Das Schweigen der Vögel
Nabu-Zählung: Gartenvögel auf dem Rückzug

MÜnster -

Drastischer Rückgang der Gartenvögel. Die jüngste Zählung des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) ergab am Wochenende teils große Rückgänge in Münster. Gründe: Schlechtes Klima und die Landwirtschaft.

Dienstag, 16.05.2017, 07:00 Uhr aktualisiert: 16.05.2017, 07:43 Uhr
Das Rebhuhn gilt in Münster schon als ausgestorben. dpa
Das Rebhuhn gilt in Münster schon als ausgestorben. Foto: dpa

Wenn Udo Wellerdieck, Mitarbeiter der Nabu-Naturschutzstation in Hiltrup, Führungen in die Welt der Vögel anbietet, fährt er gern ins Emsdettener Venn: „Da ist die Welt in Ordnung.“ In Münster herrscht dagegen Alarm. Die jüngste Gartenvogelzählung, die der Naturschutzbund (Nabu) am Wochenende mit vielen Freiwilligen durchführte, brachte jede Menge Minuspunkte.

Teils drastische Rückgänge

Gegenüber dem Vorjahr weisen die populärsten Gartenvögel teils drastische Rückgänge aus. Der Haussperling – minus 47 Prozent. Die Kohlmeise – minus 10 Prozent. Die Dohle – minus 44 Prozent. Ein Ausrutscher scheint der Mauersegler zu sein. In 60 Gärten wurde er 136 Mal gesichtet – mehr als doppelt so oft wie im Vorjahr. Für den Nabu-Vorsitzenden Peter Hlubek ist das aber keine Überraschung: „Wir haben sehr viele Nistkästen für den Mauersegler in der Stadt eingerichtet.“ Wenn jetzt mehr von den Vögeln zu sehen seien, habe das damit zu tun. Tatsächlich gehe auch deren Zahl seit Jahren zurück.

Hlubek erklärt den drastischen Rückgang vieler Vogelarten mit verschiedenen Faktoren: „Das Frühjahr 2016 war extrem feucht. Diverse Bruten sind zu 70 bis 80 Prozent ausgefallen.“ In diesem Jahr fielen März und April extrem kalt aus. Auch deshalb seien einige Bruten nicht durchgekommen.

„Auch das Rebhuhn ist fast ausgestorben“

Für den Nabu-Vorsitzenden schlägt aber derzeit eine Entwicklung durch, die er seit Jahrzehnten beobachtet. Die intensive Landwirtschaft lasse keine Blühpflanzen zu. Die seien aber die Nahrungsgrundlage der Vögel. Zwar gebe es Ackerrandbepflanzung an einigen Stellen, „aber die Politik ist nicht bereit, diese Randstreifen zu bezahlen.“ Das sei in Ländern wie Österreich und Frankreich anders.

Auch die Wanderung mancher Vogelarten sei in den vergangenen Jahren irregulär verlaufen. So seien Wandervögel aus Polen oder Weißrussland ausgeblieben. Damit entfalle auch die Auffrischung des Genmaterials der heimischen Vogelpopulation. „Erfahrungsgemäß bleiben zehn bis 15 Prozent der Wandervögel hier hängen“, sagt der Nabu-Chef.

Hlubek lebt seit 30 Jahren in Münster: „Seitdem sind bei uns vier Vogelarten ausgestorben.“ Haubenlerche, Gartenrotschwanz und Ortolan gebe es nicht mehr.

Was die häufig jagenden Landwirte vor allem bemerkt haben dürften: „Auch das Rebhuhn ist fast ausgestorben.“ Nur der Ringeltaube gehe es richtig gut: „Die frisst nur Grünfutter auf den Maisfeldern.“

Vogelzählung

Die Zahl der Vögel in NRW sinkt offenbar weiter. Darauf hat der Nabu am Montag hingewiesen. Beunruhigend seien etwa die Zahlen der Meisen, aber auch der Blick auf die Finkenvögel: „Zum langjährigen Sorgenkind Grünfink gesellt sich der Buchfink hinzu. Die Sichtungen des Grünfinken sind um 29, die des Buchfinken um 24 Prozent zurückgegangen.“

Die Vogelzählung läuft noch bis zum 22. Mai. Teilnehmerinnen und Teilnehmer können ihre Zählergebnisse vom vergangenen Wochenende auf der Homepage der Umweltschützer melden. Gründe für den Rückgang kennt der Nabu nicht: „Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass die Ursachenforschung eine Herausforderung wird“, sagte Kowalski.

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