Neue Ideen für Fahrradgaragen
Leezen stilvoll einparken

Münster -

Jan Meerheim schielt nach Dänemark und würde sich wünschen, dass ihre Fahrradgaragen auch dort gefragt sind. Trotzdem verbucht das münsterische Unternehmen ein Umsatz- und Absatzwachstum. Cervotec bezeichnet sich als Marktführer für Fahrradgaragen.

Mittwoch, 19.04.2017, 12:00 Uhr aktualisiert: 19.04.2017, 13:49 Uhr
Jan Meerheim (l.) und Ivo-van Lessen sind auf eine steigende Nachfrage im Frühjahr vorbereitet. Das Geschäft mit Fahrradgaragen aus einem durchsichtigen Spezialkunststoff und Edelstahl floriert.
Jan Meerheim (l.) und Ivo-van Lessen sind auf eine steigende Nachfrage im Frühjahr vorbereitet. Das Geschäft mit Fahrradgaragen aus einem durchsichtigen Spezialkunststoff und Edelstahl floriert. Foto: gh

„Dänemark wäre als Absatzmarkt wünschenswert“, sagt Jan Meerheim. In dem skandinavischen Land fahren die Menschen wie hierzulande in Münster viel Fahrrad. Meerheim würde sich darum freuen, wenn seine filigranen Fahrradgaragen und Unterstände irgendwann auch dort stehen würden. Jan Meerheim hat jetzt gemeinsam mit Michael Ivo-van Lessen die Regie des münsterischen Unternehmens Cervotec im Gewerbegebiet Haus Uhlenkotten übernommen.

Der Betrieb ist mit seiner Produktpalette bundesweit ein Exot. Die Geschäftsführer bezeichnen ihre Manufaktur auch als Marktführer für Fahrradgaragen.

Der Bedarf nach praktischen Fahrradunterständen, die auch noch schick aussehen, brachte seinerzeit Michael Ivo-van Lessen und Helmar Meerheim, Vater des heutigen Geschäftsführers, auf die Idee, eine Firma zu gründen.

Münsters Fahrrad-ABC: Von A wie Ampel bis Z wie Zeit

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  • Alle Jahre wieder, zum Start des Wintersemesters, ist die Zeit der Frischlinge auf den Radwegen. Mit den neuen Studentinnen und Studenten erobern Tausende Neumünsteraner für sich die deutsche Fahrradhauptstadt. Für viele eine mitunter abenteuerliche Begleiterfahrung des Studienstarts. Hier für die Anfänger auf den Radwegen und alle Leezenliebhaber ein kleines Alphabet des Radverkehrs in Münster von unserer Redakteurin Karin Völker.

    Foto: dpa
  • A wie Ampel: Unbedingt beachten! Ampeln haben in Münster für Fahrradfahrer nicht bloß Empfehlungscharakter. Bei Rot also besser stehenbleiben. Erstens, weil alles andere gefährlich sein kann. Zweitens, weil als Strafe ein Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei und 100 Euro Strafe drohen. Sehr empfindlich fürs studentische Portemonnaie.

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  • B wie Bürgersteig: Er ist in Münster den Fußgängern vorbehalten. Es gibt ja auch meistens Radwege.

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  • C wie cholerische Anfälle: Sie sind trotz des hier verbreiteten gemäßigten westfälischen Temperaments bei diversen Verkehrsteilnehmern bisweilen zu beobachten. Gilt das Geschimpfe einem selbst, am besten die Ruhe bewahren.

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  • D wie Diskussionen: Sollte man als Fahrradfahrer besser mit anderen Verkehrsteilnehmern nicht anfangen, erst recht nicht mit Polizisten. Diskussionen über die Sinnhaftigkeit von Verkehrsregeln sind zwecklos.

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  • E wie E-Bike: Das Fahrrad mit Batterieverstärkung ist auf Münsters Radwegen schwer im Kommen. Vorsicht vor dem beachtlichen Tempo – wenn sportliche junge Menschen von älteren Herrschaften überholt werden, ist oft ein Akku im Spiel.

    Foto: Oliver Werner
  • F wie Fußgänger: Sie verdienen Rücksicht und Freundlichkeit – auch wenn es mitunter erscheint, die Fußgänger liefen prinzipiell auf Radwegen.

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  • G wie Geschwindigkeit: Tempo 30 in Wohngebieten gilt auch für Radler!

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  • H wie Hamburger Tunnel: Er ist während des Bahnhofsumbaus zentrale Verkehrsachse von und zum Gleis und Ort der friedlichen Koexistenz zwischen Fußgängern und Fahrradfahrern.  Skeptiker staunen: Es funktioniert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • I wie Irren: Es ist menschlich und kommt bei allen Verkehrsteilnehmern vor. Auch wenn das Fahrrad bewegungsfördernder und umweltfreundlicher ist als das Auto: Auch Autofahrer haben im Verkehr manchmal Recht.

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  • J wie Jugend: Das Radfahren in Münster ist keineswegs nur ihr Privileg. In Münster strampeln  auch viele über 80-Jährige noch durch die Stadt. Fahrradfahren ist hier eine generationsübergreifende Angelegenheit – mit vielen Geschwindigkeiten.

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  • K wie Klauen: Der Fahrradklau ist in Münster ein verbreitetes Übel, das die Stadt in der Kriminalitätsstatistik regelmäßig schlecht aussehen lässt. Ein wenig helfen solide Schlösser.

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  • L wie Ludgerikreisel: Für viele Radler ein neuralgischer Punkt. Die Polizei empfiehlt: beherzt auf der Mitte der Spur fahren. Autos kommen meistens auch nicht schneller vorwärts als Radler.

