Tanja Schweifer führt für den Kleingartenverein Martini das Tagebuch von Jeremy Deller
Taschentuchbaum wird zehn Jahre alt

Münster -

Der Stolz steht gleich am Eingang. Die Kleingärtner von Martini haben es geschafft, aus dem Taschentuchbaum-Samen von 2007 einen Baum erwachsen zu lassen. Jeremy Deller hatte die Samen ausgegeben, damit zu den Skulptur-Projekten 2017 viele Taschentücher in Münster an Bäumen flattern. Doch diese Pflanze ist sensibel; viele Kleingärtner mussten im Botanischen Garten nachordern. In Martini hat es geklappt. Und Tanja Schweifer hat das Wachstum in ihrem Tagebuch mitverfolgt.

Freitag, 21.04.2017, 23:48 Uhr aktualisiert: 25.04.2017, 17:30 Uhr
Tanja Schweifer hat auch die traditionellen Festivitäten des Kleingartenvereins fotografisch festgehalten.
Tanja Schweifer hat auch die traditionellen Festivitäten des Kleingartenvereins fotografisch festgehalten. Foto: Gerhard H. Kock

Jeder Frieden ist bedroht. Auch der des Kleingartens Martini: „Nur noch für die oberen Zehntausend“, lautet eine Schlagzeile. Die Landesentwicklungsgesellschaft will zwei Drittel der Anlage an die Deutsche Gartenland GmbH verkaufen – deren Chef findet: „Ein interessantes Investment“. Die 43 Pächter sind entsetzt: „Angriff auf das Kleingartenwesen“. Und machen mobil. Eine Petition geht an den Rat. „Die Stadt greift ein und kauft das Land auf – alles wendet sich zum Guten“, heißt es im Tagebuch von Tanja Schweifer.

Skulptur-Projekt „Jeremy Deller“: Tanja Schweifer

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Alle Gärten werden 2007 mit dem Fischauge fotografiert und in einem Gartenjahr ausschließlich gelbe Blütenpflanzen. Es sind erstaunlich viele verschiedene – von der Zaubernuss bis zur Goldrute. Spektakuläre Natur wird festgehalten, wie die Raupe des Ligusterschwärmers bei „Maria und Heinrich“. Ein dickes Ding. Und an die giftige Dornfinger-Spinne erinnert, die Münster erreicht hat. Es wird ein Loblied auf den Pferdemist gesungen – ein traditionsreicher Gartendünger.

Wie in fast jedem Buch gibt es mindestens eine Ernte-Kuriosität aus dem Gemüsegarten: Bei Martini ist es „das Kartoffelschwein“, das allerdings schon eher wie ein Nilpferd aussieht. Und kleine Abenteuer: Im Garten von „Gartenfreund Uwe“ hat sich ein Entenpaar den kleinen Teich ausgesucht. Die Goldfische dort sind durch ein Netz geschützt. Und als der Vogel-Nachwuchs schlüpft, die Küken auch.

Die Gemeinschaft legt einen Lehrpfad Kleinbiotope an. 2009 wird eine Spendenparty für den kleinen Phil organisiert, damit der eine Delfintherapie machen kann. Selbst eine Biker-Truppe fährt vor, um ihre Spende zu überreichen.

Die Sonnenkinder der Kindertagesstätte haben auch einen Kleingarten in Martini und nehmen am Gemeinschaftsleben teil, wie 2011 ihre Weihnachtsmützen-Parade zeigt. Kleingarten ist das ganze Leben im Kleinen; da steht neben den forschenden und feiernden Kindergarten-Kindern die Todesanzeige einer Gartenfreundin. Und der 28. Juli 2014 mit seinen 300 Litern Regen pro Quadratmeter trifft Martini besonders: Eindrucksvolle Fotos dokumentieren die Dramatik und die Schäden. Noch heute erinnert am Eingang ein Schild an dieses Unwetter.

Zum Thema

Jeremy Deller hat 2007 Münsters Kleingärtner gebeten, für sein Skulptur-Projekt zehn Jahre lang Tagebuch zu führen. Die Westfälischen Nachrichten haben einen Blick in die opulenten Werke geworfen.  | Wird fortgesetzt

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