitern produziert.

Der Film zeigt die Auftritte der Aktionskünstler „Pussy Riot“, die als bunt gekleidete Frauengruppe mit farbigen Sturmhauben Punk-Konzerte an ungewöhnlichen Orten veranstalteten. Sie performten auf den Dächern von Bussen sowie Gebäuden und sangen ihre Lieder zu Rockmusik. Ihren provokativsten Song „Mutter Gottes, jage Putin davon“ inszenierten sie in der Moskauer Christus Erlöserkirche. Schon nach 41 Sekunden wurden sie verhaftet und trotz massiver Proteste im In- und Ausland zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

Kasper König erzählte von seinen eigenen Erfahrungen mit der russischen Obrigkeit, die er in dem Dreivierteljahr machen konnte, als er in der weltberühmten „Ere­mitage“ in St. Petersburg Kurator der Ausstellung „Manifesta 10“ war. „Man kann alles machen, solange es im kleinen Rahmen geschieht“, sagte der Kunstexperte, „aber wenn die Sache größere Kreise zieht, dann sieht es anders aus. St. Petersburg ist eine wunderschöne Stadt mit viel Wasser, aber sie ist auch tieftraurig und irgendwann ist man froh, wenn man wieder wegkommt.“

„Pussy Riot“ hätten auch eine Verhaftung einkalkuliert und seien bereit gewesen, für ihre Kunstaktion ins Gefängnis zu gehen, sagte der Kurator, denn die Reaktion des Staates sei ein Teil der Aktion gewesen. „Sie haben den Straf-Prozess verloren, aber dadurch haben sie eigentlich gewonnen“, sagte Kasper König: „Durch das harte Urteil wurde ‚Pussy Riot’ international bekannt.“ Weltbekannte Künstler wie Madonna und Paul McCarthy erklärten sich mit ihnen solidarisch.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4720333?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker