Gewerbe in der Krise
Gutachten: Taxipreise sollen steigen

Münster -

Die Taxipreise sollen zum 1. Oktober steigen. Zudem schlägt ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten vor, die Zahl der Taxi-Genehmigungen zurückzufahren.

Freitag, 12.05.2017, 07:00 Uhr aktualisiert: 12.05.2017, 07:13 Uhr
Die Verwaltung schlägt vor, die Taxipreise zum 1. Oktober anzuheben. Der Rat wird über diesen Vorschlag in seiner Juli-Sitzung abstimmen.
Die Verwaltung schlägt vor, die Taxipreise zum 1. Oktober anzuheben. Der Rat wird über diesen Vorschlag in seiner Juli-Sitzung abstimmen. Foto: Oliver Werner

Zwei Jahre nach der letzten Erhöhung sollen die Taxipreise ab Oktober erneut angehoben werden. Laut Vorschlag der Verwaltung soll der Grundbetrag werktags zwischen 6 und 22 Uhr von 3,19 auf 3,50 Euro sowie zwischen 22 und 6 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 3,30 auf 3,80 Euro steigen. Der Preis pro gefahrenen Kilometer soll auf 2,20 bzw. 2,40 Euro steigen.

Grundlage für die Erhöhung ist ein umfangreiches Gutachten, das den Taximarkt unter die Lupe genommen hat - und zu überraschenden Erkenntnissen kommt.

Taxigewerbe ist bedroht

Immer mehr Einwohner, immer mehr Touristen, überdurchschnittlich hohe Kaufkraft – im Taxigewerbe, so sollte man meinen, brummt es nur so.

Doch weit gefehlt: Ein fast 120 Seiten langes, von der Verwaltung in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zu dem Schluss, dass es um das münsterische Taxigewerbe alles andere als gut steht, die Funktionsfähigkeit sei gar „bedroht“.

170 der 176 Taxiunternehmer füllten für das Gutachten Erhebungsbögen aus. Ein Teil äußerte sich in großer Deutlichkeit über den aktuellen Zustand dieser Branche in Münster. So wurde kritisiert, dass die Zahl der Genehmigungen zu hoch sei, dass es zu viele Mietwagen gebe, die den Taxifahrern Aufträge streitig machen, und dass einzelne Taxifahrer zu wenig Service bieten sowie mangelnde Deutsch- und Ortskenntnisse haben.

Mehr noch: Eine Reihe von Unternehmern fordert eine deutliche Ausweitung von Ordnungsamt- und Schwarzarbeit-Kontrollen an.

Viele Empfehlungen zur Verbesserung der Situation

Die Gutachter haben ihrerseits unter anderem die betriebswirtschaftliche Situation der Taxiunternehmen unter die Lupe genommen. Ergebnis: Die Gewinnsituation sei unzureichend, die Kosten seien hoch, ebenso die Belastung durch den gesetzlichen Mindestlohn. Zudem sei die Zahl der Aufträge von 2011 bis 2015 zurückgegangen. Fazit der Gutachter: Das Gewerbe ist „in der Funktionsfähigkeit in der Gegenwart und in der Zukunft bedroht“.

Die Liste der Empfehlungen, wie die Situation verbessert werden kann, ist lang. Sie reicht von einer Erhöhung der Tarife in kurzen zeitlichen Abständen (die Verwaltung schlägt die nächste Erhöhung für den 1. Oktober vor) über mehr Behördenkontrollen bis hin zu einer Reduzierung der Genehmigungen – von derzeit mehr als 260 auf 233. Zugleich fordern die Gutachter eine Qualitätsoffensive ein.

Von der Stadt, so die Gutachter weiter, sollten Taxis noch stärker Sonderrechte wie Befahren von Busspuren eingeräumt werden. Zudem appellieren sie an die Stadt, bei baulichen Maßnahmen in Münster auch Taxiunternehmen anzuhören.

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