Zwist um alten Walnussbaum
Jahrzehntealter Baum soll im Herbst endgültig gefällt werden

Münster -

Der Streit um das Fällen eines über 50 Jahre alten Walnussbaums in einer Gremmendorfer Kleingartenanlage erhitzt weiterhin die Gemüter. Nach der verschobenen Fällaktion vom März soll der Baum nun im Herbst weichen.

Donnerstag, 20.04.2017, 07:00 Uhr
Jetzt soll er erst im Herbst gefällt werden – der große alte Walnussbaum in der Kleingartenanlage „Sonnenaufgang“ am Heumannsweg.
Jetzt soll er erst im Herbst gefällt werden – der große alte Walnussbaum in der Kleingartenanlage „Sonnenaufgang“ am Heumannsweg. Foto: Matthias Ahlke

Das im März geplante Fällen des über 50 Jahre alten Walnussbaums in der Gremmendorfer Kleingartenanlage Sonnenaufgang wurde zwar verschoben (wir berichteten), der Streit ist damit aber nicht zu Ende.

Sehr beunruhigt hat Gartenbesitzerin Ghada Hodroj, dass der Vereinsvorsitzende vor einigen Tagen gemeinsam mit einem Begleiter den Baum während ihrer Abwesenheit in ihrem Garten inspiziert und vermessen habe. „Ein Nachbar hat mir erzählt, dass die Männer von einem angrenzenden Garten aus über den Zaun gestiegen seien, da mein Gartentor verschlossen war.“

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Sie ärgert sich zudem darüber, dass sie nicht offen angesprochen und über die Planungen des Gartenvorstands informiert wurde – „weder schriftlich noch telefonisch“, wie sie sagt. „Warum diese Heimlichtuerei?“

Die Gartensatzung lasse indes zu, dass Vertreter des Vorstands Gärten in wichtigen Angelegenheiten betreten dürfen, wenn die Pächter nicht vor Ort sind, erklärt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Peter Schmidt auf Anfrage unserer Zeitung. Und er betont, dass es sich der Vereinsvorstand keinesfalls leicht bei der Regelung von Meinungsverschiedenheiten mache, sondern versuche, den Kleingärtnern entgegenzukommen. In Absprache mit der Zentrale der Bahn-Landwirtschaft in Essen, die die Kleingartenanlage verpachtet, „sollte vor Ort kontrolliert werden, ob es möglicherweise reicht, einige Äste zu entfernen“, sagt Schmidt – obwohl die Satzung keine Walnussbäume in Kleingartenanlagen zulasse. Allerdings sei man zu dem Schluss gekommen, „dass das Problem damit nicht gelöst wird. Das breite Wurzelwerk bleibt erhalten, der Baum schlägt wieder aus“. Auch wegen der starken Schattenbildung sei der Gemüseanbau in einem beträchtlichen Bereich der Nachbargärten kaum möglich. Deshalb habe der Gartenvorstand entschieden, dass der alte Baum im Herbst „nach der Walnussernte gefällt werden soll“.

Nicht ganz nachvollziehen kann der Vorsitzende des Stadt- und Bezirksverbands Münster der Kleingärtner, Horst Stronk, den Zwist um die geplante Beseitigung des Baums. „Einen solchen Fall hat es in unserem Verband, der 64 Kleingartenvereine vertritt, noch nicht gegeben.“

Er vermisse bei der Vorgehensweise das nötige Fingerspitzengefühl. Der über 50 Jahre alte und rund 20 Meter hohe Baum in der seit 1935 genutzten Anlage sei ja offensichtlich seit Jahrzehnten dort geduldet worden. Laubbäume (mit Ausnahme von Obstbäumen) und Nadelgehölze seien in der Tat laut Bundeskleingartengesetz nicht in den Gärten erlaubt, wohl aber auf öffentlich genutzten Flächen in Kleingartenanlagen. Womöglich habe es irgendwann neue Flächeneinteilungen gegeben.

Stronk mahnt jedenfalls, durch Kompromiss-Lösungen alte hochstämmige Bäume auch in Kleingärten zu erhalten, wenn sie gesund sind. Stronk: „Wenn ein Baum gut geschnitten ist, kann man eine Mütze hindurchwerfen und hat kein Problem mit extremer Schattenbildung.“ Mit dem Laub könne man zum Winter die Beete abdecken, biete Igel und Co. Unterschlupf und könne danach den Komposter füttern. „Der Kreislauf der Natur muss sich immer wieder schließen“, so Stronk. „Und dabei mitzuhelfen, dafür sind wir da.“

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