Interview mit Initiatoren von „Pulse of Europe“ in Münster
Mehr Europa, bitte!

Münster -

Christian Lüer und Malte Steuber, Initiatoren der Bewegung „Pulse of Europe“ in Münster erklären, warum sie jede Woche eine Kundgebung organisieren. Bisher mit wachsendem Erfolg.

Samstag, 22.04.2017, 15:00 Uhr
Malte Steuber (l.) und Christian Lüer wollen die europäischen Werte stärker in den Köpfen und Herzen der Menschen verankern. Jeden Sonntag organisieren sie die Kundgebungen von „Pulse of Europe“ in Münster..
Malte Steuber (l.) und Christian Lüer wollen die europäischen Werte stärker in den Köpfen und Herzen der Menschen verankern. Jeden Sonntag organisieren sie die Kundgebungen von „Pulse of Europe“ in Münster.. Foto: kv

Seit 12. März versammeln sich jeden Sonntag in der Innenstadt Münsters Europafreunde, nur am Ostersonntag gab es eine Pause. „Pulse of Europe“ heißt die Bewegung, die mittlerweile in über 100 Städten europaweit Menschen auf die Straßen bringt, um für die europäische Idee des Zusammenhalts, für Demokratie, Toleranz und Rechtstaatlichkeit zu demonstrieren. Der Geograf Christian Lüer (32) und der Jurastudent Malte Steuber (27) sind zwei der Initiatoren der Versammlungen. Im Gespräch mit unserer Redakteurin Karin Völker erzählen die beiden, was Europa für sie bedeutet und warum es sich lohnt mitzudemonstrieren. Nächste Gelegenheit: Sonntag um 14 Uhr auf dem Domplatz.  

Wie kommt man dazu, jede Woche Kundgebungen für Europa zu organisieren. Sind Sie erfahren als politische Aktivisten?

Lüer: Überhaupt nicht. Ich habe im Februar von „Pulse of Europe“ in der Zeitung gelesen – und gedacht, das passt gut zu Münster. Europa und die europäische Idee sind allerdings auch in meinem Berufsleben sehr präsent und für mich als überzeugten Europäer Herzensangelegenheiten.

Steuber: Europa ist auch mir eine Herzensangelegenheit. Deshalb engagiere ich mich seit einigen Jahren in einem überparteilichen proeuropäischen Verband, mache mir angesichts der europaweiten Erfolge der antieuropäischen Populisten allerdings so viel Sorgen um Europa wie nie. Als ich von „Pulse of Europe“ im Internet las, habe ich deshalb bei Facebook aufgerufen, das auch in Münster zu starten. Andere hatten dieselbe Idee und wir fanden über soziale Medien oder E-Mail zusammen.

Zu den Kundgebungen kamen immer mehr Menschen, inzwischen auf den Domplatz, weil der Prinzipalmarkt zu klein wurde. Was macht „Pulse of Europe“ so attraktiv?

Steuber: Viele kommen auf uns zu und berichten, dass „Pulse of Europe“ den Nerv bei ihnen treffe weil man sich für eine Sache positiv engagieren könne. Demonstrationen richten sich oft gegen etwas. Viele kommen auch wegen der Überparteilichkeit und weil sie sich einfach als Bürgerin oder Bürger engagieren und zeigen können, dass ihnen Europa wichtig ist.

Mit Musik für Europa: Pulse of Europe zum zweiten Mal auf dem Domplatz

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  • Foto: Matthias Ahlke
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Bei der EU wird oft an überbordende Bürokratie gedacht. Muss Europa mehr die Herzen erreichen?

Lüer: Bei unseren Eltern und Großeltern gibt es noch das Gefühl für die EU als Friedensprojekt. Für die Jüngeren ist das Leben in Frieden selbstverständlich. Man sieht ja auch, dass jetzt bei uns und in anderen EU-Ländern alte nationalistische Stereotype wieder hervorgekramt werden, sobald Probleme auftauchen, wie etwa die Eurokrise. Es geht darum, Toleranz und Rechtstaatlichkeit, also die Werte, auf die die EU-Länder sich verständigt haben, wieder ins allgemeine Bewusstsein zu holen. Natürlich geht es auch um Emotionen. Es stimmt mich optimistisch, dass wir jetzt in Fenstern und auf Balkonen in Münster Europafähnchen sehen.

Emotionen kommen bei den Kundgebungen ja auch auf, wenn gemeinsam die Europa-Hymne gesungen wird...

Lüer: Ja, das schafft Verbundenheit und alle Teilnehmer, nicht nur die, die etwas am offenen Mikrofon sagen wollen, können sich einbringen.

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Gibt es eigentlich immer genügend Freiwillige, die etwas bei den Kundgebungen sagen wollen?

Steuber: Es waren bisher immer passend viele Leute, die sich äußern wollten, Es freut uns auch, dass bekanntere Gesichter aus der Münsteraner Politik und Zivilgesellschaft sich als Privatpersonen beteiligen.

Gab es Kritik von Gegnern oder Pöbeleien im Netz?

Steuber: Inhaltliche Kritik ja, das ist aber ja auch wichtig. An Pöbeleien war hier in Münster bislang noch nichts. Die Populisten sind ein Problem, aber weit davon entfernt, die sogenannte schweigende Mehrheit abzubilden

Wie geht es weiter mit den Sonntagskundgebungen?

Lüer: Wir machen vorerst weiter bis zur zweiten Runde der Frankreichwahl am 7. Mai. Morgen ist ja der erste Wahlgang. auch im Zeichen von Frankreich. Wir hoffen auf Beiträge französischer Bürgerinnen und Bürger hier in Münster am offenen Mikrofon, und als Hausherr des Domplatzes wird Weihbischof Stefan Zekorn sprechen.“

Was bedeutet es für „Pulse of Europe“, wenn in Frankreich Marine Le Pen Präsidentin würde?

Steuber: Dann müssen die Kundgebungen weitergehen. So oder so braucht Europa Bewegungen wie „Pulse of Europe“.

Lüer: Wir denken gerade darüber nach, wie es weitergehen könnte. Ob wir neue Veranstaltungsformate oder einen anderen Rhythmus für die Kundgebungen finden, ist aber noch unklar.

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Sehen Sie die Gefahr, dass sich die jetzige Form der Kundgebungen, auf Dauer verschleißt?

Steuber: Europa braucht weiterhin positive öffentliche Unterstützung. Wir wollen aber auch zu konstruktiven und kritischen Diskussionen über die EU ermutigen, statt uns die europäische Idee von Populisten zerreden zu lassen.

Lüer: Wenn die Leute, die bei den Kundgebungen waren, nach Hause gehen und darüber mit Familie, Freunden und Kollegen reden, ist schon viel für Europa erreicht.

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