Sammelleidenschaft
Ungewöhnliches Privatmuseum mit längst vergessenem Spielzeug

Münster -

Der Wolbecker Steuerberater Gerd-Peter Bragulla hat ein ausgefallenes Hobby. Der 73-jährige sammelt Margarinefiguren, die es vor 60 Jahren mal als Packungsbeilagen beim Lebensmitteleinkauf gab. Seinen Schatz will er bald auch der Öffentlichkeit präsentieren.

Freitag, 05.05.2017, 13:00 Uhr aktualisiert: 05.05.2017, 13:06 Uhr
Facettenreich und immer wieder überraschend anders sind die Margarine-Figuren in der Sammlung des Wolbeckers Gerd-Peter Bragulla. Er hat auch Exemplare, die nie in den Handel gekommen sind.
Facettenreich und immer wieder überraschend anders sind die Margarine-Figuren in der Sammlung des Wolbeckers Gerd-Peter Bragulla. Er hat auch Exemplare, die nie in den Handel gekommen sind. Foto: hpe

Es gab sie nur vier Jahre lang von 1950 bis 1954 als kleine Zugaben im Lebensmittelgeschäft beim Kauf von Kaffee, Tee, Haferflocken oder Brotaufstrichen: Die so genannten Margarine-Figuren waren vor 60 Jahren ein beliebtestes und begehrtes Spielzeug für Kinder. Inzwischen sind die Indianer, Zootiere und Märchenfiguren aus Plastik nur noch Legende. Einer, die sie noch immer hegt und pflegt, ist Gerd-Peter Bragulla aus Wolbeck.

Das nach eigener Einschätzung größte Archiv an Margarine-Figuren schlummert bei ihm in 50 Vitrinen, Schränken und Kisten. Der 73-jährige Steuerberater hat als Kind die Liebe zu den kleinen Kunstwerken entdeckt.

„Wenn ich einkaufen gehen durfte, gab es bei einem Pfund Homann-Margarine immer ein Plastiktütchen mit einer Figur drin. Es hat lange gedauert, bis ich einen Zoo zusammenhatte“, erinnert sich Bragulla. Vor dem Haus gab es damals einen Sandkasten, und dort spielte Bragulla mit den Miniaturen aus Plastik. „Jeder hatte natürlich den Ehrgeiz, möglichst viele Figuren zu bekommen. Meine Eltern haben dann eben immer Homann-Margarine bekommen“, meint Bragulla mit einem Augenzwinkern. Erst Indianer, später kleine Boote. Auf den Packungen stand der Hinweis übrigens unmissverständlich drauf: „Das muss Mutti wissen. In jedem Viertelpfund-Paket ist ein kleines Schiff der Rheinflotte drin!“

Aber auch seine damals als Jugendlicher mühsam aufgebaute Sammlung verschwand irgendwann mal in einer Kiste auf dem Dachboden. Vor 20 Jahren dann entdeckte Bragulla seine große Liebe zu den kleinen Figuren neu. Bei einem Trödelmarktbesuch in Gremmendorf wurde ihm ein Karton randvoll mit Figuren angeboten. Krippen, Sportler, Lokomotiven, Segelboote und Tänzerinnen in vielen Farben ergänzten Bragullas Bestand. Über Kontakte zu früheren Herstellern der Figuren, Tauschbörsen und den Sammler-Freundeskreis hat der Wolbecker inzwischen weit über 20.000 teils exotische Figuren im Privatmuseum. Darunter auch Skizzenblöcke mit Bleistiftzeichnungen von Figuren, Spritzformen aus Metall und Vorserienmodelle, die nie in den Handel kamen.

„Die filigrane Form und Vielfalt der Figuren aus der frühen Nachkriegszeit ist bis heute einmalig und reizvoll“, so Bragulla.

Das schnelle Ende für die Figuren als Produktzugaben war allerdings vorprogrammiert. Weil immer mehr dieser Figuren den Markt überschwemmten und es am Ende für einen Kasten Bier ein komplettes Schachspiel im Miniformat dazu gab, einigten sich die Hersteller Ende 1954 darauf, sich wieder auf ihr Kerngeschäft „Lebensmittel“ zu konzentrieren. Die Zeit der kleinen Beilagen war beendet.

„Ein abgeschlossenes Sammelgebiet und dennoch so facettenreich“, schwärmt Bragulla. Bald will er seine Krippendarstellungen und Auszüge aus der historischen Figuren-Sammlung der Öffentlichkeit präsentieren.

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