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  • M wie Meimel: Ein münsterischer Ausdruck für Regen – und zwar dessen langanhaltende Form, und damit einer der natürlichen Feinde des Fahrradfahrers. Trotz häufiger Meimelgefahr lässt man sich in Münster nicht so leicht aus dem Sattel vertreiben. Viele auch nicht durch Schnee und Frost: Es gibt hier extra Streufahrzeuge für die Radwege.

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  • N wie Nase: Sie hat der Radfahrer immer im Wind. Nicht ausgeschlossen, dass im Winter dabei mal eine Erkältung rauskommt. Aber was gibt es Schöneres, als im Frühling unter den blühenden Silberlinden auf der Promenade herzuradeln? 

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  • O wie Ordnungshüter: Die Kräfte von Stadt und Polizei schenken dem Radverkehr sehr viel Aufmerksamkeit, besonders zu Semesterbeginn. 

    Foto: Klaus Wiedau
  • P wie Parken: In Münster bisweilen auch für Fahrradfahrer nicht unproblematisch. Merke: Bürgersteige  gehören nicht zugestellt und immer merken, wo das Rad steht. Es soll Studenten geben, die ihre Leezen semesterlang gesucht haben.

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  • Q wie Quälerei: Kommt sogar im Fahrradparadies Münster vor – vor allem immer dann, wenn man Pannen hat.  Zum Glück gibt es an fast jeder Ecke einen Fahrradladen, der helfen kann.

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  • R wie Rücklicht: Sollte unbedingt ebenso wie das Vorderlicht funktionieren. Wenn man nicht selbst kontrolliert, ob es brennt – die Polizei tut es ohnehin und verteilt gegebenenfalls Knöllchen.

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  • S wie Stau: Gibt es in Münster, speziell während der Semesterzeiten auch auf Radwegen. Hier hilft nur Geduld.

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  • T wie Trunkenheit: Auch wer sich noch mit 1,6 Promille Alkohol im Blut für fahrtüchtig hält: Lieber das Rad schieben! Denn auch Fahrradfahrer erwarten Alkoholkontrollen durch die hiesige Polizei. Kein Scherz: Im Extremfall werden Fahrradfahrverbote verhängt.

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  • U wie Unfälle: Sie passieren leider – trotz vieler Maßnahmen der Verkehrsplaner und Polizei immer noch zu häufig. Ein Helm kann manchmal das Schlimmste verhindern. 

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  • V wie Vorsicht: Auch defensive Radfahrer kommen ans Ziel, mitunter sogar schneller als die Draufgänger.

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  • W wie Waschanlage: Luxus, wenn man seinem Drahtesel mal was Gutes will. Gibt es tatsächlich speziell für Fahrräder – im Fahrradparkhaus am Bahnhof.

    Foto: Presseamt/Joachim Busch
  • X&Y sind die Unbekannten und stehen für das Unerwartete beim Radfahren – zum Glück ist das nicht nur der plötzliche Plattfuß. Es gibt auch den Flirt beim Warten an der roten Fahrradampel. . .

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  • Z wie Zeit: Wer in Münster Rad fährt, spart meistens kostbare Minuten. Faustregel: Je näher man sich im Stadtkern bewegt, desto größer die Zeitersparnis. Autofahrer kommen fast immer langsamer ans Ziel.

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Der Zwei-Mann-Betrieb ist gewachsen. Heute beschäftigt das Unternehmen zehn Mitarbeiter. „Alle Verträge sind unbefristet, alle Mitarbeiter sind fest angestellt.“ Darauf ist Jan Meerheim stolz. Die Manufaktur hat sich aber seit ihrer Gründung damals an der Siemensstraße auch größenmäßig verdoppelt. Gut und gerne könnte Cervotec noch schneller wachsen, sagen beide Chefs, doch sie wollen nichts überstürzen. „Die Logistik setzt uns zurzeit Grenzen“, sagt der Betriebswirt Jan Meerheim. Er begründet die vorsichtige Entwicklung in kleinen Schritten: „Das Team fühlt sich bis zur letzten Schraube für seine Produkte verantwortlich.“

Das Geschäft läuft dennoch gut – auch über die Grenzen der Fahrradstadt Münster hinaus. Im Zeitalter von E-Bikes und hochwertigen Fahrrädern spielten Fahrradgaragen zunehmend eine Rolle. Die Cervotec-Fahrradgaragen stehen heute schon unter anderem in Kanada, in England, in Norwegen und auf Mallorca. Ob zwei, drei und noch mehr Räder untergestellt werden müssen, die Nienberger verpassen den Leezen ein Dach über den Sattel.

„Sobald das Wetter schöner wird, steigt die Nachfrage“, stellt Meerheim fest, dann floriere die Fahrradbranche und speziell gingen gerade sonntags die Anfragen bei ihnen ein. Die Geschäftsführer von Cervotec verbuchen nach eigenen Angaben ein „konstant gutes Umsatz- und Absatzwachstum“.

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Doch Volkswirt Michael Ivo-van Lessen, der technische Leiter im Haus, kann es nicht lassen, er feilt ständig an neuen Prototypen – für gewerbliche und für private Kunden. Letztere machen nach eigenen Angaben etwa 60 Prozent des Umsatzes aus. Momentan ist der 64-Jährige mit der Entwicklung einer Müllbox aus Edelstahl beschäftigt, bei der sich per Knopfdruck der Deckel öffnet. Cervotec selbst fertigt alle Produkte im Betrieb im Gewerbegebiet Haus Uhlenkotten. Handarbeit ist angesagt.

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